10:58 28 September 2020
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    Im Fall des angeblich vergifteten russischen Bloggers Alexej Nawalny sollen Speziallabore in Frankreich und Schweden einen Nervengift-Kampfstoff aus der Nowitschok-Gruppe als Ursache festgestellt haben. Das sagte der Sprecher der Bundesregierung, Steffen Seibert, nachdem die Organisation für das Verbot chemischer Waffen eingeschaltet worden war.

    „Die Bundesregierung hat daher die Organisation für das Verbot Chemischer Waffen (OVCW) in die Analyse von Beweismitteln im Fall Nawalny einbezogen. Diese Einbindung der OVCW basiert auf Art. VIII 38 (e) des CWÜ, der allen Vertragsstaaten die Möglichkeit eröffnet, technische Unterstützung durch die OVCW zu erhalten“, heißt es im Schreiben.

    Die Organisation hätte Proben des russischen Bloggers und Kreml-Kritikers Alexej Nawalny entnommen und die nötigen Schritte eingeleitet, um diese durch Referenzlabore der OVCW untersuchen zu lassen.

    Darüber hinaus bat demnach die Bundesregierung mit Frankreich und Schweden auch weitere europäische Partner um eine unabhängige Überprüfung des deutschen Nachweises anhand erneuter Proben von Nawalny. Die Ergebnisse dieser Überprüfung durch Speziallabore in Frankreich und Schweden liegen laut der Mitteilung nunmehr vor und „bestätigen den deutschen Nachweis“.

    „Unabhängig von den noch laufenden Untersuchungen der OVCW haben damit nun bereits drei Labore unabhängig voneinander den Nachweis eines Nervenkampstoffes aus der Nowitschok-Gruppe als Ursache der Vergiftung von Herrn Nawalny erbracht.“

    Nawalny im Krankenhaus

    Alexej Nawalny hatte am 20. August auf einem Flug von Tomsk nach Moskau das Bewusstsein verloren, woraufhin das Flugzeug unverzüglich in Omsk landete. Er wurde in ein Omsker Krankenhaus gebracht und dort in ein künstliches Koma versetzt. Später wurde der 44-Jährige auf Drängen seiner Familie in die Berliner Charité verlegt. Noch am selben Tag begannen die russische Staatsanwaltschaft und die Polizei ihre Nachprüfung durchzuführen.

    Die Bundesregierung hat am 2. September, nach Untersuchungen eines Spezial-Labors der Bundeswehr, mitgeteilt, sie sehe es als zweifelsfrei erwiesen an, dass Nawalny mit einem chemischen Nervenkampfstoff der Nowitschok-Reihe vergiftet worden sei.

    Daraufhin erklärte der Kreml, Berlin habe Moskau nicht über seine Untersuchungsergebnisse informiert. Das russische Außenministerium betonte, dass Russland auf eine Antwort Deutschlands auf eine offizielle Anfrage zu dieser Situation warte. Die russische Botschaft in Berlin gab bekannt, sie erwarte von der deutschen Seite, dass sie so schnell wie möglich auf das Rechtshilfeersuchen der russischen Generalstaatsanwaltschaft vom 27. August im Fall Nawalny reagiert.

    Laut Kreml-Sprecher Dmitri Peskow wird in Russland vorerst de facto zum Fall Nawalny ermittelt. Sobald nachgewiesen sei, dass ein Giftstoff im Spiel war, werde de jure ein Ermittlungsverfahren aufgenommen. Am 7. September teilte die Universitätsklinik Charité mit, dass Nawalny aus dem künstlichen Koma geholt worden sei.

    ak/ae

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    Tags:
    Steffen Seibert, Alexej Nawalny, Nowitschok, Deutschland