13:28 23 Oktober 2020
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    Das ehemalige Mitglied der Kommission für Bio- und Chemiewaffen sowie der UN-Militärexperte, Igor Nikulin, hat gegenüber der russischen Zeitung „Komsomolskaja Prawda“ seine Meinung über das erste Foto des russischen Kreml-Kritikers Alexej Nawalny nach dessem Erwachen aus dem Koma geäußert.

    In einem am Dienstag veröffentlichten Interview vermutete Nikulin, dass Nawalny nicht vergiftet worden sei.

    „Wenn es keine (Vergiftung – Anm. d. Red.) war, dann sieht der Patient normal aus. Wenn es doch eine gab, dann ist die Tatsache, dass er nicht nur bei Bewusstsein ist, sondern auch nicht schlecht aussieht, schon nicht völlig in Ordnung“, zitiert das Blatt den Experten.
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    Er stimmte der Behauptung zu, dass Menschen, die mit dem im Westen als „Nowitschok“ bezeichneten Stoff vergiftet worden seien, entweder sterben oder sich lange in einem schweren Zustand befinden.

    „Nawalnys Aussehen bestätigt eher, dass – wenn auch etwas gegen ihn verwendet wurde – es sicher kein ‚Nowitschok‘ war.“

    Zusätzlich dazu sei der russische Regierungskritiker in einem Flugzeug gewesen, als er sich schlecht gefühlt habe. Er habe nicht sofort in ein Krankenhaus gebracht werden können, denn die Maschine habe zuerst landen müssen.

    „Entweder war es kein ‚Nowitschok‘ oder es hat überhaupt keine Vergiftung gegeben“, schloss Nikulin.

    Hintergrund

    Der russische Blogger Alexej Nawalny hatte am 20. August auf einem Flug von Tomsk nach Moskau das Bewusstsein verloren, woraufhin das Flugzeug unverzüglich in Omsk landete. Er wurde in ein Omsker Krankenhaus gebracht und dort in ein künstliches Koma versetzt. Später wurde der 44-Jährige auf Drängen seiner Familie in die Berliner Universitätsklinik Charité verlegt. Noch am selben Tag begannen die russische Staatsanwaltschaft und die Polizei mit den Ermittlungen.

    Zuvor hatte die Bundesregierung mitgeteilt, dass die Schlussfolgerungen deutscher Sachverständiger im Fall Nawalny von den Laboratorien Schwedens und Frankreichs bestätigt worden seien. Parallel dazu führt die OPCW (die Organisation für das Verbot chemischer Waffen) auf Ersuchen Berlins eigene Untersuchungen durch. Der Kreml sagte diesbezüglich, dass Berlin Moskau nicht über seine Ergebnisse informiert habe. Das russische Außenministerium betonte wiederum, dass Russland auf eine Antwort Deutschlands auf die offizielle Anfrage warten würde.

    Die Behörden in Deutschland bestreiten nicht, dass der deutsche Geheimdienst BND seit den 1990er Jahren einen Zugang zum Kampfstoff  „Nowitschok“ hat.

    Anfang September berichtete die Charité, dass sich Nawalnys Zustand verbessert habe. Er sei aus dem künstlichen Koma geholt und vom Beatmungsgerät getrennt worden, hieß es. Am Dienstag wurde im Instagram-Account von Nawalny das erste Foto von ihm nach dem Erwachen aus dem Koma veröffentlicht. Er gab an, am Tag zuvor den ganzen Tag selbständig geatmet zu haben.

    mo/mt

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