01:04 30 Oktober 2020
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    Die Organisatoren der Proteste nach den Präsidentschaftswahlen in Weißrussland haben einen Kurs zur Schaffung eines „radikalen Flügels“ der Demonstranten eingeschlagen. Der weißrussische Präsident Alexander Lukaschenko hat dies bei einem Treffen mit den politischen Führungskräften des Landes am Mittwoch bekanntgegeben. 

    „(…) Es wurde ein Kurs eingeschlagen, um einen radikalen Flügel der Protestler zu schaffen. Für diese werden konsequente Anleitungen und Memos entwickelt (dies könnt ihr auch im Internet sehen), Empfehlungen zur Art von Kleidung und Ausrüstung, zu den Methoden, den Sicherheitskräften zu widerstehen, zur Herstellung und Verwendung von Molotow-Cocktails, Feuerwerken und Feuerwerkskörpern. Die Grundregeln für die Aufrechterhaltung von Kontakten, auch unter Bedingungen fehlender Internet- oder Mobilfunkkommunikation, werden verbreitet. Es werden 'Hongkonger' Technologien für gleichzeitiges Sammeln an bestimmten Orten, spontane Änderung von Routen und synchrone Aktionen von Demonstranten ausgearbeitet“, zitiert die staatliche Agentur Belta Lukaschenko.

    Dem weißrussischen Präsidenten zufolge werden Versuche unternommen, den Protest zu einem Teil des täglichen Lebens der Menschen zu machen.

    „Die Anweisungen zur Schaffung der 'Bürgerwehr' und der 'Selbstverteidigungsgruppen' werden wiederholt weitergegeben. Die Taktik des Hofprotestes wird durch die Bildung von Minigruppen und Chats in Bezirken, Wohnsiedlungen und einzelnen Innenhöfen umgesetzt. Heute versuchen die Koordinatoren, Innenhöfe zu vereinen, morgen werden sie in eure Wohnungen kommen. Dies ist ihr Ziel. Es wird nicht aufgehen“, sagte Lukaschenko.

    Proteste nach Urnengang

    Nach den Präsidentschaftswahlen, die zum sechsten Mal vom Amtsinhaber Alexander Lukaschenko gewonnen wurden, begannen am 9. August in ganz Weißrussland massive Proteste der Opposition. Nach Angaben der Wahlkommission (ZIK) hat Lukaschenko 80,1 Prozent der Stimmen erzielt. Die Opposition glaubt jedoch, dass seine Hauptkonkurrentin, Swetlana Tichanowskaja - sie erhielt 10,12 Prozent -, die Wahl gewonnen habe. Nach Informationen ihres Wahlkampfteams gewann sie mit 70 bis 80 Prozent der Stimmen.

    Die Opposition akzeptierte die offiziellen Wahlergebnisse nicht und kündigte die Schaffung eines Koordinierungsrates für die Machtübertragung an. Tichanowskaja selbst traf die Entscheidung, das Land zu verlassen, und ging nach Litauen.

    Zunächst wurden die Aktionen von den Sicherheitskräften unterdrückt und gegen die Demonstranten, die mit den Wahlergebnissen nicht einverstanden waren, verwendeten sie Tränengas, Wasserwerfer, Blitzgranaten und Gummigeschosse. Dann hörten die Strafverfolgungsbehörden auf, die Kundgebungen aufzulösen und Gewalt anzuwenden.

    Nach offiziellen Angaben wurden in den ersten Tagen über 6.700 Menschen festgenommen. Das  weißrussische Innenministerium gab an, dass bei den Unruhen Hunderte von Menschen, darunter über 120 Polizeibeamte, verletzt worden seien. Drei Demonstranten starben.

    pd/mt/sna

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    Tags:
    Koordination, Wahl, Demonstranten, Protest, Alexander Lukaschenko, Weißrussland