05:58 20 Oktober 2020
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    Die polnische Generalstaatsanwaltschaft hat einen Antrag auf provisorische Haft für drei Fluglotsen gestellt, die im Jahr 2010 während des Absturzes einer polnischen Regierungsmaschine am Flughafen Smolensk-Sewerny im russischen Gebiet Smolensk gearbeitet hatten. Das teilte die Pressesprecherin der Behörde, Eva Bialik, RIA Novosti mit.

    Bialik nannte die Fluglotsen mit Vornamen. „Es handelt sich um (…) Pawel P., Viktor R. und Nikolai K.“, sagte sie. Nach polnischem Gesetz dürfen die Personen, gegen die ein Verfahren läuft, nicht mit vollem Namen genannt werden.  

    Sollte das Gericht von Warszawa-Mokotów einen Haftbefehl erteilen, würde dies einen Schritt zur Ausschreibung der Fluglotsen zur internationalen Fahndung und zum anschließenden Ersuchen um ihre Auslieferung an Warschau bedeuten. „Die gegen die Fluglotsen erhobenen Anschuldigungen betreffen ein wissentliches Provozieren der Flugkatastrophe, die den Tod von vielen Menschen nach sich gezogen hat“, erläuterte Bialik.

    Die Regierungsmaschine Tu-154 war am 10. April 2010 beim Landeanflug auf den Flughafen Smolensk-Sewerny verunglückt. An Bord befanden sich neben acht Crewmitgliedern auch 88 Passagiere – Mitglieder einer Delegation, die an den Trauerfeierlichkeiten im Ort Katyn teilnehmen sollte. Zu den Passagieren gehörten Polens Staatspräsident Lech Kaczyński und seine Ehefrau Maria Kaczyńska. Niemand überlebte.

    Das Zwischenstaatliche Luftfahrtkomitee (IAC) hat im Jahr 2011 einen Endbericht veröffentlicht, laut dem das Flugzeugunglück auf die Weigerung der Besatzung zurückzuführen war, einen Ausweichflughafen anzufliegen. Weitere, systembedingte Ursachen des Unglücks seien Mängel bei der Flugversorgung und der Ausbildung der Crewmitglieder gewesen, hieß es.

    Die erste polnische Ermittlungskommission unter Leitung des früheren Innenministers Jerzy Miller kam zum gleichen Schluss. Sie sah die Unglücksursache darin, dass die Regierungsmaschine bei dichtem Nebel in einer zu geringen Höhe den Landeanflug versuchte.  

    Der Anflug wurde etwa 30 Meter über Grund abgebrochen, so dass es den Piloten nicht mehr gelang, die Maschine hochzuziehen. Das Flugzeug prallte auf den Boden, zerbrach in mehrere Teile und geriet in Brand.

    Die heutigen polnischen Behörden haben den IAC-Bericht und das Gutachten der Kommission von Miller abgelehnt und eine neue Ermittlungskommission eingesetzt, die ihre Arbeit noch immer nicht abgeschlossen hat. Die neue Kommission prüft unterschiedliche Versionen, darunter auch ein wissentliches Handeln der Fluglotsen. 

    Moskau hat das erneute Ermittlungsverfahren Polens als politisch engagiert eingestuft.

    ls/mt

     

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    Tags:
    Generalstaatsanwaltschaft, Russland, Polen