08:18 23 Oktober 2020
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    Die Wasserflaschen aus dem Hotelzimmer in der sibirischen Stadt Tomsk, wo sich Alexej Nawalny aufgehalten hat, sind auf Ersuchen von dessen Stabschef im deutschen Rettungsflieger nach Berlin transportiert worden. Dies teilte der Gründer der Initiative „Cinema for Peace“, Jaka Bizilj, am Donnerstag mit.

    „Die Wasserflaschen, um die es jetzt geht, wurden im deutschen Rettungsflieger transportiert. Nawalnys Stabschef hatte mich gebeten, sicherzustellen, dass die Flaschen transportiert werden können, obwohl darin ja noch Flüssigkeit war. Das Team hat das ermöglicht“, sagte Bizilj der „Bild“. Dabei machte er keine näheren Angaben darüber, um welches Team es gehe. Zuvor hatte Bizilj den Rettungsflieger organisiert, der Nawalny aus Tomsk nach Berlin brachte.

    In einer am Donnerstag auf dem Instagram-Konto von Nawalny veröffentlichten Erklärung heißt es, dass der Kampfstoff „Nowitschok“, mit dem er nach Angaben der deutschen Militärmediziner vergiftet worden sei, auf einer Wasserflasche aus einem Zimmer des Tomsker Hotels gefunden worden sei. Nachdem die Mitarbeiter des Antikorruptionsfonds (FBK) in Tomsk vom Vorfall im Flugzeug erfahren hätten, hätten sie einen Anwalt gerufen, seien ins Hotelzimmer gegangen, und hätten begonnen, alles, was sie fanden, darunter Wasserflaschen, einzusammeln, zu beschreiben und zu verpacken.

    Zuvor hatte der russische Wissenschaftler Leonid Rink, der an der Entwicklung des Nervengiftes „А-234 Nowitschok“ gearbeitet hatte, Zweifel daran geäußert, dass die Flasche aus einem Hotelzimmer entnommen wurde. Das Auftragen von „Novitschok“ im Hotel hätte nicht nur zum Tod des Kremlkritikers, sondern auch all jener Personen geführt, die die Flasche berührten, sagte Rink.

    Fall Nawalny 

    Der russische Kremlkritiker Alexej Nawalny hatte am 20. August auf einem Flug von Tomsk nach Moskau das Bewusstsein verloren, woraufhin das Flugzeug unverzüglich in Omsk landete. Er wurde in ein Omsker Krankenhaus gebracht und dort in ein künstliches Koma versetzt. Später wurde der 44-Jährige auf Drängen seiner Familie in die Berliner Universitätsklinik Charité verlegt. 

    Die Bundesregierung hatte am 2. September nach Untersuchungen eines Spezial-Labors der Bundeswehr mitgeteilt, sie sehe es als zweifelsfrei erwiesen an, dass Nawalny mit einem chemischen Nervenkampfstoff der „Nowitschok“-Reihe vergiftet worden sei. Die Schlussfolgerungen deutscher Sachverständiger seien von Labors in Schweden und Frankreich bestätigt worden, hieß es weiter. 

    Parallel dazu führt die OPCW auf Ersuchen Berlins eigene Untersuchungen durch. Der Kreml sagte diesbezüglich, dass Berlin Moskau nicht über seine Ergebnisse informiert habe. Das russische Außenministerium betonte wiederum, dass Russland auf eine Antwort Deutschlands auf die offizielle Anfrage warte.

    Russland sei an der Aufklärung des Falls interessiert, wofür es Informationen aus Deutschland bräuchte, die noch nicht eingegangen seien, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow. Die Ermittlungsmaßnahmen in Bezug auf die Situation um Nawalny würden de facto laufen, teilte er weiter mit. Wenn das Vorhandensein einer giftigen Substanz bestätigt werde, würden die Ermittlungen de jure eingeleitet, so Peskow.

    pd/mt/sna

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    Tags:
    Nervengift, Berlin, Flugzeug, Hotel, Flüssigkeit, Flasche