03:53 29 Oktober 2020
SNA Radio
    Politik
    Zum Kurzlink
    Von
    181781
    Abonnieren

    Parallel zu den Verhandlungen im Fall Assange erheben seine Unterstützer ihre Stimmen. Chomsky erinnert an die höchste Mission des Journalismus. Eine Journalistin und Assange-Unterstützerin nennt die Verhandlungen „eine Performance“ und ein Prozessbeobachter verrät, wie ein Zeuge der Verteidigung diskreditiert wird.

    In einem Interview mit Jimmy Dore, dessen Show der linke Intellektuelle Noam Chomsky zugeschaltet war, unterstrich der Assange-Unterstützer zunächst die Verdienste des Wikileaks-Gründers:

    „Die Grundlage einer freien, demokratischen Gesellschaft ist, dass die Öffentlichkeit wissen, verstehen und kritisch hinterfragen sollte, was ihre gewählten Volksvertreter tun. Die oberste Pflicht der Journalisten ist, diese Verantwortung anzunehmen und zu erfüllen, wie Julian Assange es mit großem Mut getan hat. Man sollte betonen, dass er dafür, dass er diese wichtigste Mission des Journalismus auf höchsten Niveau ausgeführt hat, jetzt mit extrem harter Bestrafung durch eine Regierung bedroht ist, die Enthüllungen über ihre Machenschaften mit allen Mitteln unterdrücken will.“

    Es komme jetzt auf Aktionen und Reaktionen der Zivilgesellschaft an, so Chomsky. Wenn der Prozess um die Auslieferung Assanges einen öffentlichen Aufschrei bewirkt, so könne das den Ausgang der Verhandlung beeinflussen. Was hier auf dem Spiel stehe, sei nicht nur das Schicksal eines mutigen Journalisten, sondern auch das des Journalismus, der Meinungsfreiheit und der demokratischen Werte.

    Über das weitgehende Schweigen der Medien zum Fall Assange wundert sich der linke Intellektuelle und Autor zahlreicher Bücher, darunter über die illegalen Kriege der USA. Vielleicht seien sie eingeschüchtert oder hätten andere Gründe.

    „Aber es gereicht dem Journalismus nicht zur Ehre, sie davor zurückschrecken zu sehen, jemanden zu unterstützen, der den höchsten Idealen des Berufsstands gerecht geworden ist und dafür brutal verfolgt wird. Dieser Mission sollten andere Journalisten Beifall spenden, sie sollten sich an der Frontlinie befinden, wenn es darum geht, Assange zu verteidigen. Und sie sollten sich selbst gegen die staatliche Macht stellen, die außer Kontrolle geraten ist.“

    Ein kafkeaeskes Gerichtsverfahren

    Von einem kafkaesken Gerichtsverfahren im Fall der Auslieferung von Assange spricht die Journalistin und Assange-Unterstützerin Caitlyn Johnstone in ihrem jüngsten Artikel auf „medium.com“. Es sei eine „inszenierte Performance der Regierungen von Großbritannien und den USA mit dem Ziel, zu erklären, warum es völlig okay sei, dass mächtige Regierungen Journalisten einsperren, die unbequeme Wahrheiten über sie aufdecken“.

    Inmitten all der Argumente für und wider die Auslieferung sind folgende Punkte zu beachten:

    1. Es sollte immer legal sein, Kriegsverbrechen aufzudecken.
    2. Es sollte für Regierungen immer illegal sein, Beweise für ihre Kriegsverbrechen zu vertuschen.
    3. Kriegsverbrechen sollten immer bestraft werden.
    4. Menschen, die verbrecherische Kriege anfangen, sollten immer bestraft werden.
    5. Regierungen sollte es nicht erlaubt sein, ein Geheimhaltungslevel zu haben, das ihnen erlaubt, verbrecherische Kriege anzufangen.
    6. Macht und Geheimhaltung sollten immer ein inverses Verhältnis zueinander haben.

    So werden die Zeugen diskreditiert

    Mit welchen Mitteln die Vertreter der US-Justiz versuchen, die Zeugen der Verteidigung zu diskreditieren, ist auf dem Blog des Assange-Vertrauten und Prozessbeobachters Craig Murray nachzulesen. Der Menschenrechtler und ehemalige britische Botschafter in Usbekistan schildert dort am Freitag das Kreuzverhör von Carey Shenkman durch die US-Anwältin Clare Dobbin. Shenkman, Rechtanwalt aus New York, wurde von der Verteidigung als Zeuge gerufen und sollte als Experte über das US-Spionagegesetz aussagen. Dobbin stellte ihm konsequent Fragen, die nicht mit der Expertise von Shenkman zu tun hatten oder ihn zu Aussagen darüber drängen sollten, was Assange zu welchem Zeitpunkt wusste oder vorhatte.

    Das 180 Seiten starke Material über verschiedene Fälle und konkrete Richtersprüche, auf das sich Dobbin bei ihrer Befragung bezogen habe, habe der Zeuge um drei Uhr morgens – nur sechs Stunden vor seiner Befragung – bekommen. So habe er praktisch keine Chance gehabt, sich damit vertraut zu machen. Diese Taktik verfolge die US-Seite bei den Zeugen der Verteidigung konsequent, so Murray.

     

     

     

     

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Sputnik kommentierenvia Facebook kommentieren

    Zum Thema:

    WikiLeaks-Gründer Assange erhält Stuttgarter Friedenspreis
    Von USA abgehört: Assange-Anwalt Garzón erhebt schwere Vorwürfe
    Heike Hänsel (Linke) zum Assange-Tribunal: „Es ist kein fairer Prozess“
    Tags:
    Prozess, Gericht, Gericht, Pressefreiheit, Journalistik, Journalismus, Noam Chomsky, WikiLeaks, Julian Assange