04:40 29 Oktober 2020
SNA Radio
    Politik
    Zum Kurzlink
    14025525
    Abonnieren

    Nach einer Zuspitzung der Lage in Bergkarabach am Sonntag hat das russische Außenministerium die Konfliktparteien dazu aufgerufen, den Beschuss unverzüglich einzustellen. 

    „Wir rufen die Seiten dazu auf, das Feuer unverzüglich einzustellen und Verhandlungen aufzunehmen, um die Situation zu stabilisieren“, heißt es in der Mitteilung des russischen Außenministeriums. 

    Mehr zum Thema: Paschinjan-Putin-Telefonat : „Eskalation in Bergkarabach muss verhindert werden“

    Zudem bekundete das Ministerium seine Besorgtheit darüber, dass es von den beiden Seiten intensive Feuerangriffe gebe, sowie über Angaben über Verluste.

    Stepanakert verbereitete auf YouTube ein Video, das die Lage in der Stadt nach einem Luftangriff zeigt.

    Der Botschafter Armeniens in Russland, Wardan Togonjan, äußerte sich zu der Situation in Bergkarabach.

    Mehr zum Thema: Aserbaidschan verhängt in einigen Regionen Kriegszustand

    Ihm zufolge hat Eriwan nicht vor, nach der Zunahme der Spannungen in der Region militärische Kräfte in die international nicht anerkannte Republik Bergkarabach zu verlegen. Es sei nicht notwendig. 

    „Zurzeit besteht keine Notwendigkeit, da die Armee von Bergkarabach entsprechende Maßnahmen trifft. Nach vorliegenden Angaben sind zwei Panzer und ein aserbaidschanischer Hubschrauber abgeschossen worden. Das heißt, dass Maßnahmen ergriffen werden“, sagte Togonjan gegenüber Journalisten. 

    Das armenische Verteidigungsministerium veröffentlichte ein Video, das die Vernichtung von aserbaidschanischen Panzern an der Berührungslinie  in Bergkarabach zeigt. Die aserbaidschanische  Seite weist indes die Meldung über die Vernichtung ihrer Militärtechnik zurück.

    Lesen Sie auch: Baku wirft Jerewan Verbreitung von Falschmeldungen vor

    Zuvor am Sonntag hatte das Verteidigungsministerium Aserbaidschans erklärt, dass die armenischen Streitkräfte Ortschaften an der Berührungslinie in Bergkarabach beschossen hätten. 

    Es soll demnach Verletzte unter den Zivilisten geben.

    Wie es weiter hieß, seien auf Bergkarabach Luft- und Raketenangriffe erfolgt (…).

    Die armenische Seite soll zwei Hubschrauber und drei Drohnen Aserbaidschans abgeschossen haben.

    Wie der Sprecher der international nicht anerkannten Republik Bergkarabach, Wagram Pogosjan, mitteilte, seien Ortschaften in Bergkarabach, darunter auch die Hauptstadt Stepanakert, einem Artilleriebeschuss ausgesetzt gewesen. Zudem rief er die Bevölkerung auf, sich in Sicherheit zu bringen.

    Daraufhin hatte das Verteidigungsministerium Aserbaidschans erklärt, die Streitkräfte des Landes hätten eine Gegenoffensive an der ganzen Berührungslinie in Bergkarabach begonnen.   

    Armeniens Vorgehen nicht „unbeantwortet lassen“ 

    Der aserbaidschanische Präsident, Ilcham Alijew, sagte zu, Armeniens Vorgehen nicht  „unbeantwortet zu lassen“.

    „Am Sonntagmorgen haben die armenischen Streitkräfte begonnen, die Stellungen der aserbaidschanischen Streitkräfte und Ortschaften in verschiedenen Richtungen der Berührungslinie unter Beschuss zu nehmen. Dabei erfolgten die Feuerangriffe mit verschiedenen Waffen, darunter auch mit überschweren. Es ist eine weitere militärische Provokation Armeniens. Infolge des Beschusses der armenischen Militärs gibt es Verluste unter den aserbaidschanischen Militärs und der zivilen Bevölkerung zu beklagen. Aserbaidschan wird das Vorgehen Armeniens nicht unbeantwortet lassen“, so Alijew.

    Ihm zufolge werden zurzeit Schläge auf die Stellungen des Gegners ausgeführt. Es sei Militärtechnik zerstört worden. 

    Reaktionen auf Zuspitzung des Bergkarabach-Konfliktes

    Das Außenministerium Österreich forderte die Regierung Armeniens und die Regierung Aserbaidschans dazu auf, den militärischen Konflikt zu stoppen und zu einem Dialog zurückzukehren.

    Österreich sei besorgt über die Verschärfung des Bergkarabach-Konfliktes, heißt es. 

    Der Sprecher der Organisation des Vertrages über kollektive Sicherheit (OVKS), Wladimir Sainetdinow, verwies darauf, dass der Konflikt in Bergkarabach nur auf friedlichem Wege  gelöst werden müsste.

    „Wir denken, dass dieser Konflikt ausschließlich auf friedlichem Wege  gelöst werden muss. Dafür gibt es den vorhandenen international anerkannten Mechanismus – die Minsker OSZE-Gruppe,  die für die Konflikt-Regelung zuständig ist“, sagte Sainetdinow. 

    Die Europäische Union rief laut dem Hohen Vertreter der EU für Außen- und Sicherheitspolitik, Josep Borrell, die Konfliktparteien im Bergkarabach-Konflikt zur Deeskalation sowie zur strikten Einhaltung  der Feuereinstellung auf.    

    „Die EU ruft dazu auf, den Kampfhandlungen unverzüglich ein Ende zu setzen, die Situation zu deeskalieren sowie die Feuereinstellung strikt einzuhalten. Man soll unverzüglich zu Verhandlungen über die Regelung des Bergkarabach-Konfliktes unter der Schirmherrschaft der Co-Vorsitzenden der Minsker OSZE-Gruppe zurückkehren, ohne Vorbedingungen“,  heißt es in der Erklärung des ranghohen EU-Vertreters.  

    Maas fordert sofortige Einstellung der Kämpfe um Bergkarabach

    Nach dem neuen Aufflammen des Bergkarabach-Konflikts forderte Bundesaußenminister Heiko Maas eine sofortige Einstellung der Kämpfe.

    Er sei alarmiert über die erneuten, massiven Auseinandersetzungen zwischen Aserbaidschan und Armenien und Berichte über zivile Opfer auf beiden Seiten.

    „Ich rufe beide Konfliktparteien dazu auf, sämtliche Kampfhandlungen und insbesondere den Beschuss von Dörfern und Städten umgehend einzustellen“, betonte Maas am Sonntag nach Angaben seines Ministeriums in Berlin.

    Der Konflikt um die Region Bergkarabach könne nur auf dem Verhandlungsweg gelöst werden, sagte der Außenminister.

    Die OSZE-Minsk-Gruppe stehe mit ihren drei Co-Vorsitzenden Frankreich, Russland und USA dafür bereit. In der Gruppe sind neben Aserbaidschan und Armenien Belarus, Deutschland, Italien, Schweden, Finnland und die Türkei vertreten.-

    Kriegszustand und allgemeine Mobilmachung in Armenien  

    Wegen  der Zuspitzung der Lage in Bergkarabach verkündete Armenien laut seinem Premierminister Nikol Paschinjan den Kriegszustand und eine allgemeine Mobilmachung. 

    „Auf Regierungsbeschluss werden in der Republik Armenien ein Kriegszustand und eine allgemeine Mobilmachung angeordnet. Der Beschluss tritt nach seiner offiziellen Veröffentlichung in Kraft. Ich rufe den Personalbestand, der den Truppen zugerechnet ist, dazu auf, sich in seinen territorialen Militärkommissariaten zu melden“, schrieb Paschinajn via Facebook. 

    Lawrow- Cavusoglu-Telefonat

    Bei einem Telefonat zwischen den Außenministern Russlands und der Türkei, Sergej Lawrow und Mevlüt Cavusoglu, am Sonntag tauschten die Seiten Meinungen über die aktuelle Situation in Bergkarabach aus.  Es sei dabei die Notwendigkeit hervorgehoben worden, das Feuer möglich schnell einzustellen und die Situation an der Berührungslinie zu stabilisieren,  heißt es in der Mitteilung des russischen Außenministeriums.   

    „Am 27. September fand ein Telefongespräch des russischen Außenministers, Sergej Lawrow, mit seinem türkischen Amtskollegen, Mevlüt Cavusoglu, statt, bei dem ein Meinungsaustausch über die Situation, die im Raum des Bergkarabach-Konfliktes entsteht, erfolgte“, heißt es.    

    Im Rahmen der Konversation hätten Lawrow und Cavusoglu den Angehörigen der Toten infolge der Kampfhandlungen ihr Beileid ausgedrückt.

    Bergkarabach-Konflikt

    Im Februar 1988 war in dem mehrheitlich von Armeniern bewohnten und zu Aserbaidschan gehörenden autonomen Gebiet Bergkarabach ein Konflikt ausgebrochen, nachdem Bergkarabach seinen Austritt aus der Aserbaidschanischen SSR verkündet hatte. Im September 1991 wurde im Verwaltungszentrum von Bergkarabach, Stepanakert, die Republik Bergkarabach ausgerufen. Im Zuge des militärischen Konflikts in den Jahren 1992-1994 hatte Aserbaidschan die Kontrolle über Bergkarabach verloren.

    Seit dem Jahr 1992 laufen Verhandlungen über eine friedliche Beilegung des Konflikts im Rahmen der Minsker OSZE-Gruppe. Es handelt sich eigentlich um einen Konflikt zwischen Armenien, das die Interessen der Republik Bergkarabach vertritt, und Aserbaidschan. Dieses besteht weiter auf der Rückgabe Bergkarabachs und Armenien auf dessen Unabhängigkeit von Aserbaidschan.

     

    ns/sna/ae

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Sputnik kommentierenvia Facebook kommentieren

    Zum Thema:

    MdB Hansjörg Müller (AfD) zum Fall Nawalny: Die deutsche Seite will nicht kooperieren
    Grenzverletzung verhindert: Su-27 verjagt französische Kampfflugzeuge – Video
    Hohe Corona-Zahlen: Drosten fordert „Mini-Lockdown“ und Lauterbach Kontrollen in Privatwohnungen
    Tags:
    Mobilmachung, Kriegszustand, Militärtechnik, Bergkarabach-Konflikt, Aserbaidschan, Russland