16:06 30 Oktober 2020
SNA Radio
    Politik
    Zum Kurzlink
    Fall Nawalny: Streit um Vergiftung des Kreml-Kritikers (124)
    172874
    Abonnieren

    Abgeordnete der russischen Duma haben den Bundestagspräsidenten Wolfgang Schäuble in einem Schreiben dazu aufgerufen, gemeinsam an der Aufklärung des sog. Nawalny-Falls zu arbeiten. Deutsche Behörden seien untätig, nötig sei eine Behandlung konkreter Fragen im Einzelnen.

    Ein Ausschuss und eine Arbeitsgruppe mit Parlamentariern aus Russland und Deutschland wären die geeigneten Mittel, um die Ermittlungen zur Vergiftung des russischen Bloggers Alexej Nawalny unter parlamentarische Kontrolle zu stellen, heißt es in dem Schreiben an den Bundestagspräsidenten. Die Initiatoren dieses Aufrufs sind Abgeordnete der russischen Duma (Unterhaus des Parlaments), genauer: Mitglieder im Duma-Ausschuss zur Aufklärung von Tatbeständen der Einmischung ausländischer Staaten in die inneren Angelegenheiten Russlands.

    Westliche Medien und eine Reihe deutscher Politiker, heißt es in dem Schreiben, hätten in Bezug auf die „angeblich vorsätzliche Vergiftung“ Nawalnys durch Russland eine „breitangelegte Kampagne“ gestartet: eine „geplante Aktion“ in der Absicht, eine Konfrontation anzufachen und die russisch-deutschen Beziehungen zu lädieren.

    Warum die russischen Abgeordneten sich zu dieser Initiative entschlossen haben, erklärt im Sputnik-Gespräch einer der Co-Autoren des Nawalny-Schreibens an den deutschen Bundestag, Alexej Tschepa, Vize-Fraktionsvorsitzender der Partei „Gerechtes Russland“ und Mitglied im einschlägigen Duma-Ausschuss:

    „Ausschlaggebend war die Untätigkeit der deutschen Behörden, die den offiziellen russischen Stellen die Mitwirkung verweigern und offizielle Anfragen von unserer Seite zum Fall Nawalny unbeantwortet lassen. Viele der sog. Tatsachen, die man gegenwärtig veröffentlicht und derer westliche Politiker sich bedienen, sind haltlos. Deshalb schlagen wir vor, auf jede einzelne Frage konkreter einzugehen. Und wir fordern beidseitige Ermittlungen“, so der russische Politiker.

    Deutsche Behörden behaupten, Alexej Nawalny sei mit einer Substanz der Nowitschok-Gruppe vergiftet worden. Gleichwohl werden die Ergebnisse der Stoffanalyse nicht veröffentlicht. Aber es ist bekannt, dass Russland die Entwicklung chemischer Kampfstoffe 1992 eingestellt hatte und 2017 alle noch vorhandenen Bestände solcher Stoffe unter der Aufsicht der Organisation für das Verbot chemischer Waffen vernichtete. Bekanntermaßen hatte der Bundesnachrichtendienst seit den Neunzigerjahren Zugang zu Substanzen der Nowitschok-Gruppe. Circa 20 westliche Staaten nahmen Analysen dieser Stoffgruppe vor.

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Sputnik kommentierenvia Facebook kommentieren
    Themen:
    Fall Nawalny: Streit um Vergiftung des Kreml-Kritikers (124)

    Zum Thema:

    Schweres Erdbeben erschüttert die Türkei und Griechenland – Videos
    Das müssen Putin und Merkel wissen – Gysi über Verhältnis zu Russland und Berlin als Hauptvermittler
    Tödliche Messerattacke in Nizza: Das fanden Ermittler am Tatort
    Tags:
    Russland, Staatsduma, Bundestag, Alexej Nawalny