06:24 20 Oktober 2020
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    Bundeskanzlerin Merkel hat den Berichten deutscher Medien zufolge den russischen Blogger Alexej Nawalny am Krankenbett besucht. Ein Experte für Auswärtiges kommentiert im Sputnik-Gespräch.

    Es sei ein „privates Treffen“ gewesen, der Besuch der Bundeskanzlerin bei Alexej Nawalny in der Charité, schreiben deutsche Medien. Mit dieser ungewöhnlichen Geste habe die Kanzlerin die Solidarität der deutschen Regierung mit dem russischen Blogger zum Ausdruck bringen wollen.

    In diesem Zusammenhang erinnert der Diplomat Lew Klepazki, Professor an der Diplomatischen Akademie des Außenministeriums in Moskau, an einen anderen Fall: an eine Politikerin, die auch in Berlin behandelt wurde – an Julia Timoschenko, ehemalige Regierungschefin der Ukraine. Sie war im März 2014 ebenfalls in der Charité in Behandlung, nur:

    „Die Aufmerksamkeit, die die deutsche Regierung, auch die Bundeskanzlerin diesem ranghohen Gast damals zukommen ließ, war erstaunlich gering!“

    Dass die Kanzlerin im gegenwärtigen Fall den Kranken aber besucht – und dies „nicht-öffentlich“, ja „privat“ –, wertet der erfahrene Diplomat als ein Zeichen dafür, wie dünn das Eis sei, auf dem die Bundesregierung sich bewege: „Die deutsche Seite fühlt sich hier offenkundig sehr unwohl. Ein öffentliches Treffen mit Nawalny wäre womöglich zu gewagt gewesen. Offensichtlich gab es einen Plan und der Plan ging schief. Zu begründen ist dieser Besuch, sofern er denn stattgefunden hat, nur damit, dass glaubhafte Argumente für die offizielle Version der Bundesregierung fehlen.“

    Hintergrund:

    Alexej Nawalny wurde am 20. August im sibirischen Omsk hospitalisiert, nachdem er auf einem Flug das Bewusstsein verloren hatte. Russische Ärzte diagnostizierten eine Stoffwechselstörung; Giftspuren fanden sie weder in Blut- noch in Urinproben von Nawalny. Später wurde der Patient in die Berliner Charité ausgeflogen.

    Anfang September erklärte die Bundesregierung, der Russe sei mit einer Substanz aus der Kampfstoffgruppe „Nowitschok“ vergiftet worden. Moskau erbat die deutschen Behörden um genauere Angaben zum Laborbefund, erhielt jedoch keine Antwort.

    Russland hatte 1992 auf Erlass des damaligen Präsidenten, Boris Jelzin, seine Arbeiten auf dem Gebiet chemischer Kampfstoffe eingestellt und 2017 alle seine Bestände an solchen Substanzen vernichtet, was die Organisation für das Verbot chemischer Waffen bestätigte.

    Dabei ist bekannt, dass der Bundesnachrichtendienst ebenso wie 20 weitere westliche Staaten – darunter Großbritannien, die USA, Schweden und Tschechien – seit den Neunzigerjahren Zugang zu den Kampfstoffen der „Nowitschok“-Gruppe hatten.

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    Tags:
    Nowitschok, Angela Merkel, Alexej Nawalny