18:28 19 Oktober 2020
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    Die Kämpfe in Bergkarabach werden laut dem aserbaidschanischen Präsidenten Ilcham Alijew erst dann eingestellt, wenn Jerewan seine Truppen aus dem Gebiet zurückzieht. Dem Staatschef zufolge will Aserbaidschan, das das Völkerrecht auf seiner Seite habe, seine territoriale Integrität wiederherstellen.

    Alijew besuchte am Mittwoch aserbaidschanische Militärangehörige in der Zentralen Klinik in Baku, die bei den Gefechten in Bergkarabach verwundet wurden. Dort unterhielt er sich auch mit Journalisten und nannte die wichtigste Bedingung für den Waffenstillstand in dem erneut entfachten Bergkarabach-Konflikt.

    „Wir erleiden Verluste. Aber das ist eine gerechte Sache. Das Völkerrecht ist auf unserer Seite (…) Wir haben eine Bedingung – der bedingungslose Rückzug der Streitkräfte Armeniens aus dem besetzten Territorium. Wenn die armenische Regierung diese Bedingung erfüllt, hören die Kämpfe auf, zieht Frieden ein“, erklärte Alijew.

    Ihm zufolge stellt Baku die historische Gerechtigkeit wieder her. Karabach sei ein ursprüngliches Gebiet Aserbaidschans. Ein Blick auf die Geschichte reiche aus, um dies zu verstehen, fügte er hinzu und betonte: „Wir wollen unsere territoriale Integrität wiederherstellen.“

    Wenn das armenische Volk in Frieden leben wolle, „so müsse es seine Führung zur Verantwortung ziehen“, sagte er unter anderem.

    „Ich bin mir sicher, dass das armenische Volk meine Worte richtig verstehen, richtig aufnehmen wird. Wir haben kein Problem mit dem armenischen Volk, Aserbaidschan ist ein multinationales Land. Hier leben viele Völker in Frieden und Wohlstand, darunter das armenische Volk. Tausende Armenier leben auf dem Territorium Aserbaidschans und niemand wird ihnen auch ein nur böses Wort sagen. Sie sind unsere Bürger“, versicherte Alijew.

    Aserbaidschan schlägt Friedensverhandlungen aus

    Am Dienstag schlug der aserbaidschanische Präsident Friedensverhandlungen mit Armenien aus und erklärte dies mit inakzeptablen Bedingungen vonseiten Armeniens. Demnach beharre Jerewan darauf, dass Bergkarabach zu Armenien gehöre – nach Ansicht von Alijew ist das jedoch mit dem Völkerrecht unvereinbar und verstößt gegen das Verhandlungsformat, das von der Minsker Gruppe der OSZE geführt wird und seit 20 Jahren Bestand hat.

    Der armenische Premierminister Nikol Paschinjan hatte zuvor von einer „existenziellen Bedrohung“ und einer „Kriegserklärung an das armenische Volk“ gesprochen. Darüber hinaus rief er die internationale Gemeinschaft dazu auf, das Vorgehen von Aserbaidschan und der Türkei zu verurteilen und von Ankara den Rückzug aus der Region zu fordern. Armenien wirft der Türkei vor, an Kampfhandlungen in Bergkarabach beteiligt zu sein.

    Angeblicher Einsatz von SS-21 Scarab 

    Nach Angaben von Aserbaidschan soll Armenien die taktische ballistische Boden-Boden-Rakete SS-21 Scarab (auch als OTR-21 Tochka bekannt) in der Konfliktzone eingesetzt haben. Drei abgeschossene Raketen seien aufgrund von technischer Untauglichkeit der gegnerischen Militärtechnik nicht detoniert, hieß es weiter. Die aserbaidschanischen Streitkräfte sollen unter anderem einen erfolgreichen Angriff gegen die armenische Kommandozentrale eines Regiments der 10. Gebirgsjäger-Division der armenischen Streitkräfte in Martakert (Stadt in Bergkarabach) geführt haben.

    Das Militär von Bergkarabach wies den Vorwurf  des angeblichen Einsatzes von SS-21-Scarab-Raketen als Desinformation zurück. Das Bild, welches Baku als Beweis vorgelegt habe, zeige eine vollkommen andere Rakete, hieß es unter anderem.

    Schwere Kämpfe waren am vergangenen Wochenende zwischen Armenien und Aserbaidschan ausgebrochen. Baku und Jerewan machen sich gegenseitig für die Verschärfung der Lage verantwortlich. Armenien verkündete wegen der Zuspitzung der Lage den Kriegszustand und eine allgemeine Mobilmachung. Das aserbaidschanische Parlament beschloss ebenfalls, das Kriegsrecht in einigen Städten und Regionen auszurufen. Auf beiden Seiten gibt es inzwischen Tote zu beklagen. Die Gefechte dauern an.

    mka/sna/gs

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    Tags:
    Armenien, Aserbaidschan, Bergkarabach-Konflikt