06:19 20 Oktober 2020
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    Das Streben der USA, das Projekt Nord Stream 2 zu verhindern, ist nach Ansicht des russischen Botschafters in Washington, Anatoli Antonow, der Preis, den Russland für seine unabhängige Außenpolitik zahlen muss.

    „Heute gibt es das Problem ‚Nord Stream 2‘. Die Westeuropäer werden heute gezwungen, teures Flüssigerdgas zu kaufen und auf günstige russische Kohlenwasserstoffe zu verzichten. Natürlich treffen die Europäer am Ende selbst die Entscheidung“, sagte Antonow gegenüber dem russischen Staatsfernsehen.

    Um die Gasleitung doch noch zu stoppen, so Antonow weiter, würden die Amerikaner nun mit dem Problem rund um den Blogger Nawalny spekulieren und sagen, die Russen müssten bestraft werden. Das habe nur eines zum Ziel:

    „Damit will man uns für unsere unabhängige und selbstbewusste Außenpolitik bezahlen lassen“, erklärte der Botschafter im russischen Staatsfernsehen. 

    Moskau sprach wiederholt von Versuchen der USA, die EU in ihrer Energiepolitik zu gängeln. „Wir sehen, wie die USA jeden Tag versuchen, die Europäische Union und vor allem Deutschland öffentlich zu demütigen“, sagte der russische Außenminister Sergej Lawrow in der vergangenen Woche. Laut dem Außenminister ist das Projekt Nord Stream 2 nun eine Ehrensache für Deutschland.

    US-Außenminister Mike Pompeo erklärte im Rahmen seines jüngsten Griechenland-Besuches, die Regierung Trump setzte sich für eine unabhängige Energiepolitik in Europa ein und wirke einer Abhängigkeit von Russland und Gazprom in dieser Frage entgegen. Zuvor teilte Pompeo mit, dass die USA derzeit an einer Koalition gegen die Ostsee-Pipeline arbeiten und hoffen würden, dass die Pipeline nicht fertiggestellt werde.

    Sanktionen wegen Fall Nawalny

    Im Zuge der Debatte um den Fall Nawanlny und der damit verbundenen möglichen Russland-Sanktionen brachten einige deutsche Politiker den Baustopp oder gar einen Abbruch des Pipeline-Projekts ins Gespräch. Allerdings fanden sich auch schnell Gegner des Vorhabens – darunter Finanzminister Olaf Scholz und Wirtschaftsminister Peter Altmaier.

    Altmaier äußerte sich hierzu wie folgt: „Ein Land mit unseren außenwirtschaftlichen Verflechtungen muss sich die Frage stellen, welche Wirkungen Sanktionen erreichen können und inwieweit man sich damit in erster Linie selbst schwächt.“

    Nord Stream 2 und US-Sanktionen

    Das Projekt Nord Stream 2 sieht den Bau von zwei Pipelinesträngen von der russischen Küste durch die Ostsee nach Deutschland vor. Der russische Staatskonzern Gazprom ist mit 50 Prozent beteiligt. Die andere Hälfte finanzieren fünf europäische Energieunternehmen: Wintershall Dea, OMV sowie Uniper, Royal Dutch Shell und Engie.

    Die USA, die eigenes Flüssigerdgas auf den europäischen Markt bringen wollen, treten gegen den Bau der Gaspipeline auf. US-Präsident Trump hatte Ende 2019 Strafmaßnahmen gegen Unternehmen verhängt, die am Bau von Nord Stream 2 beteiligt sind.

    mka/gs

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    Tags:
    Russland, Flüssigerdgas, USA, Nord Stream 2