06:52 20 Oktober 2020
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    Der russische Kreml-Kritiker Alexej Nawalny hat sich in einem „Spiegel“-Interview zum Besuch von Bundeskanzlerin Angela Merkel in der Berliner Klinik Charité geäußert, wo der Blogger behandelt wurde.

    „Das war vergangene Woche. Es war völlig unerwartet: Die Tür ging auf, mein Arzt kam herein – und Merkel“, erinnert sich Nawalny. 

    Er betonte, dass es ein privates Treffen gewesen sei, also im Familienkreis, seine Ehefrau Julija und der Sohn Sachar seien dabei gewesen. Ferner sagte der Blogger: „Über die Details kann ich nichts erzählen, aber wir haben nichts Geheimes oder Sensationelles besprochen.“ 

    „Der Besuch war eine Geste.“

    Den Kreml-Kritiker hat laut seinen Worten beeindruckt, wie genau Merkel Russland und seinen Fall kenne. „Manche Einzelheiten kennt sie besser als ich“, sagte er. 

    Kanzlerin Merkel habe wirklich ein tiefes Verständnis von dem, was in Russland vorgehe, so Nawalny weiter. Wenn man mit ihr rede, verstehe man, warum sie so lange an der Spitze Deutschlands steht. 

    „Ich habe ihr für ihren Einsatz gedankt, und sie hat gesagt: ,Ich habe nur getan, was meine Pflicht war.‘“

    Nawalny dankt Deutschland 

    Unter anderem verwies der russische Blogger darauf, dass er Deutschland nie eng verbunden gewesen sei. Er habe im Land niemanden gekannt. „Und jetzt hat es sich so ergeben (...), dass ausgerechnet deutsche Politiker und Angela Merkel Anteil an meinem Schicksal genommen und mein Leben gerettet haben.“

    Die Ärzte der Klinik Charité hätten laut den Aussagen von Nawalny sein Leben ein zweites Mal gerettet und ihm seine Persönlichkeit zurückgegeben. 

    „Ich empfinde eine riesige Dankbarkeit allen Deutschen gegenüber. Ich weiß, das klingt jetzt etwas pathetisch, aber Deutschland ist für mich ein besonderes Land geworden“, so Nawalny. 

    Vor einigen Tagen hatte „Der Spiegel“ berichtet, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel den russischen Blogger in der Berliner Klinik Charité besucht hätte. Wie Kreml-Sprecher Dmirti Peskow am Montag mitteilte, sei auch der Kreml über das Treffen informiert worden. 

    Zuvor hatte Merkel den russischen Blogger als „Opfer eines Angriffs mit einem chemischen Nervenkampfstoff der Nowitschok-Gruppe“ bezeichnet. Moskau hält solche Erklärungen Berlins für eine weitere Informationskampagne gegen Russland und betont, dass die Anschuldigungen nicht mit Fakten belegt worden seien. 

    Hintergrund

    Der oppositionelle Blogger Alexej Nawalny war am 20. August in ein Krankenhaus im sibirischen Omsk gebracht worden, nachdem er beim Flug nach Moskau zusammengebrochen war. Örtliche Ärzte diagnostizierten bei Nawalny schwere Stoffwechselstörungen, deren Ursache unklar war. Giftspuren wurden weder im Blut noch im Urin nachgewiesen.

    Auf Drängen seiner Familie wurde Nawalny zur weiteren Behandlung in die Berliner Klinik Charité geflogen. Die Bundesregierung teilte unter Berufung auf Bundeswehr-Mediziner mit, dass bei Nawalny Spuren eines Nervengifts aus der Nowitschok-Gruppe festgestellt worden seien. Beweise wurden bislang nicht vorgelegt. Die russische Generalstaatsanwaltschaft hatte deshalb Ende August ein Rechtshilfegesuch an Deutschland gerichtet. Inzwischen hat Russland drei Rechtshilfeersuche an Deutschland gestellt.

    Berlin zufolge wurden die Schlussfolgerungen deutscher Experten in Labors in Schweden und Frankreich bestätigt.

    Am 7. September wurde der Blogger aus der Klinik entlassen. Sein Zustand sei zufriedenstellend, hieß es bei der Charité.

    ak/sb

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