05:26 20 Oktober 2020
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    Die rasche Genesung von Alexej Nawalny deutet darauf hin, dass es den russischen Ärzten trotz des Aufsehens und der ständigen Einmischung in ihre Arbeit durch Dritte gelungen ist, sein Leben zu retten. Dies ist einer Erklärung der regionalen Zweigstelle der Gewerkschaft der Mitarbeiter des Gesundheitswesens Omsk von Freitag zu entnehmen.

    „Nur die medizinische Barmherzigkeit und das Verständnis, dass der Patient vor nicht allzu langer Zeit eine schwierige Phase in seinem Leben durchgemacht hat, halten uns von den härtesten Einschätzungen des Gesagten und von Verfahrenshandlungen ab. Die Beleidigung wurde nicht nur den Ärzten eines einzelnen Krankenhauses, sondern auch der gesamten Omsker Medizin zugefügt. (...) Die Tatsache, dass Herr Nawalny heute schnell zu einem aktiven Leben zurückkehrt, zeigt gerade, dass sein Leben in Omsk gerettet wurde“, heißt es in der Erklärung von Freitag.

    Damit reagierten die Ärzte auf Nawalnys Äußerungen gegenüber dem „Spiegel“ am Donnerstag, der unter anderem sagte, dass die Leute, die sich Ärzte nennen würden, hätten warten wollen, bis er tot sei. „Diese Leute gehören vor Gericht für ein faires Verfahren“, fügte er hinzu.

    Der Fall des Patienten Nawalny habe sich als außergewöhnlich erwiesen, so die Ärzte, doch sei er nicht der einzigartigste, nicht der schwierigste und nicht der interessanteste, den die Mitarbeiter des Omsker Notfallkrankenhauses Nr. 1 gehabt hätten.

    „Natürlich muss Alexej Nawalny noch überdenken, was passiert ist, wie auch seine Gewohnheiten anpassen, mehr auf seine Gesundheit achten. Unserer Meinung nach besteht die Hauptsache auf diesem Weg darin, einen gesunden Geist zu bewahren, die Realitäten des Lebens nüchtern einzuschätzen und Mensch zu bleiben“, resümierten die Ärzte.

    Hintergrund

    Nawalny war am 20. August in ein Krankenhaus im sibirischen Omsk gebracht worden, nachdem er beim Flug nach Moskau zusammengebrochen war. Örtliche Ärzte stellten bei ihm  schwere Stoffwechselstörungen fest, deren Ursache unklar war. Giftspuren wurden weder im Blut noch im Urin nachgewiesen.

    Zwei Tage später erlaubten die Ärzte, Nawalny zur Behandlung nach Deutschland, in die Berliner Universitätsklinik Charité, auszufliegen, da seine Familie darauf bestanden hatte. Dabei wurde zunächst bei einer Fallkonferenz entschieden, dass er nicht transportabel sei.

    Die Bundesregierung teilte unter Berufung auf Bundeswehr-Mediziner mit, dass bei Nawalny Spuren eines Nervengifts aus der Nowitschok-Gruppe festgestellt worden seien. Beweise wurden bislang nicht vorgelegt. Berlin zufolge wurden die Schlussfolgerungen deutscher Experten in Labors in Schweden und Frankreich bestätigt.

    Eine Anfrage Moskaus, detailliertere Informationen zu Nawalnys Testergebnissen zur Verfügung zu stellen, blieb ohne Antwort.

    Dabei ist bekannt, dass der deutsche Geheimdienst BND seit den 1990er Jahren Zugang zu der Substanz „Nowitschok“ hatte. Diese wurde auch von etwa 20 westlichen Staaten, darunter Großbritannien, die USA, Schweden, die Tschechische Republik, untersucht. Russland hat gemäß einem Präsidialdekret von 1992 die Entwicklung auf dem Gebiet der chemischen Waffen eingestellt und 2017 den gesamten verfügbaren Bestand an solchen Substanzen zerstört, was von der OPCW (Organisation für Verbot chemischer Waffen) bestätigt wurde.

    Die russische Generalstaatsanwaltschaft hatte im August drei Rechtshilfeersuchen im Fall Nawalny an Deutschland gestellt.

    Nawalny hatte am 22. September die Klinik verlassen. Sein Zustand sei zufriedenstellend, hieß es am nächsten Tag bei der Charité.

    pd/mt/sna

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    Tags:
    Berliner Charité, OPCW, Nervengift, Ärzte, Omsk, Nowitschok, Alexej Nawalny