07:48 23 Oktober 2020
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    In der Zuspitzung des Konflikts um Bergkarabach sollen 150 türkische Militärs die Handlungen der aserbaidschanischen Armee auf verschiedenen Ebenen leiten. Der armenische Premierminister Nikol Paschinjan hat sich dazu in einer Ansprache an die Landsleute geäußert, wie die Agentur RIA Novosti am Samstag berichtet.  

    Demnach sollen armenische Militärs angegeben haben, dass sich an den Kampfhandlungen syrische Söldner und Terroristen sowie türkische Spezialeinheiten beteiligen würden.

    Das Ausmaß des „aserbaidschanisch-türkischen Terrorangriffs“ sei beispiellos und im 21. Jahrhundert sehr selten, so Paschinjan.

    Entlang der gesamten Kontaktlinie seien „Hunderte von Panzern und Kampffahrzeugen, Tausende von Geschossen und Raketen, Dutzende von Flugzeugen und Hunderte von Drohnen, Zehntausende von Infanteristen“ im Einsatz, hieß es weiter.

    „Ein Kampfposten wird von 150-200 gegnerischen Soldaten angegriffen. Diese Angriffe werden wiederholt, begleitet von Raketenangriffen und Artillerieschlägen“, fügte Armeniens Premier hinzu.

    Trotzdem sei es der aserbaidschanischen Armee nicht gelungen, die strategischen Aufgaben zu lösen, sagte Paschinjan.

    Eskalation im Südkaukasus

    Am 27. September hat sich die Situation in Bergkarabach zugespitzt. Dabei beschuldigen sich Baku und Eriwan gegenseitig, den Konflikt eskaliert zu haben.

    In Armenien wurden inzwischen der Kriegszustand und die allgemeine Mobilmachung ausgerufen; den Männern im Alter von 18 bis 55 Jahren wurde die Ausreise verboten.

    Nach Angaben aus der nicht anerkannten Republik Bergkarabach wurden friedliche Siedlungen, darunter die Hauptstadt Stepanakert, unter Artilleriebeschuss genommen.

    Der Präsident von Aserbaidschan verhängte eine Ausgangssperre im Land. Zudem kündigte er eine teilweise Mobilmachung sowie den Kriegszustand in einer Reihe von Städten und Regionen an.

    Die internationale Gemeinschaft forderte die Parteien auf, Zurückhaltung zu zeigen.

    Die Türkei erklärte ihrerseits, sie werde Aserbaidschan jede Unterstützung gewähren, um die Baku bitten werde.

    Die Staatschefs Russlands, der USA und Frankreichs – Co-Vorsitzende der Minsker OSZE-Gruppe für Bergkarabach – riefen die Konfliktseiten zur unverzüglichen Einstellung der Kampfhandlungen auf. Die Präsidenten Wladimir Putin, Donald Trump und Emmanuel Macron sprachen den Familien der getöteten und verletzten Soldaten ihr tiefempfundenes Beileid aus.

    Bergkarabach-Konflikt

    Der Konflikt in der hauptsächlich von Armeniern bewohnten völkerrechtlich zu Aserbaidschan gehörenden Region Bergkarabach brach im Februar 1988 aus, nachdem das Autonome Gebiet Bergkarabach mit Verwaltungszentrum in Stepanakert den Austritt aus dem Staatsverband der damaligen Aserbaidschanischen SSR verkündet hatte. Im September 1991 rief Stepanakert die Republik Bergkarabach aus, zu der das frühere autonome Gebiet und einige benachbarte von Armeniern bewohnte Siedlungen gehörten. Baku erklärte diesen Schritt für gesetzwidrig und löste die Autonomie von Karabach auf.

    Darauf kam es zu bewaffneten Auseinandersetzungen. Die Karabach-Armenier wurden von armenischen Diasporen in aller Welt unterstützt, während Aserbaidschan mit Gewalt versuchte, die Abspaltung der Region zu verhindern. Am 12. Mai 1994 trat ein Waffenstillstandsabkommen in Kraft. Aserbaidschan verlor seine Kontrolle über Bergkarabach sowie gänzlich bzw. teilweise über sieben benachbarte Kreise.

    Verhandlungen über die friedliche Beilegung des Konflikts werden seit 1992 im Rahmen der Minsker OSZE-Gruppe geführt. Ihre Co-Vorsitzenden sind die USA, Russland und Frankreich. Bei dem Konflikt kamen geschätzt rund 30.000 Menschen ums Leben.

    pd/mt/sna

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    Tags:
    Militärs, Mobilmachung, Kriegszustand, Aserbaidschan, Nikol Paschinjan, Bergkarabach-Konflikt