04:27 29 Oktober 2020
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    Der russische Außenminister Sergej Lawrow hat in einem Telefongespräch mit seinem armenischen Amtskollegen Sograb Mnazakanjan am Sonntag die Lage im Konfliktgebiet Bergkarabach erörtert und die Bereitschaft Moskaus zur Mithilfe bei der diplomatischen Beilegung zum Ausdruck gebracht. 

    Der Schwerpunkt habe bei den Fragen der Suche nach einem Ausweg aus der Situation gelegen, die sich im Kampfgebiet entwickelt habe, heißt es in einer Mitteilung des russischen Außenministeriums.

    Die russische Seite habe dabei die Notwendigkeit des schnellstmöglichen Waffenstillstands betont, so die Behörde.

    „Von russischer Seite aus wurde eine Besorgnis über die Zunahme der Opfer unter der Zivilbevölkerung ausgedrückt. Die Notwendigkeit eines schnellstmöglichen Waffenstillstands wurde festgestellt. Es wurde die Bereitschaft bestätigt, die Parteien dabei zu unterstützen, den Beilegungsprozess bezüglich Bergkarabach auf den politisch-diplomatischen Weg unter der Schirmherrschaft der Ko-Vorsitzenden der Minsker Gruppe der OSZE gemäß der gemeinsamen Erklärung der Präsidenten Russlands, der USA und Frankreichs zurück zu bringen“, hieß es weiter.

    Eskalation im Südkaukasus

    Am 27. September hat sich die Situation in Bergkarabach zugespitzt. Dabei beschuldigen sich Baku und Eriwan gegenseitig, den Konflikt eskaliert zu haben.

    In Armenien wurden inzwischen der Kriegszustand und die allgemeine Mobilmachung ausgerufen; den Männern im Alter von 18 bis 55 Jahren wurde die Ausreise verboten. Der frühere stellvertretende Justizminister Armeniens, Ruben Melikjan, sagte gegenüber der Agentur RIA Novosti, dass in Armenien erstmals die allgemeine Mobilmachung angekündigt worden sei.

    Nach Angaben aus der nicht anerkannten Republik Bergkarabach wurden friedliche Siedlungen, darunter die Hauptstadt Stepanakert, unter Artilleriebeschuss genommen.

    Der Präsident von Aserbaidschan verhängte eine Ausgangssperre im Land. Zudem kündigte er eine teilweise Mobilmachung sowie den Kriegszustand in einer Reihe von Städten und Regionen an.

    Die internationale Gemeinschaft forderte die Parteien auf, Zurückhaltung zu zeigen.

    Die Türkei erklärte ihrerseits, sie werde Aserbaidschan jede Unterstützung gewähren, um die Baku bitten werde.

    Die Staatschefs Russlands, der USA und Frankreichs – Co-Vorsitzende der Minsker OSZE-Gruppe für Bergkarabach – riefen die Konfliktseiten zur unverzüglichen Einstellung der Kampfhandlungen auf. Die Präsidenten Wladimir Putin, Donald Trump und Emmanuel Macron sprachen den Familien der getöteten und verletzten Soldaten ihr tiefempfundenes Beileid aus.

    Bergkarabach-Konflikt

    Der Konflikt in der hauptsächlich von Armeniern bewohnten völkerrechtlich zu Aserbaidschan gehörenden Region Bergkarabach brach im Februar 1988 aus, nachdem das Autonome Gebiet Bergkarabach mit Verwaltungszentrum in Stepanakert den Austritt aus dem Staatsverband der damaligen Aserbaidschanischen SSR verkündet hatte. Im September 1991 rief Stepanakert die Republik Bergkarabach aus, zu der das frühere autonome Gebiet und einige benachbarte von Armeniern bewohnte Siedlungen gehörten. Baku erklärte diesen Schritt für gesetzwidrig und löste die Autonomie von Karabach auf.

    Daraufhin kam es zu bewaffneten Auseinandersetzungen. Die Karabach-Armenier wurden von armenischen Diasporen in aller Welt unterstützt, während Aserbaidschan mit Gewalt versuchte, die Abspaltung der Region zu verhindern. Am 12. Mai 1994 trat ein Waffenstillstandsabkommen in Kraft. Aserbaidschan verlor seine Kontrolle über Bergkarabach sowie gänzlich bzw. teilweise über sieben benachbarte Kreise.

    Verhandlungen über die friedliche Beilegung des Konflikts werden seit 1992 im Rahmen der Minsker OSZE-Gruppe geführt. Ihre Co-Vorsitzenden sind die USA, Russland und Frankreich. Bei dem Konflikt kamen geschätzt rund 30.000 Menschen ums Leben.

    pd/mt/sna

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    Tags:
    Frankreich, USA, Minsker OSZE-Gruppe, OSZE, Aserbaidschan, Armenien, Beilegung, Unterstützung, Russland, Bergkarabach-Konflikt, Konflikt