04:30 27 Oktober 2020
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    Der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu hat den vermutlichen Beschuss von aserbaidschanischen Ortschaften durch Armenien als Kriegsverbrechen verurteilt.

    Zuvor hatte das aserbaidschanische Verteidigungsministerium mitgeteilt, dass armenische Streitkräfte die zweitgrößte Stadt Aserbaidschans, Gandscha, mit Raketen beschossen haben.

    Demnach wurde ein Mensch bei dem Raketenbeschuss getötet und 32 weitere verletzt. Früher hatte Jerewan behauptet, es werde vom armenischen Territorium aus in Richtung Aserbaidschan nicht geschossen. Das armenische Außenministerium bezeichnete die Berichte über Angriffe auf Aserbaidschan vom armenischen Territorium aus als Teil der Desinformationskampagne Bakus.

    „In den letzten Tagen hat das in die Enge getriebene Armenien damit begonnen, Raketenangriffe auf Gandscha und andere friedliche Städte und Dörfer Aserbaidschans zu unternehmen“, sagte Cavusoglu am Montag bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem Nato-Generalsekretär, Jens Stoltenberg, in Ankara. „Dies ist ein Kriegsverbrechen“, äußerte er.

    Jerewan hatte seinerseits Ankara mehrmals vorgeworfen, „an Aserbaidschans Aggression direkt teilzunehmen“. Der armenische Premierminister, Nikol Pashinyan, sagte, die türkischen Streitkräfte seien unmittelbar an den Kämpfen in Bergkarabach beteiligt.

    Eskalation in Bergkarabach

    Der Konflikt in Bergkarabach war am 27. September eskaliert. Baku und Jerewan machen sich gegenseitig für die Verschärfung der Lage verantwortlich.


    Das aserbaidschanische Verteidigungsministerium behauptet, die armenischen Streitkräfte hätten die Ortschaften an der Berührungslinie in Bergkarabach beschossen, während die aserbaidschanischen Truppen eine Gegenoffensive durchgeführt hätten. Es gebe Tote unter Zivilisten und Soldaten, hieß es. Das armenische Militär beteuerte wiederum, dass Aserbaidschan Luft- und Raketenangriffe auf Bergkarabach ausgeführt hatte.

    Nach Angaben der Behörden der international nicht anerkannten Republik Bergkarabach wurden friedliche Siedlungen in Karabach, einschließlich der Hauptstadt Stepanakert, mit Artillerie beschossen. Die Behörden erklärten später den Kriegszustand und eine Mobilmachung in der Republik.

    Auch Armenien verkündete den Kriegszustand und eine allgemeine Mobilmachung. Aserbaidschan führte den Kriegszustand in einigen Regionen des Landes sowie eine landesweite Ausganssperre ein und verkündete eine teilweise Mobilmachung.

    Die Türkei versprach, Aserbaidschan jede gewünschte Unterstützung vor dem Hintergrund einer weiteren Verschärfung der Lage in Bergkarabach zu gewähren.
    Die Staats- und Regierungschefs Russlands, der Vereinigten Staaten und Frankreichs, die als Ko-Vorsitzende der Minsker Gruppe der OSZE zur Karabach-Regelung fungieren, forderten die Konfliktparteien zur Zurückhaltung auf. Sie verurteilten die Eskalation, drückten den Angehörigen der Toten und Verletzten im Konflikt ihr Beileid aus und riefen dazu auf, die Kämpfe einzustellen sowie sich zur Aufnahme von Verhandlungen ohne Vorbedingungen zu verpflichten.

    Konflikt in Bergkarabach

    Der Konflikt in Bergkarabach war im Februar 1988 entflammt, als das Autonome Gebiet Bergkarabach seine Abspaltung von der Aserbaidschanischen SSR angekündigt hatte. Infolge der bewaffneten Konfrontation in den Jahren 1992 bis 1994 verlor Aserbaidschan die Kontrolle über Bergkarabach und sieben Anrainer-Bezirke.

    Seit 1992 werden Verhandlungen über die friedliche Beilegung des Konflikts in der Minsker Gruppe der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) geführt, die von drei Ko-Vorsitzenden – Russland, den Vereinigten Staaten und Frankreich – geleitet wird. Aserbaidschan besteht auf die Bewahrung seiner territorialen Integrität und Armenien setzt sich für die Interessen der international nicht anerkannten Republik ein, die keine Gesprächspartei bei den Verhandlungen ist.

    asch/sna/ae

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    Tags:
    Kriegsverbrechen, Bergkarabach-Konflikt, Bergkarabach-Konflikt, Aserbaidschan, Armenien