06:38 20 Oktober 2020
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    Fall Nawalny: Streit um Vergiftung des Kreml-Kritikers (123)
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    Der russische Kreml-Kritiker und Blogger Alexej Nawalny hat in seinem ersten Video-Interview erklärt, dass seine Erholung in Deutschland noch Monate in Anspruch nehmen könnte.

    Im ersten Video-Interview von Nawalny, das der russische Blogger Juri Dudj nahm und erst vor mehreren Stunden publik gemacht wurde, sprach der russische Kreml-Kritiker von Ereignissen seines Falls, von der Reaktion seiner Familie darauf, dem Treffen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel und seinen Plänen über die Rückkehr nach Russland. 

    Zu seinen weiteren Plänen sagte der Oppositionelle, dass er nach seiner Behandlung wieder nach Russland zurückreisen werde.

    „Ich weiß es nicht“, antwortete Nawalny auf die Frage, wie lange er noch in Deutschland bleiben und wann er wieder nach Russland zurückkehren wird. Auch die Ärzte seien sich nicht sicher, weil es laut Medizinern „wenig Erfahrung zu diesem Thema“ gebe.

    „Ein Jahr schließe ich fast völlig aus (…) aber zwei Monate sind definitiv möglich“, präzisierte er.

    Merkels Besuch in Klinik

    Darüber hinaus kommentierte Nawalny den Besuch der Bundeskanzlerin Angela Merkel in der Berliner Klinik Charité, in der er behandelt wurde.

    „Nichts Sensationelles wurde gesagt. Sie kam und ich hatte den ersten Gedanken: ,Das ist doch ein Krankenhaus, gut, dass ich zumindest angezogen binʻ.“ Ferner betonte er:

    „Es war ein privates Gespräch mit der Familie, ich werde keine Details erzählen. Aber es wurde nichts Wesentliches gesagt. Es war kein politisches Gespräch.“

    Unter anderem verwies er auf Merkels reiches Wissen: „Mich überrascht es, wie gut sie sich in verschieden Details auskennt und wie gut sie versteht, was in Russland passiert (…)“. Nawalny äußerte, dass die Bundeskanzlerin das Gespräch auf Russisch begonnen habe, später sei aber auf Englisch gesprochen worden.

    „Es schien mir, als hätte sie auch das ganze Gespräch auf Russisch führen können.“

    Sie sei eine kluge Frau, so Nawalny.

    Zuvor hatte der russische Blogger Alexej Nawalny dem „Spiegel“ ein Interview gegeben.

    Nawalny nach Berlin gebracht

    Der russische regierungskritische Blogger Alexej Nawalny hatte am 20. August auf einem Flug von Tomsk nach Moskau das Bewusstsein verloren, woraufhin das Flugzeug umgehend in der Stadt Omsk notgelandet war. Er wurde in ein Omsker Krankenhaus gebracht und dort in ein künstliches Koma versetzt. Örtliche Ärzte stellten bei ihm schwere Stoffwechselstörungen fest, deren Ursache unklar war. Giftspuren wurden weder im Blut noch im Urin nachgewiesen.

    Später wurde der 44-Jährige auf Drängen seiner Familie in die Berliner Universitätsklinik Charité verlegt.

    Die Bundesregierung teilte unter Berufung auf Bundeswehr-Mediziner mit, dass bei Nawalny Spuren eines Nervengifts aus der Nowitschok-Gruppe festgestellt worden seien. Beweise wurden bislang nicht vorgelegt. Berlin zufolge wurden die Schlussfolgerungen deutscher Experten in Labors in Schweden und Frankreich bestätigt.

    Eine Anfrage Moskaus, detailliertere Informationen zu Nawalnys Testergebnissen zur Verfügung zu stellen, blieb ohne Antwort.

    Am 23. September hatte die Berliner Charité die Entlassung Nawalnys aus der stationären Behandlung bekanntgegeben.

    ak/ae

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    Interview, Russland, Berlin, Alexej Nawalny, Deutschland