14:17 30 Oktober 2020
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    Die Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW) hat in den Blut- und Urinproben des russischen Oppositionellen Alexej Nawalny eine toxische Chemikalie gefunden.

    Die in den Analysen von Nawalny gefundenen Biomarker des Cholinesterasehemmers zeugen laut einem OPCW-Bericht davon, dass er mit einem Gift angegriffen wurde, das den Nervenkampfstoffen der Nowitschok-Gruppe ähnelt, jedoch nicht in der Chemiewaffenkonvention gelistet ist.

    Die OPCW führte auf Anfrage Deutschlands eigene Analysen durch.

    „Die Ergebnisse der Analyse, welche die von der OPCW ernannten Laboratorien durchgeführt haben, bestätigen, dass die in den Blut- und Urinproben von Herrn Nawalny gefundenen Cholinesterasehemmer-Biomarker ähnliche strukturelle Eigenschaften aufweisen wie die toxischen Chemikalien aus den Listen 1.A.14 und 1.A.15, die im November 2019 in den Chemikalienanhang zur Konvention aufgenommen wurden. Der direkt nachgewiesene Cholinesterasehemmer ist nicht in dem Chemikalienanhang der Konvention gelistet“, heißt es in dem Bericht.

    Die Forschungsergebnisse wurden nach Deutschland geschickt.

    „Die Bundesregierung hatte die Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OVCW) um technische Unterstützung bei der Analyse von Proben von Alexej Nawalny gebeten. Heute hat die OVCW die Ergebnisse der Analyse der beiden hiermit beauftragten OVCW-Referenzlabore veröffentlicht”, teilte der Sprecher der Bundesregierung, Steffen Seibert, am Dienstag mit.

    „Die Ergebnisse stimmen mit den Ergebnissen überein, die bereits durch Speziallabore in Deutschland, Schweden und Frankreich erzielt worden sind. Damit bestätigt sich erneut der zweifelsfreie Nachweis, dass Alexej Nawalny Opfer eines Angriffs mit einem chemischen Nervenkampfstoff der Nowitschok-Gruppe geworden ist. Dieser nicht öffentlich bekannte Nervenkampfstoff ist von Seiten der OVCW bislang nicht amtlich gelistet worden”, so Seibert.

    Der Kreml hat bisher keinen OPCW-Bericht über die Ergebnisse von Nawalnys Analysen erhalten.

    „Bislang haben wir keine solchen Informationen“, sagte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow.

    Nawalny nach Berlin gebracht

    Der russische regierungskritische Blogger Alexej Nawalny hatte am 20. August auf einem Flug von Tomsk nach Moskau das Bewusstsein verloren, woraufhin das Flugzeug umgehend in der Stadt Omsk notgelandet war. Er wurde in ein Omsker Krankenhaus gebracht und dort in ein künstliches Koma versetzt. Örtliche Ärzte stellten bei ihm schwere Stoffwechselstörungen fest, deren Ursache unklar war. Giftspuren wurden weder im Blut noch im Urin nachgewiesen.

    Später wurde der 44-Jährige auf Drängen seiner Familie in die Berliner Universitätsklinik Charité verlegt.

    Die Bundesregierung teilte unter Berufung auf Bundeswehr-Mediziner mit, dass bei Nawalny Spuren eines Nervengifts aus der Nowitschok-Gruppe festgestellt worden seien. Beweise wurden bislang nicht vorgelegt. Berlin zufolge wurden die Schlussfolgerungen deutscher Experten in Labors in Schweden und Frankreich bestätigt.

    Eine Anfrage Moskaus, detailliertere Informationen zu Nawalnys Testergebnissen zur Verfügung zu stellen, blieb ohne Antwort.

    Am 23. September hatte die Berliner Charité die Entlassung Nawalnys aus der stationären Behandlung bekanntgegeben.

    sm/gs

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    Tags:
    Nowitschok, Chemikalien, Analyse, Alexej Nawalny, OPCW