06:03 27 Oktober 2020
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    Das russische Außenministerium hat zu den jüngsten OPCW-Befunden im Fall Nawalny Stellung genommen und auf merkwürdige Zusammenhänge hingewiesen. Demnach scheint dem ganzen Vorgang ein Verschwörungs-Szenario zugrunde zu liegen. Moskau kündigte diesbezüglich Gegenmaßnahmen an.

    Die Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW) teilte am Dienstag mit, dass in den Blut- und Urinproben des russischen Regierungskritikers Alexej Nawalny Giftspuren festgestellt worden seien – sie ließen auf ein Gift schließen, welches den Nervenkampfstoffen der Nowitschok-Gruppe ähnlich, aber nicht in der Chemiewaffenkonvention gelistet sei. Die Untersuchung soll auf eigenen Analysen der OPCW beruhen und mit den Befunden der Spezial-Labore in Deutschland, Frankreich sowie in Schweden übereinstimmen.

    Diese Meldung nahm das russische Außenministerium zum Anlass, um auf Widersprüche in den Befunden aufmerksam zu machen. Auffälig sei die operative Bereitschaft, mit welcher sich die deutsche Seite zur Veröffentlichung der Befunde über Nawalnys Proben auf der Webseite der Organisation bereit erklärt habe – und das anscheinend pünklich zur Sitzung des OPCW-Exekutivrats.

    „Auf diese Weise nimmt die im Kern phantasievolle Geschichte, die mithilfe von Berlin und seinen euroatlantischen Verbündeten mitsamt des Technischen Sekretariats der OPCW in die Wege geleitet wurde –, ihren Lauf und das ganz im Sinne des ihr zugrunde gelegten Verschwörungs-Szenarios“, heißt es in einer Mitteilung der Informations- und Presseabteilung des russischen Außenministeriums.

    Ferner wurde betont, dass nach den Spezial-Laboren Deutschlands, Frankreichs und Schwedens nun auch zwei Labore des Technischen Sekretariats der OPCW das Vorhandensein von Biomarkern des Cholinesterasehemmers in den Proben von Nawalny bestätigt hätten – den Umständen nach zu urteilen stünden also die letzgenannten Untersuchungsanstalten mit den „politisch-militärischen Strukturen der euroatlantischen ‚Gemeinschaft‘“ in Verbindung.

    „Machenschaften“ im Fall Nawalny

    Das Außenministerium nahm besonders Anstoß an der Behauptung hinsichtlich der Zuordnung des angeblichen Giftstoffes und kündigte Protest an.

    „Die Russische Föderation beabsichtigt, während der laufenden Tagungsperiode des Exekutivrats ihre Sicht der Dinge im Zusammenwirken mit Deutschland und dem Technischen Sekretariat der OPCW darzulegen. Und dabei wird sie den Mitgliedstaaten der Chemiewaffenkonvention den Ablauf aller Machenschaften seitens der wichtigsten Protagonisten in dieser Aufführung vorlegen“, hieß es weiter.

    An dieser Stelle erinnerte das russische Außenministerium an zahlreiche Rechtshilfeersuchen, die Russland an Deutschland gerichtet habe und die bislang unbeantwortet geblieben seien. Dessen ungeachtet äußerte die russische Seite Zuversicht hinsichtlich der kommenden Zusammenarbeit zwischen den russischen Experten und den Spezialisten der OPCW, welche eine  ent­po­li­ti­sie­rende Wirkung auf den Fall haben und zu einer Entspannung führen würde, so das Außenministerium abschließend.

    Die Organisation für das Verbot chemischer Waffen gab am Montag bekannt, dass sie in Kürze ein Expertenteam zur Aufklärung des Falls Nawalny nach Russland entsenden werde und damit einem ensprechenden Ersuchen aus Russland nachkommen wolle.

    Der russische Blogger und Kremlkritiker Alexej Nawalny war am 20. August auf einem Inlandsflug zusammengebrochen. Er wurde zunächst in einem Omsker Krankenhaus behandelt und dort in ein künstliches Koma versetzt. Der 44-Jährige wurde später auf Drängen seiner Familie in die Berliner Universitätsklinik Charité verlegt. Anfang September wurde Nawalny aus dem Koma geholt und bereits am 23. September aus der Berliner Charité entlassen.

    mka/sna/gs

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    Tags:
    Untersuchungen, Organisation für ein Verbot chemischer Waffen (OPCW), Alexej Nawalny