18:17 19 Oktober 2020
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    Österreichs Bundeskanzler Sebastian Kurz hat am Donnerstag Aserbaidschan und Armenien angeboten, zu direkten Verhandlungen in Wien zusammenzukommen, um den Konflikt in Bergkarabach beizulegen. Das wurde am Donnerstag in der österreichischen Hauptstadt mitgeteilt.

    Kurz äußerte Besorgnis über die andauernde Eskalation in Bergkarabach. Eine militärische Lösung des Konflikts gebe es nicht, sagte er und rief die Konfliktseiten auf, die Kampfhandlungen unverzüglich einzustellen.

    Zudem plädierte Kurz für Verhandlungen unter der Schirmherrschaft der Minsker OSZE-Gruppe für Bergkarabach.

    Kurz ruft armenischen Premier Paschinjan an

    In einem Telefonat mit Armeniens Ministerpräsident Nikol Paschinjan habe er die Hoffnung auf eine friedliche Lösung geäußert, twitterte der Kanzler.

    „Österreich ist immer ein Dialograum gewesen, und wir bestehen weiterhin auf Deeskalation und direkte Verhandlungen“, schrieb Kurz.

    Aufflammender Krieg im Südkaukasus

    Am 27. September hatte das Verteidigungsministerium Aserbaidschans mitgeteilt, dass die armenischen Streitkräfte aserbaidschanische Siedlungen an der Trennlinie in der Exklave Bergkarabach beschossen hätten. Es gebe Tote und Verletzte unter den Militärs und Zivilisten.

    Nach Angaben aus Eriwan wurde Bergkarabach mit Raketen beschossen, darunter auch die Hauptstadt Stepanakert. In der nicht anerkannten Republik Bergkarabach und in Armenien seien der Kriegszustand und die allgemeine Mobilmachung ausgerufen worden.

    Die Staatschefs Russlands, der USA und Frankreichs – die Co-Vorsitzenden der Minsker OSZE-Gruppe für Bergkarabach – riefen die Konfliktseiten zur unverzüglichen Einstellung der Kampfhandlungen auf. Die Präsidenten Wladimir Putin, Donald Trump und Emmanuel Macron sprachen den Familien der getöteten und verletzten Soldaten ihr Beileid aus.

    Bergkarabach-Konflikt

    Der Konflikt in der hauptsächlich von Armeniern bewohnten völkerrechtlich zu Aserbaidschan gehörenden Region Bergkarabach brach im Februar 1988 aus, nachdem das Autonome Gebiet Bergkarabach mit Verwaltungszentrum in Stepanakert den Austritt aus dem Staatsverband der damaligen Aserbaidschanischen SSR verkündet hatte. Im September 1991 rief Stepanakert die Republik Bergkarabach aus, zu der das frühere autonome Gebiet und einige benachbarte von Armeniern bewohnte Siedlungen gehörten. Baku erklärte diesen Schritt für gesetzwidrig und löste die Autonomie von Karabach auf.

    Nach aserbaidschanischem Beschuss. Bergkarabach, 5. Oktober 2020
    © REUTERS / AREG BALAYAN/ARMGOV/PAN PHOTO /via Reuters
    Nach aserbaidschanischem Beschuss. Bergkarabach, 5. Oktober 2020

    Darauf kam es zu bewaffneten Auseinandersetzungen. Die Karabach-Armenier wurden von armenischen Diasporen in aller Welt unterstützt, während Aserbaidschan mit Gewalt versuchte, die Abspaltung der Region zu verhindern. Am 12. Mai 1994 trat ein Waffenstillstandsabkommen in Kraft. Aserbaidschan verlor seine Kontrolle über Bergkarabach sowie gänzlich bzw. teilweise über sieben benachbarte Kreise.

    Verhandlungen über die friedliche Beilegung des Konflikts werden seit 1992 im Rahmen der Minsker OSZE-Gruppe geführt. Ihre Co-Vorsitzenden sind die USA, Russland und Frankreich. Bei dem Konflikt kamen geschätzt rund 30 000 Menschen ums Leben.

    am/gs

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    Tags:
    Angebot, Verhandlungen, Armenien, Aserbaidschan, Sebastian Kurz, Österreich