15:19 30 Oktober 2020
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    Die Sprecherin des armenischen Verteidigungsministeriums, Schuschan Stepanjan, hat am Mittwoch Aserbaidschan vorgeworfen, ein Hospital im Nordosten von Bergkarabach, wo unter anderem Zivilisten behandelt werden, angegriffen zu haben. Dies ist ihr zufolge „ein ungetarntes Kriegsverbrechen“. 

    „Der Gegner verstößt weiter gegen die humanitäre Waffenruhe. Diesmal hat er eines der Hospitale, die sich im Nordosten der Berührungslinie befinden und wo auch Zivilisten behandelt werden, angegriffen“, sagte Stepanjan unter Verweise auf Angaben der Verteidigungsarmee.         

    Dieses Vorgehen Aserbaidschans bezeichnete die Sprecherin als groben Verstoß gegen die Normen des humanitären Völkerrechts und des Gewohnheitsrechts, die verbieten, Waffen auf Hospitale und Orte, wo Verletzte behandelt werden, zu richten.      

    „Das ist bereits ein ungetarntes Kriegsverbrechen, wofür die militärisch-politische Führung Aserbaidschans voll und ganz verantwortlich ist“, heißt es.

    Bergkarabach: Armenien meldet Abschuss von Su-25

    Zuvor am Mittwoch hatte die Sprecherin der armenischen Armee, Schuschan Stepanjan, mitgeteilt, dass die Luftabwehr von Bergkarabach ein aserbaidschanisches Bodenkampfflugzeug vom Typ Su-25 abgeschossen habe. Aserbaidschan weist diese Behauptung jedoch zurück.

    Eskalation im Südkaukasus

    Am 27. September hatte sich die Situation in Bergkarabach zugespitzt. Dabei machen Baku und Jerewan sich gegenseitig dafür verantwortlich.

    Das aserbaidschanische Verteidigungsministerium behauptet, die armenischen Streitkräfte hätten die Ortschaften an der Frontlinie in Bergkarabach beschossen, während die aserbaidschanischen Truppen eine Gegenoffensive durchgeführt hätten. Es gebe Tote unter Zivilisten und Soldaten, hieß es. Das armenische Militär beteuerte wiederum, dass Aserbaidschan Luft- und Raketenangriffe auf Bergkarabach, einschließlich der Hauptstadt Stepanakert, geführt hätte.

    In Armenien wurden inzwischen der Kriegszustand und eine allgemeine Mobilmachung ausgerufen; den Männern im Alter von 18 bis 55 Jahren wurde die Ausreise verboten.

    Der Präsident von Aserbaidschan, Ilcham Alijew, verhängte eine Ausgangssperre im Land. Zudem kündigte er eine teilweise Mobilmachung sowie den Kriegszustand in einer Reihe von Städten und Regionen an.

    Gespräche in Moskau

    Am 9. Oktober trafen die Außenminister von Armenien und Aserbaidschan auf Anregung und unter Vermittlung Russlands in Moskau zusammen. In den mehr als zehn Stunden währenden Verhandlungen einigten sich die Parteien auf einen Waffenstillstand sowie auf einen Gefangenen- und Gefallenenaustausch. Doch schon bald nach dem Inkrafttreten der Waffenruhe am 10. Oktober gab es auf beiden Seiten Verstöße.

    Der russische Präsident Wladimir Putin und seine Amtskollegen aus den USA und Frankreich forderten ein Ende der Kämpfe und riefen Armenien und Aserbaidschan zu Verhandlungen ohne Vorbedingungen auf. Die Türkei sicherte Aserbaidschan in dem Konflikt Beistand, darunter auch militärischen, zu.

    ns/sna/gs          

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