18:27 19 Oktober 2020
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    Der Nationale Sicherheitsdienst Armeniens hat laut einer Mitteilung von Samstag Aserbaidschan vorgeworfen, Munition und Terroristen unter anderem von Afghanistan aus geheim ins Land gebracht zu haben.  

    Die aserbaidschanische Seite sei damit beschäftigt, erhebliche Mengen an Munition und Terroristen in ihr Hoheitsgebiet zu bringen, wovon die Flüge der Flugzeuge vom Typ Boeing-747 sowie IL-76 der aserbaidschanischen Fluggesellschaft Silk Way vom Flughafen Baku aus  zu den Militärflugplätzen verschiedener Länder zeugen würden, heißt es in der Mitteilung.  

    „Zum Beispiel ist am 16. Oktober ein Flug von Baku aus zum Flugplatz Bagram in Afghanistan und am 17. Oktober ein Flug auf der Route Bagram-Lashkar Gah-Baku aufgezeichnet worden. Die gleiche Route ist auch am 18. Oktober geplant. Es gibt auch Flüge von Baku aus mit Zwischenlandungen zum Flughafen Kandahar sowie Rückflüge. (...) Ähnliche Flüge sind auch für den 19. Oktober geplant“, so die Behörde.

    Die Informationen zu einigen dieser Flüge würden im System der internationalen Flugpläne fehlen und für einige Flughäfen sei keine internationale Klassifizierung angegeben worden.

    „Diese Daten deuten darauf hin, dass das türkisch-aserbaidschanisch-terroristische Bündnis versucht, die Geographie der Beförderung von Terroristen und Munition zu erweitern“, hieß es weiter.

    Außerdem wies der armenische Sicherheitsdienst die Mitteilungen der aserbaidschanischen Seite zurück, dass angeblich Waffen in Zivilflugzeugen nach Armenien transportiert worden seien. Baku würde versuchen, seine illegalen Aktionen der armenischen Seite zuzuschreiben, so die armenische Behörde.

    Waffenstillstand in Bergkarabach vereinbart

    Am 9. Oktober hatten in Moskau auf Initiative des russischen Präsidenten Wladimir Putin Beratungen zwischen den Außenministern Russlands, Armeniens und Aserbaidschans zur Lage in der Region Bergkarabach stattgefunden. Die Gespräche hatten mehr als zehn Stunden gedauert und waren damit die längsten Verhandlungen in den letzten 20 Jahren.

    Als Ergebnis dieser Gespräche wurde ein Waffenstillstand in der Konfliktregion um Bergkarabach vereinbart. Dieser gilt seit 12 Uhr (Ortszeit) des 10. Oktober und soll den Seiten erlauben, Kriegsgefangene und Gefallene unter Vermittlung des Roten Kreuzes auszutauschen. Zusätzliche Bedingungen werden später bestimmt. Am selben Tag begannen die Parteien jedoch, sich gegenseitig Waffenstillstandsverletzungen vorzuwerfen.

    Eskalation im Südkaukasus

    Am 27. September hatte sich die Situation in der selbsterklärten Republik Bergkarabach zugespitzt. Zwischen Armenien und Aserbaidschan kam es zu schweren militärischen Auseinandersetzungen, die seitdem andauern. Auf beiden Seiten gibt es inzwischen Tote und Verletzte zu beklagen. Baku und Eriwan machen sich gegenseitig für die Verschärfung der Lage verantwortlich. Armenien rief wegen der Zuspitzung den Kriegszustand und eine allgemeine Mobilmachung aus. Das aserbaidschanische Parlament beschloss ebenfalls, in einigen Städten und Regionen das Kriegsrecht auszurufen.

    Bergkarabach-Konflikt

    Der Konflikt in der hauptsächlich von Armeniern bewohnten völkerrechtlich zu Aserbaidschan gehörenden Region Bergkarabach brach im Februar 1988 aus, nachdem das Autonome Gebiet Bergkarabach mit Verwaltungszentrum in Stepanakert den Austritt aus dem Staatsverband der damaligen Aserbaidschanischen SSR verkündet hatte. Im September 1991 rief Stepanakert die Republik Bergkarabach aus, zu der das frühere autonome Gebiet und einige benachbarte von Armeniern bewohnte Siedlungen gehörten. Baku erklärte diesen Schritt für gesetzwidrig und löste die Autonomie von Karabach auf.

    Daraufhin kam es zu bewaffneten Auseinandersetzungen. Die Karabach-Armenier wurden von armenischen Diasporen in aller Welt unterstützt, während Aserbaidschan mit Gewalt versuchte, die Abspaltung der Region zu verhindern. Am 12. Mai 1994 trat ein Waffenstillstandsabkommen in Kraft. Aserbaidschan verlor seine Kontrolle über Bergkarabach sowie gänzlich bzw. teilweise über sieben benachbarte Kreise.

    Verhandlungen über die friedliche Beilegung des Konflikts werden seit 1992 im Rahmen der Minsker OSZE-Gruppe geführt. Ihre Co-Vorsitzenden sind die USA, Russland und Frankreich. Bei dem Konflikt kamen geschätzt rund 30.000 Menschen ums Leben.

    pd/mt/sna

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    Tags:
    Afghanistan, Türkei, Russland, Waffenstillstand, Konflikt, Bergkarabach-Konflikt, Munition, Söldner, Vorwürfe, Aserbaidschan, Armenien