16:50 26 November 2020
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    Der US-Sender CBS hat im Sonntagsprogramm „60 Minutes“ eine Gruppe von deutschen Bewachern des russischen Bloggers Alexej Nawalny gezeigt. Nawalny geht mit seiner Ehefrau Julia in der Nähe des Brandenburger Tors in Berlin spazieren, begleitet von CBS-Korrespondentin Lesley Stahl, nicht weniger als neun Polizisten und drei Männern in Zivil.

    Es ist außerdem zu sehen, dass Stahl beim Gespräch Mundschutz hat, während Nawalny und seine Frau keine Masken anhaben. Stahl sagt im Hintergrundtext, dass die deutschen Behörden Nawalny „aus Angst vor einer weiteren Vergiftung“ bewachen lassen. 

    „Ganze Massen an Polizisten umgeben ihn, wohin er auch geht“, sagte Stahl kurz vor der Sendung in ihrem eigenen Kanal.

    ​Alexej Nawalny beklagte im Interview mit Stahl, dass US-Präsident Donald Trump das, was bislang mit ihm geschah, nicht verurteilt habe, und forderte den amerikanischen Staatschef dazu auf. Dabei betonte Nawalny, dass die Staatschefs von Frankreich und Deutschland ihre Verurteilung bereits geäußert haben. 

    „Mir ist aufgefallen, dass (Trump) dies nicht getan hat. Ich denke, es ist äußerst wichtig, dass jeder (...), vor allem der Präsident der USA, entschieden gegen den Einsatz chemischer Waffen im 21. Jahrhundert ist“, sagte Nawalny.

    Hintergrund 

    Der russische regierungskritische Blogger Alexej Nawalny hatte am 20. August auf einem Flug von Tomsk nach Moskau das Bewusstsein verloren, woraufhin das Flugzeug umgehend in der Stadt Omsk notgelandet war. Er wurde in ein Omsker Krankenhaus gebracht und dort in ein künstliches Koma versetzt. Später wurde der 44-Jährige auf Drängen seiner Familie in die Berliner Universitätsklinik Charité verlegt.

    In Deutschland sollen bei ihm angeblich Zeichen einer Vergiftung mit einem chemischen Nervenkampfstoff der Nowitschok-Gruppe gefunden worden sein. Die Schlussfolgerungen deutscher Sachverständiger seien von Labors in Schweden und Frankreich bestätigt worden.

    Laut dem Omsker Krankenhaus wurden in Nawalnys Blut und Urin kein Gift oder Spuren davon entdeckt, als vorläufige Diagnose wurde eine Stoffwechselstörung angegeben, die ein drastisches Absinken des Blutzuckerspiegels verursacht haben soll.

    Kooperation verweigert 

    Russland hat bereits mehrmals Deutschland sowie andere westliche Partner und die Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW) zur Kooperation im Fall Nawalny aufgefordert, doch weder Berlin und noch Paris stellen Russland die erforderlichen Daten zur Verfügung und antworten nicht auf russische Rechtshilfegesuche.

    Anfang Oktober teilte die OPCW mit, dass in Nawalnys Organismus ein Stoff nachgewiesen wurde, dessen Charakteristika Nowitschok ähnlich seien, der aber nicht auf der Liste verbotener Substanzen stehe. Die Bundesregierung geht davon aus, dass die Erklärung der OPCW Nawalnys Vergiftung mit einem Stoff der Nowitschok-Gruppe bestätige. Zugleich gibt die Bundesregierung zu, dass der betreffende Stoff nicht verboten sei.

    Medienberichten zufolge hatte der Bundesnachrichtendienst (BND) in den 1990er Jahren Zugang zum Nowitschok-Kampfstoff. Diese Angaben wurden von der deutschen Seite nie dementiert.

    Am 23. September wurde Nawalny aus der stationären Behandlung der Berliner Charité entlassen. Er verbrachte insgesamt 32 Tage in dem Krankenhaus. 

    om/sb/sna

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    Tags:
    Berlin, Spaziergang, TV-Sender CBS, Interview, Bewachung, USA, Deutschland, Russland, Alexej Nawalny