12:13 02 Dezember 2020
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    In Nashville (US-Bundesstaat Tennessee) hat am Donnerstagabend (Ortszeit) das zweite und letzte TV-Duell zwischen Amtsinhaber Donald Trump und seinem demokratischen Herausforderer Joe Biden vor der US-Präsidentenwahl stattgefunden. Die beiden Kandidaten trafen eineinhalb Stunden live im Fernsehen aufeinander.

    Die beiden Präsidentschaftskandidaten wurden im Vorfeld der TV-Debatte negativ auf das Coronavirus getestet, sodass die Veranstalter eine Plexiglasscheibe, die die beiden Kandidaten trennen sollte, abgebaut hatten.     

    In diesem Duell wurden erstmals die Mikrofone eines der Kandidaten abgeschaltet, wenn der andere sein zweiminütiges Eingangs-Statement zu einem Themenkomplex abgab. Missbilligung füreinander drückten sie eher mit einem Grinsen oder einem Kopfschütteln aus.

    Im Vergleich zum ersten TV-Duell Ende September lief die Diskussion ruhiger ab. Die Kandidaten ließen einander ausreden und folgten weitgehend den Fragen der Moderatorin Kristen Welker.

    Zentrale Themen der Debatte waren die Corona-Krise, die nationale Sicherheit, die Migration, der Kampf gegen Rassismus und die angebliche Einmischung in die US-Wahlen. Auch der Korruptionsskandal um Bidens Sohn Hunter kam zur Sprache.

    Coronavirus und Impfstoff 

    Bei der Debatte ging es um die unterschiedlichen Ansätze zum Weg aus der Corona-Krise. Trump, der selbst infiziert und erkrankt war, betonte auch vor dem Hintergrund wieder steigender Fallzahlen, dass er auf keinen Fall weitere Lockdowns wolle.

    „Die Medizin darf nicht schlimmer als das Problem selbst sein“, sagte der Präsident. Amerika lerne, mit dem Virus zu leben, sagte er.

    Das löste eine scharfe Reaktion des 77-jährigen Biden aus: „Die Leute lernen, damit zu sterben.“

    Auf den Vorwurf, er übernehme keine Verantwortung für die Krise, entgegnete Trump: „Ich übernehme die volle Verantwortung. Es ist nicht meine Schuld, dass es hierhergekommen ist. Es ist nicht Joes Schuld. Es ist Chinas Schuld.“

    Was einen Corona-Impfstoff anbelangt, behauptete Trump: „Wir haben einen Impfstoff, der kommt, er ist fertig“.

    Geld aus Russland

    US-Präsident Donald Trump hat seinem Herausforderer bei den anstehenden Präsidentschaftswahlen, Joe Biden, vorgeworfen, über Wladimir Putin Geld von Russland bekommen zu haben.

    Trump betonte, weder Russland noch China oder die Ukraine hätten jemals etwas an ihn gezahlt. Biden habe, im Gegenteil, Geld aus allen drei Ländern erhalten, behauptetet er:

    „Joe bekam 3,5 Millionen Dollar (2,9 Millionen Euro – Anm. d. Red.) von Russland, und es kam über Putin, weil er mit dem ehemaligen Bürgermeister von Moskau gut befreundet war, und es war die Ehefrau des Moskauer Bürgermeisters, und du hast 3,5 Millionen Dollar bekommen, deine Familie hat 3,5 Millionen Dollar bekommen“, äußerte Trump.

    Zuvor hatten die republikanischen Senatoren Ron Johnson und Chuck Grassley einen Bericht veröffentlicht, in dem behauptet wurde, dass Joe Bidens Sohn Hunter und sein Partner Millionen US-Dollar von Ausländern mit fragwürdigem Hintergrund erhalten hätten. Laut dem Bericht waren es die Witwe des ehemaligen Moskauer Bürgermeisters Juri Luschkow, Jelena Baturina, der ukrainische Oligarch Mikola Slotschewski und der kasachische Geschäftsmann Kenes Rakischew. Zudem soll Biden Millionengewinne aus der Zusammenarbeit mit Bürgern Chinas erhalten haben, die mit den chinesischen Behörden in Verbindung stehen.

    Biden wies die Vorwürfe zurück und sagte, er selbst habe niemals auch nur einen „Penny“ aus einem anderen Land angenommen.

    Kim Jong Un

    Beim Thema Außenpolitik betonte Trump abermals, dass es in seiner Amtszeit entgegen Warnungen seines Vorgängers Barack Obama keinen Krieg mit Nordkorea gegeben habe - auch weil sein Verhältnis zum Machthaber Kim Jong Un gut sei.

    Biden entgegnete: „Wir hatten ein gutes Verhältnis zu Hitler, bevor er in Europa einfiel.“

    Trump hielt ihm vor, in seinen acht Jahren als Vizepräsident eine zu schwache Außenpolitik betrieben zu haben.

    Rassismus

    Biden bekräftigte, dass es in Amerika in den Institutionen verankerten Rassismus gebe. Trump bezeichnete er als den rassistischsten Präsidenten.

    „Er gießt in jedes einzelne rassistische Feuer Öl.“ Der Präsident wiederholte im Gegenzug seine Behauptung, dass niemand mehr als er für schwarze Amerikaner getan habe - mit Ausnahme von Präsident Abraham Lincoln mit der Abschaffung der Sklaverei.

    „Ich bin die am wenigsten rassistische Person in diesem Raum“, sagte er - direkt neben der Afroamerikanerin Welker.

    Klimawandel

    Biden reagierte mehrfach mit ungläubigem Lachen, unter anderem als Trump davon sprach, dass Windräder „alle Vögel töten“. Der Herausforderer betonte: „Der Klimawandel, die Erderwärmung sind die nächste existenzielle Bedrohung für die Menschheit.“ Er werde deshalb dem Klimaabkommen von Paris wieder beitreten, aus dem die USA unter Trump ausgetreten waren.

    Biden wagte sich diesmal deutlich weiter als zuvor aus der Deckung, was eine Energiewende angeht. Er betonte, dass die Ölindustrie mit ihm als Präsidenten keine Subventionen aus Washington mehr bekommen solle. Auch wolle er die Wirtschaft vom Öl schrittweise auf erneuerbare Energien umstellen.

    „Das ist eine große Aussage“, rief Trump aus. Er behauptet stets, dass Biden die amerikanische Ölindustrie zerstören und damit viele Jobs vernichten werde. Er versucht, damit unter anderem in den Bundesstaaten zu punkten, in denen die Ölbranche viele Arbeitsplätze stellt. Biden versprach, die Umstellung werde „Millionen neue Jobs“ schaffen.

    In einer Blitzumfrage des Senders CNN sahen 53 Prozent der Zuschauer Biden vorn, für 39 Prozent war Trump der Sieger. Es ist schwer abzuschätzen, wie stark die Debatte Unentschiedene noch beeinflusst. Fast 50 Millionen Amerikaner haben bereits per Brief abgestimmt, viele Wähler dürften sich festgelegt haben, wem sie am 3. November ihre Stimme geben.

    ns/dpa/sna/ae

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    Tags:
    Präsidentschaftswahlen, TV-Duell, china, Ukraine, Russland, Joe Biden, Donald Trump, USA