19:31 23 November 2020
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    Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat nach eigenen Angaben beim Telefonat mit seinem aserbaidschanischen Amtskollegen Ilham Alijew seine Genugtuung darüber geäußert, dass die Armee Aserbaidschans „ihr Land von der Besetzung“ zurückerobere.

    „Am Morgen hatte ich ein Telefongespräch mit (dem aserbaidschanischen Präsidenten Ilham – Anm. d. Red.) Alijew. Zurzeit rücken unsere aserbaidschanischen Brüder in die besetzten Gebiete vor und befreien sie“, sagte er bei einem Auftritt in der Stadt Kayseri. Die Rede wurde via Twitter übertragen.

    „Wir werden Aserbaidschan weiterhin jegliche Unterstützung in seinem Kampf für die Befreiung der besetzten Gebiete auf Grundlage des Prinzips ‚zwei Staaten – ein Volk‘ gewähren“, fügte er hinzu.

    Zudem zeigte sich Erdogan darüber empört, dass einige Länder, insbesondere Frankreich, die „Besetzung aserbaidschanischer Gebiete“ unterstützen.

    Eskalation in Bergkarabach

    Am 27. September war es zu Kämpfen an der Berührungslinie in der international nicht anerkannten Republik Bergkarabach gekommen. Nach Angaben der lokalen Behörden wurden friedliche Siedlungen in Karabach, einschließlich der Hauptstadt Stepanakert, mit Artillerie beschossen. Die Behörden erklärten später den Kriegszustand und eine Mobilmachung in der Republik. Baku und Jerewan machten sich gegenseitig für die Verschärfung der Lage verantwortlich.

    Auch Armenien verkündete den Kriegszustand und eine allgemeine Mobilmachung. Aserbaidschan führte den Kriegszustand in einigen Regionen des Landes sowie eine landesweite Ausganssperre ein und verkündete eine teilweise Mobilmachung.

    Die Staats- und Regierungschefs Russlands, der Vereinigten Staaten und Frankreichs, die als Ko-Vorsitzende der Minsker Gruppe der OSZE zur Karabach-Regelung fungieren, forderten die Konfliktparteien zur Zurückhaltung auf. Sie verurteilten die Eskalation und äußerten den Angehörigen der Toten und Verletzten im Konflikt ihr Beileid. Zudem riefen sie dazu auf, die Kämpfe einzustellen und sich zur Aufnahme von Verhandlungen ohne Vorbedingungen zu verpflichten.

    Die Türkei versprach, Aserbaidschan jede gewünschte Unterstützung vor dem Hintergrund einer weiteren Verschärfung der Lage in Bergkarabach zu gewähren.

    Gespräche in Moskau

    Am 9. Oktober kamen die Außenminister von Armenien und Aserbaidschan auf Einladung von Wladimir Putin zu Vermittlungsgesprächen nach Moskau. Die Gespräche dauerten mehr als zehn Stunden.

    Im Ergebnis dieser Gespräche wurde ein Waffenstillstand in der Konfliktregion um Bergkarabach vereinbart, der am 10. Oktober in Kraft trat und den beiden Konfliktparteien ermöglichen soll, Kriegsgefangene und Gefallene unter Vermittlung des Roten Kreuzes auszutauschen. Doch schon am selben Tag warfen die Seiten einander vor, gegen die Waffenruhe verstoßen zu haben. Ein zweiter Versuch, einen humanitären Waffenstillstand zu organisieren, wurde in der Nacht zum 18. Oktober unternommen.

    Konflikt in Bergkarabach

    Der Konflikt in Bergkarabach war im Februar 1988 entflammt, als das Autonome Gebiet Bergkarabach seine Abspaltung von der Aserbaidschanischen Sozialistischen Sowjetrepublik angekündigt hatte. Infolge der bewaffneten Konfrontation in den Jahren 1992 bis 1994 verlor Aserbaidschan die Kontrolle über Bergkarabach und sieben Anrainer-Bezirke.

    Seit 1992 werden Verhandlungen über die friedliche Beilegung des Konflikts in der Minsker Gruppe der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) geführt, die von drei Ko-Vorsitzenden – Russland, den Vereinigten Staaten und Frankreich – geleitet wird. Aserbaidschan besteht auf die Bewahrung seiner territorialen Integrität und Armenien setzt sich für die Interessen der international nicht anerkannten Republik ein, die keine Gesprächspartei bei den Verhandlungen ist.

    asch/sna/ae

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    Krieg, Kämpfe, Aserbaidschan, Türkei, Recep Tayyip Erdogan, Bergkarabach-Konflikt, Bergkarabach-Konflikt