04:27 03 Dezember 2020
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    Die Verteidigungsarmee der international nicht anerkannten Republik Bergkarabach hat am Sonntag via Facebook lokale Schlachten entlang der gesamten Frontlinie gemeldet. Baku hat wiederum angegeben, in drei Regionen von Karabach vorgerückt zu sein.

    „Derzeit finden lokale Gefechte an allen Richtungen der Front statt. Einheiten der Verteidigungsarmee setzen ihre Operationen fort, um gegnerische Sabotage- und Aufklärungsgruppen aufzuspüren und zu eliminieren“, heißt es auf dem Facebook-Account der Verteidigungsarmee.

    Zuvor gaben die Behörden von Bergkarabach an, dass die aserbaidschanischen Streitkräfte in der Nacht auf Sonntag Ortschaften und Ackerland in Karabach unter Beschuss genommen hätten.

    „In der Nacht vom 24. auf den 25. Oktober beschoss Aserbaidschan weiterhin Ortschaften. Die Artillerie wurde gegen die Dörfer Karmir Schuka, Tagaward, Gischi, Spitakaschen in der Region Martunin und das Dorf Awetaranoz in der Region Askeran eingesetzt. Gegnerische Truppen griffen nicht nur friedliche Siedlungen, sondern auch angrenzende Territorien - Wälder und landwirtschaftlich genutzte Flächen - an“, teilte der staatliche Notfalldienst auf seiner Facebook-Seite mit.

    In diesen Siedlungen gebe es keine militärischen Einrichtungen, so die Behörde. „Es gab keine Opfer und Verletzte unter der Zivilbevölkerung infolge des Beschusses“, hieß es.

    Auch Baku meldet Gefechte

    Inzwischen kündigte Baku an, in der Nacht auf Sonntag nach Kampfhandlungen  unterschiedlicher Intensität in drei Regionen von Karabach - Chodshawend, Gubadly und Latschin - vorgerückt zu sein. Die gegnerischen Kräfte hätten mit Kleinwaffen, Panzern, Granatwerfern und Kanonen auf die Verteidigungspositionen der aserbaidschanischen Armee geschossen, gab der Pressedienst des aserbaidschanischen Verteidigungsministeriums bekannt.

    Es gebe eine große Anzahl von Toten und Verletzten unter den armenischen Militärs, hieß es weiter. Das aserbaidschanische Militär habe innerhalb der letzten 24 Stunden zwei Panzer der armenischen Streitkräfte, zwei Schützenpanzer, vier Kanonen vom Typ D-30, ein Geschütz „Gianzint-B“ sowie sieben Stück anderer Militärtechnik außer Gefechte gesetzt.

    „Jetzt gehen die Kämpfe an der gesamten Front weiter“, stellte das aserbaidschanische Verteidigungsministerium fest. Nach dessen Angaben  zogen sich Divisionen des 1. Bataillons des 543. Regiments der Streitkräfte Armeniens in der Region Gubadly zurück und erlitten Verluste.

    Aserbaidschans Präsident Ilham Alijew sagte gegenüber dem US-Sender Fox News, dass die Streitkräfte seines Landes während der Kampfhandlungen in Bergkarabach sechs Flugabwehr-Raketensysteme S-300 der armenischen Streitkräfte zerstört hätten.

    „Unsere Drohnen eliminieren armenische Panzer und andere militärische Ausrüstung. Bisher haben wir mehr als 230 Panzer, sechs S-300-Luftabwehrsysteme und Hunderte gepanzerter Fahrzeuge zerstört. Wir setzen keine Drohnen gegen Zivilisten ein. Dies sind falsche Informationen“, so Alijew.

    Eskalation in Bergkarabach

    Am 27. September war es zu Kämpfen an der Berührungslinie in der international nicht anerkannten Republik Bergkarabach gekommen. Nach Angaben der lokalen Behörden wurden friedliche Siedlungen in Karabach, einschließlich der Hauptstadt Stepanakert, mit Artillerie beschossen. Die Behörden erklärten später den Kriegszustand und eine Mobilmachung in der Republik. Baku und Jerewan machten sich gegenseitig für die Verschärfung der Lage verantwortlich.

    Auch Armenien verkündete den Kriegszustand und eine allgemeine Mobilmachung. Aserbaidschan führte den Kriegszustand in einigen Regionen des Landes sowie eine landesweite Ausganssperre ein und verkündete eine teilweise Mobilmachung.

    Die Staats- und Regierungschefs Russlands, der Vereinigten Staaten und Frankreichs, die als Ko-Vorsitzende der Minsker Gruppe der OSZE zur Karabach-Regelung fungieren, forderten die Konfliktparteien zur Zurückhaltung auf. Sie verurteilten die Eskalation und äußerten den Angehörigen der Toten und Verletzten im Konflikt ihr Beileid. Zudem riefen sie dazu auf, die Kämpfe einzustellen und sich zur Aufnahme von Verhandlungen ohne Vorbedingungen zu verpflichten.

    Die Türkei versprach, Aserbaidschan jede gewünschte Unterstützung vor dem Hintergrund einer weiteren Verschärfung der Lage in Bergkarabach zu gewähren.

    Gespräche in Moskau

    Am 9. Oktober kamen die Außenminister von Armenien und Aserbaidschan auf Einladung von Wladimir Putin zu Vermittlungsgesprächen nach Moskau. Die Gespräche dauerten mehr als zehn Stunden.

    Im Ergebnis dieser Gespräche wurde ein Waffenstillstand in der Konfliktregion um Bergkarabach vereinbart, der am 10. Oktober in Kraft trat und den beiden Konfliktparteien ermöglichen soll, Kriegsgefangene und Gefallene unter Vermittlung des Roten Kreuzes auszutauschen. Doch schon am selben Tag warfen die Seiten einander vor, gegen die Waffenruhe verstoßen zu haben. Ein zweiter Versuch, einen humanitären Waffenstillstand zu organisieren, wurde in der Nacht zum 18. Oktober unternommen.

    Konflikt in Bergkarabach

    Der Konflikt in Bergkarabach war im Februar 1988 entflammt, als das Autonome Gebiet Bergkarabach seine Abspaltung von der Aserbaidschanischen Sozialistischen Sowjetrepublik angekündigt hatte. Infolge der bewaffneten Konfrontation in den Jahren 1992 bis 1994 verlor Aserbaidschan die Kontrolle über Bergkarabach und sieben Anrainer-Bezirke.

    Seit 1992 werden Verhandlungen über die friedliche Beilegung des Konflikts in der Minsker Gruppe der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) geführt, die von drei Ko-Vorsitzenden – Russland, den Vereinigten Staaten und Frankreich – geleitet wird. Aserbaidschan besteht auf die Bewahrung seiner territorialen Integrität und Armenien setzt sich für die Interessen der international nicht anerkannten Republik ein, die keine Gesprächspartei bei den Verhandlungen ist.

    pd/mt/sna

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