13:19 04 Dezember 2020
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    Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat seine Mitbürger aufgerufen, vor dem Hintergrund der verschärften Beziehungen zu Paris auf den Kauf von französischen Waren zu verzichten. Damit soll er eigenen Worten zufolge auf eine ähnliche Aufforderung französischer Behörden reagiert haben.

    „Ebenso wie in Frankreich dazu gedrängt wird, keine türkischen Waren zu kaufen, spreche ich jetzt mein Volk an: Tut ihnen keine Ehre an, kauft keine Waren von französischen Herstellern“, sagte Erdogan am Montag in Ankara.

    Er forderte die internationale Gemeinschaft auf, „Muslime in Frankreich zu schützen, die wegen ihres Glaubens verfolgt werden“. Dabei warf er Paris Nazismus vor und beschimpfte den Präsidenten Emmanuel Macron. 

    „Derjenige, der an der Spitze Frankreichs steht und psychiatrische Behandlung benötigt, hat begonnen, Angriffe auf Muslime zu fördern“, so Erdogan. Dabei erinnerte er daran, dass in Europa sechs Millionen türkische Bürger wohnen, weswegen die „Provokation von islamfeindlichen Gefühlen“ der europäische Staatsführung keinen Nutzen bringen würde.

    „Dieser Weg, den sie eingeschlagen haben, um das eigene Versagen zu vertuschen, wird tragisch enden“, sagte Erdogan. Rassismus und Islamophobie seien eine „Psychose“.  

    Der österreichische Bundeskanzler Sebastian Kurz und Bundesaußenminister Heiko Maas haben die Äußerungen von Erdogan in Bezug auf Macron bereits scharf kritisiert. Laut Kurz bewege sich die Türkei immer weiter von der EU und den gemeinsamen europäischen Werten weg. Maas bezeichnete Erdogans Angriffe als „neuen Tiefpunkt“. Die beiden Politiker äußerten ihre Solidarität mit Frankreich im Kampf gegen islamistische Extremisten. 

    Zuvor hatte Emmanuel Macron Maßnahmen im Kampf gegen „islamistischen Separatismus“ vorgestellt. Es gehe darum, einen „Islam der Aufklärung“ aufzubauen und ihn von ausländischem Einfluss zu befreien. Auch die Finanzierung von Moscheen soll stärker kontrolliert werden. Macron zufolge soll am 9. Dezember ein Gesetz vorgelegt werden, das die republikanischen Werte in Frankreich stärken soll. Der Anlass dafür war der brutale Mord an dem französischen Lehrer Samuel Paty, der am 16. Oktober von einem Mann tschetschenischer Herkunft bei Paris enthauptet worden war.

    om/mt/sna
     

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    Tags:
    Streit, Recep Tayyip Erdogan, Emmanuel Macron, Frankreich, Türkei