05:52 03 Dezember 2020
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    Deutschlands Ex-Vizekanzler und früherer Wirtschafts- und Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) hat den aktuellen Ton im deutsch-amerikanischen Verhältnis als besonders rau bezeichnet, die Beziehungen seien ihm zufolge so schlecht wie nie, obwohl die Sanktionen seitens Washingtons nichts Neues seien.

    „Der Ton und der Umgang im deutsch-amerikanischen Verhältnis ist besonders rau geworden“, sagte Gabriel auf einer Pressekonferenz am Dienstag in Berlin.  

    Es habe immer Konflikte zwischen Deutschland, Europa auf der einen Seite und den Vereinigten Staaten auf der anderen Seite gegeben. Es sei jetzt nicht etwas, was es nie gegeben habe. Dabei erinnerte Gabriel an die Auseinandersetzungen um den Vietnam-Krieg, um Chile, um den zweiten Irak-Krieg. Es sei ihm zufolge auch nicht das erste Mal, dass die USA Sanktionen gegen ein deutsch-russisches oder europäisch-russisches Erdgasprojekt beschlossen haben. 

    „Auseinandersetzungen gab es schon häufig, aber noch nie war das deutsch-amerikanische, europäisch-amerikanische Fundament so brüchig und so schwierig, wie das derzeit der Fall ist“, beklagte Gabriel, der jetzt den Vorsitz in der Atlantik-Brücke innehat. 

    Aus seiner Sicht hat das mit zwei wesentlichen Ursachen zu tun. Eine ist die geopolitische Ursache, die die globalen Interessen verschiebe. „Amerika wird schon seit geraumer Zeit und deutlich vor Beginn der Präsidentschaft von Donald Trump pazifischer und weniger europäisch, damit verlagern sich auch die Interessen“, sagte Gabriel. 

    Aber auch die Präsidentschaft Donald Trumps sei „außerordentlich bedeutsam“ gewesen für dieses „schwierige, man kann glaube ich sagen, schlechte Verhältnis, das wir derzeit haben“.

    „Jedenfalls war es noch nie so schlecht wie jetzt“, sagte Gabriel. 

    Hoffnung auf Verbesserung 

    Doch die Deutschen geben die Hoffnung auf eine Verbesserung nicht auf. Gabriel führte die Ergebnisse einer Umfrage über den möglichen Wahlausgang in den USA in der kommenden Woche an. Demnach rechnen die Deutschen fast gleichenteils mit einem Sieg Joe Bidens (41,3 Prozent) wie mit einem Sieg Donald Trumps (38,4 Prozent). 

    Die Ostdeutschen glauben etwas stärker an eine Wiederwahl Trumps als die Westdeutschen. Bei den Parteien sind das besonders die Wähler der AfD, die an eine Wiederwahl Trumps glauben, auch die Wähler der FDP glauben mehrheitlich daran. 

    Eine deutliche Mehrheit der Befragten (68,5 Prozent) glaubt Gabriel zufolge, dass sich das deutsch-amerikanische Verhältnis nach dem Sieg Joe Bidens verbessern werde. Das Vertrauen in eine gute Zusammenarbeit mit den USA sei jedenfalls noch nicht grundsätzlich unterminiert.

    „Die Zuversicht, dass sich unter einer neuen politischen Führung wieder Vieles verbessern kann, ist außerordentlich groß in Deutschland“, so Gabriel. 

    om/mt/

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    Tags:
    Donald Trump, Sanktionen, Nord Stream 2, Sigmar Gabriel, Verhältnis, Beziehungen, USA, Deutschland