12:52 04 Dezember 2020
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    Ein russisches Gericht im Gebiet Nowgorod hat zum ersten Mal für das einheimische Gerichtsverfahren einen Massenmord an der sowjetischen Zivilbevölkerung durch die Nazis als Völkermord anerkannt. Es handelt sich dabei um die Massaker im Dorf Schestjanaja Gorka im Jahr 1942.

    „Es ist eine Tatsache von rechtlicher Bedeutung festzustellen: Die neu aufgedeckten, durch die Soldaten eines 'Teilkommandos' gegen mindestens 2600 Sowjetbürger von 1942 bis 1943 verübten Verbrechen sind als Kriegsverbrechen gegen die Menschheit, als Völkermord an ethnischen Gruppen anzuerkennen“, verkündete die Richterin des Bezirksgerichts Solezki, Marina Malyschewa, das Urteil. Die Live-Übertragung war auf der Webseite des Gerichts zu verfolgen.

    Es sei festgestellt worden, dass die Massenvernichtung von Menschen in Schestjanaja Gorka „Teil des deutschen Plans war, die gesamte Zivilbevölkerung der Sowjetunion durch Vertreibung loszuwerden, damit die Deutschen das befreite Gebiet kolonisieren können“.

    In seinem Schlusswort  erinnerte Witali Nowikov, Leiter der Zivilrechtsabteilung der Staatsanwaltschaft der Region Nowgorod, daran, dass die Kriegsverbrechen laut dem Statut des Internationalen Militärgerichtshofs (IMG) von Nürnberg keine Verjährungsfrist haben.

    Auf eine Anfrage von Sputnik gaben die Historiker an, dass der Prozess, obwohl er verspätet komme, eine Rechtsgrundlage für weitere ähnliche Untersuchungen werden, aber auch den Angehörigen der Opfer bei der Bestimmung ihres rechtlichen Status helfen solle. 

    Massenmord in Schestjanaja Gorka

    Im Jahr 1942 hatten die Nazi-Strafbrigaden in dem Dorf Massenexekutionen von Zivilisten durchgeführt. Eine russische Suchgruppe hatte dort im letzten Frühjahr im Rahmen des allrussischen Projekts „Keine Verjährung“ mehr als 500 Überreste gefunden. Unter den Getöteten befanden sich 188 Kinder, von denen das jüngste erst fünf Jahre alt war. Es wurde festgestellt, dass die Menschen mit Kopfschüssen, aber auch durch stumpfe und hackende, oft mehrfache Schläge getötet wurden.

    Nach Angaben der Staatsanwaltschaft richteten die Nazis zu diesen Zwecken ein Teilkommando von mehr als 20 Personen ein, angeführt von deutschen und österreichischen Offizieren. Einige der einfachen Vollstrecker stammten aus der Lettischen Sozialistischen Sowjetrepublik (Lettland).

    Als Hauptorganisator der Massaker gilt der deutsche General Kurt Herzog, der 1947 von einem sowjetischen Militärgericht zu 25 Jahren Haft verurteilt wurde. Er starb 1948. Die Täter selbst wurden aber nie vor Gericht gestellt.

    Wladimir Medinski, der Berater des russischen Präsidenten, stellte zuvor fest, dass trotz der kolossalen Verluste der UdSSR im Großen Vaterländischen Krieg die Tatsache des Völkermords international nur gegenüber Juden, Roma und Serben anerkannt worden sei. Dabei hatten sich die Opferzahlen für die Sowjetunion nach Angaben des russischen Verteidigungsministeriums auf 27 Millionen Tote und Verstorbene belaufen.

    pd/mt/sna

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    Tags:
    Russland, Gericht, Zivilisten, Krieg, Sowjetunion, Massenmord, Völkermord, Nazis