17:28 26 November 2020
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    Sputnik hat Expertenmeinungen zu den Hintergründen und Ursachen des jüngsten Anschlags von Nizza gesammelt.

    Der Stadtrat Philippe Vardon von der Partei „Rassemblement National“ (dt.: „Nationale Sammlungsbewegung“, die ehemalige „Front National“) führte den jüngsten Anschlag von Nizza darauf zurück, dass der Islamismus in der Mittelmeermetropole und ihrer Umgebung festen Fuß gefasst habe.

    Die Hafenstadt Nizza bezeichnete er als eine „Stadt, die tief vom Islamismus durchdrungen ist“.

    „Bereits 2007, vor seinem Wahlkampf, befürwortete (der zu der Zeit zukünftige Bürgermeister) Christian Estrosi den Bau einer großen Moschee in Nizza. Im selben Jahr, während des Monats Ramadan, besuchte er die Moschee Ar-Rahma im Département Alpes-Maritimes, die nichts anderes ist als die zentrale Moschee der UOIF (Union Islamischer Organisationen Frankreichs, heute „Muslime Frankreichs“ genannt, ein mit der Muslimbruderschaft assoziierter Verein – Anm. d. Red.). In Bezug darauf sagte er: ‚Ich fühle mich hier zu Hause‘. Und das sagt alles“, argumentierte Vardon.

    Globale Akteure arbeiten isoliert

    Der internationale Experte für Terrorismusbekämpfung von dem Beratungsunternehmen „Global Risk International“ David Otto nannte die Zersplitterung der internationalen Bemühungen beim Kampf gegen den Terror als den Hauptgrund für das Versagen in dieser lebenswichtigen Frage.

    „Der Terrorismus gedeiht, wenn globale Akteure isoliert arbeiten“, sagte er gegenüber Sputnik.

    Die zunehmende Konzentration der führenden Politiker der Welt auf politische Korrektheit sei eine Herausforderung für die Notwendigkeit von weltweit koordinierten Bemühungen zur Terrorismusbekämpfung, und das müsse sich ändern, betonte er.

    „Die mächtigsten Staaten stellen die geopolitische Positionierung in den Vordergrund. Sie sind jedoch eindeutig nicht im Stande zu begreifen, dass die reflexartigen innen- und außenpolitischen Reaktionen sowie das Verhalten von Einzelpersonen und Institutionen als Auslöser für gewalttätige extremistische Aktivitäten auf den Straßen wirken“, äußerte der Experte.

    Terrororganisationen und einzelne Akteure, die mit der verdrehten Ideologie des „Islamischen Staates“* oder der „Al-Qaida“ in Verbindung stehen würden, würden sich auf politisch sensationelle Push- und Pull-Faktoren stützen, um Angriffe auf unschuldige Zivilisten und Sicherheitsziele zu rechtfertigen.

    „Lassen wir uns nicht das bereits große Feuer weiter anheizen, das wir noch zu löschen haben“, sagte er.

    Jedes Land und jede Behörde wollen bei der Terrorbekämpfung „Gott spielen“

    Mangelnde Zusammenarbeit und Koordinierung seien nicht nur Ländern, sondern auch einzelnen Organisationen und Behörden vorzuwerfen.

    Die Bemühungen zur Bekämpfung der dem Terrorismus zugrundeliegenden Ideologien sowie zur Beseitigung von Schwachstellen innerhalb der gefährdeten Gesellschaften, sind „sowohl intern als auch extern und durch zivile und sicherheitspolitische Multi-Agenturen extrem desorganisiert und unkoordiniert“, beanstandete der Sicherheitsexperte.

    Jedes Land, jede Behörde und jede internationale Organisation wolle bei der Terrorbekämpfung „Gott spielen“. Dieses Ausmaß an Uneinigkeit stelle ein riesiges Schlupfloch dar, das Terroristen weiterhin nutzen und vor allem in Grenzstaaten Schaden anrichten würden.

    Der Experte erwartet offenbar von Gesellschaften, dass sie ihre Regierungen zu Koordinierung und Vereinbarung ihrer Anstrengungen im Sicherheitsbereich veranlassen würden:

    „Solange die globale Gemeinschaft nicht damit beginnt, jede Regierung für mangelnde Koordinierung ihres Vorgehens bei der Terrorismusbekämpfung zur Rechenschaft zu ziehen, wird das Massaker, das wir in Nizza und anderen Ländern sehen, weitergehen“, warnte er.

    Scharfe Worte der Verurteilung seien Routine und würden nicht ausreichen, um terroristische Aktivitäten in der ganzen Welt abzuwehren.

    „Die Einigkeit bei der globalen Terrorbekämpfung schläft am Steuer, und wir erleben bereits den Schaden“.

    asch/sna/ae

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    Tags:
    Zusammenarbeit, Terrorbekämpfung, Messerattacke, Anschlag, Nizza, Frankreich