14:40 25 November 2020
SNA Radio
    Politik
    Zum Kurzlink
    128820
    Abonnieren

    Tausende Menschen in Weißrussland haben am Sonntag gegen Alexander Lukaschenko demonstriert – trotz einer klaren Warnung des Langzeitpräsidenten. Um den Protest zu unterdrücken, haben die Sicherheitsbeamten Warnschüsse abgegeben.

    Demonstranten strömten am Sonntag ins Zentrum der Hauptstadt Minsk, wie Fotos und Videos im Messenger Telegram zeigten. Es gab Berichte, dass erneut Blend- und Lärmgranaten eingesetzt worden seien. Auf den Straßen waren Uniformierte mit Sturmgewehren zu sehen.

    Bereits kurz nach Beginn der Demonstration feuerten Sicherheitskräfte Schüsse ab. Laut der Sprecherin der Städtischen Hauptabteilung für innere Angelegenheiten des Exekutivkomitees Minsk, Natalja Ganusewitsch, waren das „Warnschüsse“. So habe die Polizei (in Weißrussland als „Miliz“ bezeichnet) Gesetzesverstöße verhindert, fügte sie hinzu.

    Die Informationen, dass die Sicherheitskräfte auf dem Unabhängigkeitsboulevard Gummigeschosse vor die Füße der Demonstranten abgefeuert hätten, konnte Ganusewitsch nicht bestätigen.

    Bei dem Demonstrationszug am zwölften Sonntag in Folge kam es erneut zu Festnahmen. Das Menschrechtszentrum Wesna sprach am Nachmittag zunächst von mehr als 20 Festgenommenen. Darunter seien auch Journalisten gewesen. Unabhängige Zahlen für die Demonstration gibt es derzeit nicht.

    Mit Blick auf die zunehmende Gewalt von Uniformierten hatte die Demokratiebewegung zu einem „Marsch gegen den Terror“ aufgerufen. Lukaschenko hatte erst am Freitag erneut den Demonstranten gedroht: „Jetzt reicht es. Wir werden nicht zurückweichen.“ Er habe früh gewarnt, dass rote Linien nicht überschritten werden dürften.

    In Minsk sperrten die Sicherheitskräfte mehrere zentrale Plätze mit Gittern ab. Etliche Metro-Stationen wurden geschlossen, damit die Menschen nicht so einfach zu den Protesten gelangen konnten. Zudem funktionierte das mobile Internet zeitweise nicht. Die Behörden wollen damit verhindern, dass sich Demonstranten etwa über Telegram verabreden und Videos von Festnahmen schnell verbreitet werden.

    Proteste in Weißrussland

    Gleich nach den Präsidentschaftswahlen in Weißrussland am 9. August hatte die Opposition mit landesweiten Massenprotestaktionen begonnen. Die Gegner des amtierenden Staatschefs, Alexander Lukaschenko, für den dieser Wahlsieg bereits der sechste in Folge war, wollen seine Wiederwahl nicht anerkennen. Nach Angaben der Zentralen Wahlkommission konnte Lukaschenko 80,1 Prozent der Wählerstimmen auf sich vereinigen. Die Opposition erkennt seine Herausforderin Swetlana Tichanowskaja als Wahlsiegerin an.

    Bei der Auflösung der oppositionellen Kundgebungen setzten die Ordnungskräfte teilweise Tränengas, Wasserwerfer, Lärmgranaten und Gummigeschosse ein.

    Die Protestaktionen werden im Land weiterhin durchgeführt, die umfangreichsten von ihnen finden an den Wochenenden statt. Auch Lukaschenkos Anhänger halten Veranstaltungen zur Unterstützung des Präsidenten ab, dessen Amtseinführung am 23. September stattgefunden hat. Die Strafverfolgungsbehörden stellen eine Radikalisierung der Proteste in Belarus fest.

    sm/sna/dpa/gs

     

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Sputnik kommentierenvia Facebook kommentieren

    Zum Thema:

    Medizinprofessor kritisiert Corona-Politik: „Die Zahlen des RKI sind das Papier nicht wert“
    „Ihr verdammten Kinder- und alte Menschen-Mörder“: Auto fährt in Tor des Bundeskanzleramts
    Auch Verteidigungsamt betroffen: Trumps Regierung bereitet umfassende Sanktionen gegen Russland vor
    Regierung in Kiew geht auf Abgrund zu: Saakischwili befürchtet Wirtschaftskatastrophe in der Ukraine
    Tags:
    Schüsse, Polizei, Alexander Lukaschenko, Massenproteste, Minsk