20:03 24 November 2020
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    Der Erfurter Musiker Clueso befürchtet als Folge der Corona-Krise einen Zusammenbruch in der Kulturbranche. „Hier werden Existenzen plattgemacht“, so der 40-Jährige in einem Radiointerview. Er fordert Subventionen - der Staat habe schon viel zu lange weggeschaut.

    Bei seiner Kritik stellte Clueso klar, dass es ihm nicht darum gehe, um jeden Preis Konzerte wieder zu erlauben. Ihm sei durchaus bewusst, dass es dort ein erhöhtes Ansteckungsrisiko gebe. „Ich rede jetzt wirklich von Subventionierungen,“, sagte er beim Sender MDR Jump. Seiner Ansicht nach sei hier von staatlicher Seite schon viel zu lange weggeschaut worden.

    „Hinter jedem Musiker und jedem Frontmann, der auf der Bühne steht, stehen ganz viele Leute, die Bühnen aufbauen, die Licht machen, die organisieren“, sagte der Musiker. „Das ist ein Riesenstab von Leuten, die alle ihren Job verlieren.“

    Diese Menschen kämen nach seiner Einschätzung auch nicht wieder zurück in die Konzertbranche. „Tonleute haben sich Equipment geholt, das 20.000 Euro bis 30.000 Euro kostet. Das müssen sie verkaufen und das können sie nicht einfach zurückkaufen, wenn sie jetzt anfangen auf den Bau zu gehen oder Brot zu backen“, so der Musiker. Clueso wird von der Zeitschrift „Cosmopolitan“ als „lässigster Musikpoet Deutschlands“ bezeichnet, hat drei große Hits geschrieben, zuletzt die Songs „Flugmodus“ und „Aber ohne dich“ veröffentlicht.

    Milliardenumsätze und Millionen Menschen

    Die Kulturszene mit allen Betroffenen – vom Veranstalter über Caterer und Künstler bis hin zum Roadies und den Beleuchtern befindet sich wegen der Maßnahmen, die zum Schutz vor der Ausbreitung der Pandemie eingeführt wurden, gefühlt im freien Fall:

    Und so kommt aus der Kultur nun viel Protest gegen die neuerlichen Schließungen von Theatern und Konzertsälen. Erst in der vergangenen Woche hatte Till Brönner, der nicht nur Musiker, sondern auch Arbeitgeber ist, seinem Ärger Luft gemacht und auch mal Zahlen genannt, die daraufhin auch Eingang in den Sprachgebrauch von Entscheidungsträgern gefunden hatten. Die Rede ist von rund 1,5 Millionen Menschen, die über 100 Milliarden an Wertschöpfung generierten und zum großen Teil zum Bruttoinlandsprodukt beisteuerten – zumindest vor Corona.

    Passgenaue und schnelle Förderungen

    Kulturstaatsministerin Monika Grütters hatte im Zuge der neueren Corona-Maßnahmen gesagt, Einnahmeausfälle in den Kultureinrichtungen müssten „schnell, effizient und großzügig“ kompensiert und für die vielen Soloselbstständigen passgenaue Förderungen geschaffen werden. Es müsse „mindestens in dem Umfang, wie man auch anderen Branchen hilft“ unterstützt werden. Grütters meine nicht in erster Linie institutionell geförderte Einrichtungen, sondern etwa auch Kinos, Galerien und Clubs. Es habe den Kulturschaffenden wehgetan, so die Ministerin, dass sie in einem Atemzug mit Freizeit und Nagelstudios genannt worden seien.

    ba/dpa

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    Tags:
    Subventionen, Kultur, Musiker, Deutschland, Coronavirus