13:06 03 Dezember 2020
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    Auf einer Kundgebung am Brandenburger Tor sprach sich das nun ehemalige CDU-Mitglied und der bekannte Publizist Jürgen Todenhöfer am Donnerstagabend für eine strategische Partnerschaft mit Russland aus. Daran will seine neue Partei unter anderem arbeiten. Hiermit legt der 80-Jährige den Grundstein für „eine fundamental neue, ehrliche“ Politik.

    „Wir sind zusätzlich für eine strategische Partnerschaft mit Russland – auch Russland gehört zu Europa!“, rief Todenhöfer den etwa 200 am späten Donnerstagabend am Brandenburger Tor versammelten Menschen zu. Es regnete leicht, aber selbst nach einer Stunde ging niemand weg. Es war eine längst angekündigte Protest-Demo „gegen Doppelmoral und Heuchelei“, direkt zum 80. Geburtstag des ehemaligen CDU-Bundestagsabgeordneten von seinem Team organisiert. Glücklich teilte Todenhöfer mit, dass er nach 50 Jahren Mitgliedschaft nun endlich aus der CDU ausgetreten sei. Aus ganzen Herzen sprach er von den Ambitionen seiner Partei, ob bei Rassismusbekämpfung oder Entspannungspolitik. Wenn man alleine auf die Karte schaue, sagte er zu Russland, sehe man, dass Russland viel näher an Europa liege als Amerika.

    Todenhöfer war nach seinen Angaben öfter sowohl in der amerikanischen als auch in der russischen Botschaft in Berlin zu Gast – wenige Hundert Meter vom Brandenburger Tor entfernt, wo er seine Rede nun hielt. „Die deutschen Soldaten, die deutschen Nazis (…) – Deutschland hat im Zweiten Weltkrieg 27 Millionen Sowjetbürger getötet, und wir reden nie darüber. 27 Millionen! An dieser Stelle am Brandenburger Tor ist es an der Zeit, die Vergangenheit mit Russland zu bewältigen! Es ist eine Ehrenpflicht! Russland könnte wie Frankreich unser Freund sein, und darauf sollten wir hinarbeiten“, beharrte Todenhöfer.

    Im Zusammenhang mit dem Fall Nawalny war Todenhöfer einer der wenigen, der mit seinen offenen Fragen vor Vorverurteilungen gewarnt hatte. Auch auf der Demo wollte er sich nicht von seiner Kernbotschaft ablenken lassen. 

    „Selbstverständlich verurteilen wir Anschläge auf Regierungs- und Korruptionskritiker wie Nawalny, auch wenn wir nicht wissen, wer die Täter sind“, merkte er an. Die Bundesregierung wisse ja schon fünf Minuten nach der Tat, wer es war – es sei immer Putin, bemängelte der Redner. Er als früherer Richter wisse aber genauso, dass es manchmal jahrelang brauche, um den Täter herauszufinden. 

    „Ich bin hier nicht, um etwas Positives oder Negatives zum russischen Präsidenten zu sagen“, betonte Todenhöfer. „Ich sage nur, dieser Mann ist nicht dumm. Und wenn die Bundesregierung und Herr Maas so tun, als sei er dumm, ist Herr Maas dumm, weil unsere Bevölkerung nicht so dumm ist, dass sie nicht merken, dass er sie für dumm verkauft!“

    Sein Argument bleibt hiermit wie folgt: Wenn Putin den Auftrag gegeben hätte, Nawalny mit Novitschok zu vergiften, dann hätte er Nawalny nicht die Maschine gegeben, damit er nach Deutschland fliegen kann und die Deutschen das alles herauskriegen können. 

    „Hallo! Dem Putin können Sie alles unterstellen, aber nicht, dass er dumm sei!“, legte Todenhöfer nach. „Und ich sage, wir müssen ein normales Verhältnis zu Russland haben. Ich sage auch, wir müssen immer gegen Mordanschläge auf Regierungskritiker sein und die Namen nennen, wenn wir sie wissen, aber nicht, wenn wir sie nicht wissen.“ 

    Er unterstütze die Kritik der Bundesregierung bei Mordversuchen an Regierungskritikern. Doch das sei nicht alles.

    „Ich frage Sie, Herr Maas, ich frage Sie, Frau Merkel“, legte Todenhöfer nach: „Warum haben Sie noch nie gegen die Drohnenmorde des amerikanischen Präsidenten protestiert, die täglich über den deutschen Standort Ramstein stattfinden? Nie protestiert! Nie! Also, bitte Morde an politischen Gegnern kritisieren, aber auch, wenn sie von den Amerikanern begangen werden!“

    Todenhöfer war 50 Jahre lang CDU-Mitglied, von 1972 bis 1990 auch als Bundestagsabgeordneter aktiv. Zudem war er als Medienunternehmer tätig, unter anderem als stellvertretender Vorstandsvorsitzender des Burda-Konzerns. Aufgrund seiner Reisen nach Afghanistan und in arabische Länder, darunter in Gebiete der Dschihadisten, schrieb er mehrere Bücher über den Nahen und Mittleren Osten. 2019 erschien sein Buch „Die große Heuchelei. Wie Politik und Medien unsere Werte verraten“.

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    Tags:
    Jugoslawienkrieg, Brandenburger Tor, Alexej Nawalny, Jürgen Todenhöfer