04:20 25 November 2020
SNA Radio
    Politik
    Zum Kurzlink
    5915432
    Abonnieren

    Laut dem russischen Präsidenten Wladimir Putin unterliegen die NS-Verbrechen keiner Verjährungsfrist, und die Schlussfolgerungen des Militärgerichtshofs Nürnberg sind nach wie vor relevant.

    „Die Freigabe von Archivdokumenten, die derzeit in Russland aktiv durchgeführt wird, und die Arbeit von Suchgruppen ermöglichen es, die bisher unbekannten, aber schrecklichen Ereignisse des letzten Krieges, neue Fakten über die Massaker an Sowjetbürgern - alten Menschen, Frauen, Kindern - durch die Nazis und ihre Handlanger aufzudecken und neu zu verstehen“, heißt es in einer Ansprache des russischen Präsidenten an die Teilnehmer des Internationalen wissenschaftlich-praktischen Forums „Lehren aus Nürnberg“ von Freitag.

    Putin zufolge haben solche Verbrechen keine Verjährungsfrist.

    „Sie wurden von dem Gerichtshof Nürnberg bewertet; die von ihm entwickelten Anzeichen eines Verbrechens gegen die Menschlichkeit bestimmten das Konzept des Völkermordes und bildeten die Grundlage der 1948 verabschiedeten UN-Konvention gegen den Völkermord“, sagte er weiter.

    Die von dem Militärgerichtshof Nürnberg gezogenen Schlussfolgerungen seien bis heute relevant. Auf der Grundlage seiner Entscheidungen habe vor einem Monat ein russisches Gericht im Gebiet Nowgorod zum ersten Mal für das einheimische Gerichtsverfahren einen Massenmord an der sowjetischen Zivilbevölkerung durch die Nazis als Völkermord anerkannt. Es handle sich dabei um die Massaker im Dorf Schestjanaja Gorka im Jahr 1942.

    „Der Gerichtshof hat zu Recht den Status des Gerichts der Völker erlangt“, betonte der russische Präsident.

    Auch forderte er dazu auf, die Entscheidungen des Militärgerichtshofs Nürnberg im Gedächtnis zu behalten.

    „(…) Die Pflicht der gesamten Weltgemeinschaft besteht darin, die Entscheidungen des Gerichts der Völker zu überwachen, da es sich um die Grundsätze handelt, die den Werten der Nachkriegsweltordnung und den Normen des Völkerrechts zugrunde liegen. Sie sind auch heute noch eine solide und verlässliche Grundlage für einen konstruktiven Dialog und eine Zusammenarbeit, und eine diesbezügliche Vergessenheit, die Versuche, sie (Entscheidungen – Anm. d. Red.) zu untergraben, ist ein Schlag für die Gewährleistung der Sicherheit auf dem gesamten Planeten. Deshalb wirft Russland diese Fragen auf allen Verhandlungsplattformen beharrlich auf“, sagte Putin.

    „Nürnberg. Der Beginn des Friedens“

    Zum 75. Jahrestag der Nürnberger Kriegsverbrecherprozesse hat die Agentur RIA Novosti, die Teil der Mediengruppe MIA Rossiya Segondya und Partner des Internationalen Forums „Lehren aus Nürnberg“ ist, ein multimediales historisches Projekt mit dem Titel „Nürnberg. Der Beginn des Friedens“ gestartet. Das Projekt sieht vor, dass ab Donnerstag täglich die Materialien über die Nürnberger Prozesse veröffentlicht werden, die vom 20. November 1945 bis 1. Oktober 1946 gedauert hatten.  Für dieses Vorhaben sei die gesamte Palette an Formaten und technischen Lösungen genutzt worden, darunter die Möglichkeiten der virtuellen Realität (VR) und die Podcasts, hieß es.

    75. Jahrestag der Nürnberger Prozesse
    © Sputnik / MIA Rossija Segodnja

    Das ganze Jahr über wird das Portal einzigartige Archiv- und Museumsnachweise, Fotos, Zeichnungen und Wochenschauen veröffentlichen und somit den Benutzern die Möglichkeit geben, die Kriegsverbrecherprozesse Tag für Tag zu erleben. Die Materialien über die historischen Ereignisse werden sowohl in russischer als auch in deutscher, französischer und englischer Sprache veröffentlicht. Das Projekt endet im Oktober 2021 mit einer internationalen Konferenz in Nürnberg.

    Kriegsverbrecher-Prozesse in Nürnberg

    Insgesamt gab es 13 Prozesse gegen mehr als 200 Nationalsozialisten aus Politik, Militär und Wirtschaft. Den Hauptprozess führten die Alliierten (USA, Großbritannien, die Sowjetunion und Frankreich) gemeinsam. Die zwölf Nachfolgeprozesse verhandelten die USA in Alleinregie vor ihren Militärgerichten.

    Am 20. November 1945 wurde der Hauptprozess gegen die 22 Hauptkriegsverbrecher des Zweiten Weltkriegs eröffnet. Unter ihnen: Reichsmarschall und Oberbefehlshaber der deutschen Luftwaffe Hermann Göring, Hitler-Stellvertreter Rudolf Heß und Sicherheitspolizeichef Ernst Kaltenbrunner. Auf der Anklagebank saßen nur 21 Angeklagte: Gegen Martin Bormann wurde in Abwesenheit verhandelt. Zentrale Anklagepunkte waren: Verbrechen gegen den Frieden, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit.

    Der Hauptprozess endete mit zwölf Todesurteilen, sieben Freiheitsstrafen und drei Freisprüchen. In den Nachfolgeprozessen wurden noch 24 weitere Personen zum Tode verurteilt.

    Die Bedeutung der Nürnberger Prozesse kann nicht überschätzt werden: Sie waren es, die als erste in der Geschichte die Aggression als die schwerste Straftat anerkannt und die Verbrechen der Nazis gegen den Frieden und die Menschheit publik gemacht hatten. Vor 75 Jahren wurde der Grundstein für die moderne Weltordnung gelegt, in der das Konzept des „Friedens“ zum Eckpfeiler geworden ist. Gerade jetzt, wo viele Länder und Kontinente von politischen und militärischen Konflikten erschüttert werden, ist es wichtiger denn je, sich daran zu erinnern.

    pd/mt/sna

     

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Sputnik kommentierenvia Facebook kommentieren

    Zum Thema:

    Überschüssiger US-Militärschrott zu vergeben: Greift Berlin diplomatisch ein oder günstig ab?
    US-Zerstörer verletzt Russlands Grenze – Verteidigungsministerium
    Peter Altmaier und „Rühr-Mich-Nicht-An“ im Bundestag: Was deutsche Politiker belästigt
    Tags:
    Massaker, Nazi-Verbrechen, Verbrechen, Nürnberger Prozesse, Wladimir Putin