09:15 27 November 2020
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    Russische und französische Medien berichten derzeit, dass Kreml-Sprecher Dmitri Peskow erneut nachdrücklich dementiert hat, der russische Präsident Wladimir Putin habe Angela Merkel mit Adolf Hitler verglichen. Ein entsprechendes Zitat sei „absoluter Unsinn“, geistert aber seit Jahren durch das Internet. Ein Kommentar.

    Russische Medien berichten darüber, dass der Sprecher des russischen Präsidenten, Dmitri Peskow, nach Anfragen von russischen Journalisten einmal mehr bekräftigte, dass jegliche Meldungen, wonach Wladimir Putin sich angeblich über eigene Social-Media-Kanäle zu Wort gemeldet habe, glatte Falschmeldungen seien.

    „Glauben Sie diesen Veröffentlichungen nicht. Putin ist nicht in sozialen Netzwerken, er nutzt keine sozialen Netzwerke“, so der Präsidentensprecher.

    Die russischen Journalisten waren auf Peskow zugegangen, weil sie durch ausländische Kollegen wegen angeblicher Zitate von Putin angesprochen und um Prüfung der Authentizität gebeten wurden.

    Angebliche Gleichsetzung von Merkel und Hitler und Putin

    Konkret geht es um ein Zitat, dass offenbar unausrottbar durch das Internet geistert, seit Anfang November wieder massenhaft auf der Plattform Facebook verbreitet und Wladimir Putin zugeschrieben wird, obwohl es bereits zuvor durch Moskauer Regierungsstellen und nicht nur durch sie als Lüge identifiziert wurde. In dem Zitat soll Putin behaupten, die Deutschen würden Angela Merkel genauso blind folgen, wie 1939 Adolf Hitler in den Krieg. Peskow nannte dies wörtlich „absoluten Unsinn“. Er ist nicht der erste und nicht der einzige, der dieses Bilderbuch-Beispiel einer immer wieder nachgekauten Fake News als Lüge zurückweist.

    AFP: Keine Beweise

    Die französische Nachrichtenagentur Agence France-Presse (AFP) hat in einem „Faktencheck“ chronologisch aufgelistet, wie weit sich diese Desinformation zurückverfolgen lässt, die offenkundig den russischen Präsidenten diffamieren soll und auch entsprechend im Internet genutzt wird.

    Demnach wurde alleine ein Artikel vom 5. November bislang fast tausendmal weiterverbreitet. In dem Artikel, der aus einem Foto des russischen Präsidenten zusammen mit dem erwähnten Zitat besteht, wird auch ein Link zu einem Telegram-Kanal präsentiert. Wer diesem Link folgt, wird feststellen, dass die Zitat-Fälschung dort schon seit mindestens 10. Juli abgerufen werden kann.

    AFP bemühte sich, den eigentlichen Ursprung des Zitates zu ermitteln und fand durch eine simple Foto-Recherche mit der Suchmaschine Google einen Twitter-Beitrag der früheren CDU-Politikerin Erika Steinbach vom 1. April 2018, der aber wohl nicht als Aprilscherz gedacht war.

    Correctiv: Keine Beweise

    Eine Überprüfung dieses Twitter-Eintrags führt sowohl zu einer inzwischen abgeschalteten Internetseite namens Zitterate.nett als auch zu einem polizei- und gerichtsbekannten Troll, der im Jahr 2014 durch einen FAZ-Artikel zweifelhafte Popularität erlangte und der im Februar 2017 wegen im Internet verbreiteten Fotos mit gefälschten Zitaten zu einer Haftstrafe von einem Jahr und zehn Monaten verurteilt worden war. Allerdings auch wegen „Volksverhetzung, gefährlicher Körperverletzung, Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte, Beleidigung und Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen“, wie die Plattform „Correctiv“ schon 2019 einräumen musste, die ansonsten gerne mit lauter Stimme im Chor derjenigen singt, der Russland aller möglichen und unmöglichen Desinformations- und Fake-News-Kampagnen bezichtigt, was sich aber meist bei näherer Betrachtung als simpler Kampf um Deutungshoheit und Dominanz von Narrativen zu bestimmten politischen Themen entpuppt, die staatlich finanzierten russischen Medien nicht zugebilligt werden soll und deshalb offenbar diffamiert werden muss.

    Echte Fake News und Fake News-Vorwürfe als Propaganda-Waffe

    Genauso wie Fake News über angebliche Zitate des russischen Präsidenten entwickeln auch andere Fake News ein tückisches Eigenleben, sei es über angebliche virtuelle russische Angriffe auf westliche Staaten, angebliche Giftattentate oder angeblich absichtlich herbeigeführte Flugzeugkatastrophen. Leider machen sich weder die Faktenprüfer von AFP noch die Rechercheure von Correctiv bis heute die Mühe, genauso sorgfältig und vorurteilsfrei wie im Fall des hier erwähnten angeblichen Putin-Zitats auch alle anderen Lügen über Russland, seine Politik oder sein angebliches oder tatsächliches Verhalten in der Welt auf den Wahrheitsgehalt und die Plausibilität angeblicher Beweise zu überprüfen. Die lobenswerte Recherche zum angeblichen Putin-Zitat über Merkel und Hitler ist da schon mal ein guter Anfang.

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    Tags:
    Dmitri Peskow, Adolf Hitler, Angela Merkel, Zitate, Wladimir Putin, Fake-News, Frankreich, Deutschland, Russland