16:21 21 September 2018
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    „Pre-Crime“: Wie Algorithmen Leben zerstören

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    Bolle Selke
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    Wie funktioniert Predictive Policing, die Polizeiarbeit mit Prognose-Software und welche Folgen hat sie für Betroffene? Davon handelt "Pre-Crime". Der Dokumentarfilm zeigt Geschichten, die der Philip K.Dick Verfilmung "Minority Report" ähneln, aber längst kein Science Fiction mehr sind. Ein Interview mit dem Regisseur des Films Matthias Heeder.

    „Die Algorithmen sind in einen Code gegossene Vorurteile. Das spiegelt sich eben auch darin wieder. Niemand kontrolliert die Daten mit denen gearbeitet wird. Niemand weiß wie diese Daten zustande kommen, mit denen diese Algorithmen diese Prognosen errechnen. In den USA kaufen verschiedene Polizeibehörden bei privaten Datenbrokern Daten ein und niemand weiß, ob die schmutzig sind. Also sind sie noch akkurat, wie sind diese Daten zustande gekommen. In London ist es so, dass in der Matrixdatenbank jeder Polizeibeamte, der einen Schwarzen kontrolliert, Daten in diese Datenbank eingibt. Nun hat man überhaupt nicht die geringste Vorstellung davon, mit welcher persönlichen Haltung diese Menschen eigentlich angehalten und kontrolliert werden und die dieser Kontakt dann in das Protokoll der Datenbank eingegeben.“

     

    „Niemand kontrolliert, wie die Daten zustande kommen. Niemand kontrolliert diejenigen, die die Daten eingeben. All das macht es außerordentlich schwierig. Ich verstehe es eigentlich so, dass diese Systeme auf die systematische Verunsicherung von Individuen. Wenn sie wissen, dass sie ständig unter Polizeiüberwachung sind, ständig können sie kontrolliert werden. Sie bekommen einen Brief von der Polizei, in dem sie aufgefordert werden ihr Leben zu ändern. Sie können niemals wirklich ein Leben planen ohne damit rechnen zu müssen jemals mit der Polizei in Kontakt zu sein.“

     

     

    „Robert McDaniel aus Chicago ist ein unglaublich intelligenter junger Mann. Er weiß, dass er nie eine Chance hat da raus zu kommen. Sein gesamtes Leben, seine gesamten sozialen Bezüge, seine gesamten verwandtschaftlichen Bezüge, all das ist durch eine einzige Tatsache zerstört worden: dass er Zuhause von der Polizei besucht worden ist. Wenn sie in Austin Chicago — in einem schwarzen Viertel — leben, und sie bekommen Besuch von der Polizei und werden nicht verhaftet, heißt das für die Nachbarn, Freunde und Verwandte der arbeitet mit der Polizei zusammen und von Stund an war sein gesamtes soziales Leben zerstört und das ist bis heute der Fall.“

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    Tags:
    Matrix, Prognosen, Algorithmen, Codes, US-Polizei, Philip K.Dick, Matthias Heeder, USA