03:48 20 Oktober 2018
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    Psychotherapeut Maaz zu Russland: Wer selbst ein Problem hat, sucht einen Schuldigen

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    Armin Siebert
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    Zahlreiche Persönlichkeiten haben in einem Offenen Brief an die Bundeskanzlerin zu Besonnenheit im Umgang mit Russland in der Affäre um den vergifteten Ex-Spion Skripal aufgerufen. Unter den Unterzeichnern ist auch Dr. Hans-Joachim Maaz. Der bekannte Psychoanalytiker meint, dass das Feindbild Russland dazu dient, von eigenen Problemen abzulenken.

    Dr. Hans-Joachim Maaz war von 1980 bis zu seinem Ruhestand 2008 Chefarzt der Psychotherapeutischen und Psychosomatischen Klinik im Evangelischen Diakoniewerk Halle. 1990 erschien sein Buch „Der Gefühlsstau“, in dem er den Einfluss von staatlicher und familiärer Repression im DDR-System auf die psychische Befindlichkeit der Bevölkerung untersuchte. In seinen Folgewerken setzte er sich auch kritisch mit der Situation im wiedervereinigten Deutschland und den Folgen auf die Psyche auseinander.

    Herr Dr. Maaz, ich war überrascht, auch Ihre Unterschrift unter diesem Offenen Brief an die Bundeskanzlerin zu finden. Warum ist Ihnen dies ein Anliegen?

    „Zum einen ist die Rechtslage überhaupt nicht klar. In einem Rechtsstaat gilt die Unschuldsvermutung. Dass von vornherein verurteilt wird und so getan wird, als gäbe es nur diese eine Möglichkeit, dass das von Russland kommt, macht mir ernste Sorgen. Außenminister Heiko Maas hat gesagt, sie können sich keine andere Variante vorstellen. Das ist für mich ein trauriges Zeichen. Es gibt sicher tausend Möglichkeiten, wer Interesse haben könnte, so etwas zu machen.“

    „Und ich bin ebenso besorgt, wie mit Russland im Allgemeinen umgegangen wird. Ich habe das Gefühl, als ob ein alter, neuer Feind gebraucht wird. Das halte ich für die politische und militärische Situation in dieser Welt für gefährlich. Man muss mit Russland gut auskommen. Man muss bemüht sein, auch die russische Position zu verstehen. Die Diplomatie darf nicht verlassen werden durch neue Feindbilder.“

    Hören und lesen Sie das gesamte Interview mit Dr. Hans-Joachim Maaz hier.

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    Tags:
    psychische Störung, Gefühl, Psychiatrie, Rechtsstaatlichkeit, Unschuldsvermutung, Feindbilder, Rechtsstaat, Repressionen, Psychologie, DDR, Diplomatie, Bundestag, Hans-Joachim Maaz, Theresa May, Heiko Maas, Angela Merkel, Wladimir Putin, Salisbury, England, Großbritannien, Berlin, Deutschland, Moskau, Russland