11:46 25 September 2017
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    „Niedriglöhnerei, Hire & Fire, Auslagerung“ – Experte: US-Firmen in EU auf Vormarsch

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    Armin Siebert
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    US-Investoren schlagen immer tiefere Wurzeln auf dem EU-Markt. Heuschreckenfirmen wie Blackrock sind an den meisten großen deutschen Firmen beteiligt und Unternehmensberater wie McKinsey werden oft vom deutschen Staat gebucht. Der namhafte Wirtschaftsexperte Dr. Werner Rügemer warnt vor der Dominanz amerikanischer Firmen.

    "Die Wirtschaftsbeziehungen zwischen den USA und Europa haben sich sehr stark zu Lasten Europas verändert, aber viele Menschen haben das wegen ihrer rosaroten Obama-Brille nicht mitbekommen. Ich fange mal damit an, dass die beiden Bankenrettungsgesetze in Deutschland – damals unter Finanzminister Steinbrück – sofort bei der großen amerikanischen Wirtschaftskanzlei Freshfields in Auftrag gegeben wurden. Auch für die weitere Beratung, etwa beim Bankenrettungsfonds Soffin in Deutschland,  wurden amerikanische Berater herangezogen – Goldman Sachs, Morgan Stanley, KPMG, Freshfields, White&Case."

    "Eine bekannte Operation, die diese großen amerikanischen Kapitalorganisatoren gegenwärtig durchführen, ist die Fusion von Bayer und Monsanto. Was in den großen Leitmedien auch nicht berichtet wird: Es ist auch dadurch möglich, weil Blackrock & Co. gleichzeitig die Hauptaktionäre sowohl bei Bayer, als auch bei Monsanto sind. Da sorgen sie jetzt eben durch diese Fusionierung dafür, dass dieses fusionierte Unternehmen in ihrem Sinne noch lukrativer wird – durch die üblichen Maßnahmen, wie Abbau von Arbeitsplätzen, Teile der Unternehmen verkaufen. Und auch ein eigenes Geschäft: die Kreditbeschaffung,  für die da notwendig werdenden 60 Milliarden Dollar, zu organisieren."

    "Die EU, die europäische Kommission greift jetzt zwar symbolisch einzelne Fälle auf, aber es ist ja so, dass die größte Finanzoase in der Europäischen Union, Luxemburg, der Hauptstandort für die systematische, professionelle, lobbymäßig gestützte  Steuerhinterziehung für die größten Konzerne, vor allem amerikanische, ist. Durch die sogenannten LuxLeaks wurde ja bekannt, dass die große amerikanische Wirtschaftsprüfung PriceWaterhouse Coopers durch ihre völlig überdimensionierte Filiale in Luxemburg für hunderte von großen amerikanischen Konzernen wie Coca Cola die Steuerhinterziehung organisiert hat."

    "Überall bringen die amerikanischen Investoren der geschilderten Art natürlich ihr amerikanisches Geschäftsmodell der Niedriglöhnerei, des Hire & Fire, der Auslagerung mit. Beziehungsweise wollen sie es hier umsetzen, halten sich zum Teil ein bisschen an die hiesigen Arbeitsrechte, aber da wo es geht, unterlaufen sie sie auch. Sie versuchen, betriebsinterne Absprachen mit erpressten Betriebsräten zu machen, wo die Gewerkschaften für größere tarifliche Vereinbarungen möglichst rausgehalten werden."

    "In der Öffentlichkeit ist wenig beachtet worden, dass die deutsche Bundesregierung, aber auch Landesregierungen und Ministerien verstärkt amerikanische Unternehmensberater, Wirtschaftsprüfer, Großkanzleien usw. seit der Finanzkrise beauftragen. McKinsey wurde engagiert, um die Arbeitsagenturen und Jobcenter umzukrempeln. Die Verteidigungsministerin Von der Leyen hat eine McKinsey-Mitarbeiterin zur Staatssekretärin ernannt, einen weiteren McKinsey-Mitarbeiter als Berater engagiert. Das Innenministerium hat McKinsey engagiert, um sich beraten zu lassen, wie man Flüchtlinge schneller und effektiver abschieben kann. Das ist eine sehr tiefgreifende Entwicklung, weil die amerikanischen Investoren Verpflichtungen im Interesse der amerikanischen nationalen Sicherheit haben und dem Patriot Act  und Verpflichtungen im Antiterror-Kampf unterliegen."

     

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    Tags:
    LuxLeaks, Patriot Act, PriceWaterhouse Coopers, Unternehmensberatung McKinsey, Coca Cola, Dr. Werner Rügemer, Peer Steinbrück, Ursula von der Leyen, Barack Obama, Luxemburg, Deutschland, USA
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