23:06 23 November 2017
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    BND will Verschlüsselung von Instant-Messengern knacken

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    Bolle Selke
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    Der Bundesnachrichtendienst will 150 Millionen Euro ausgeben, um die Verschlüsselung von Instant-Messengern zu knacken. Das geht aus geheimen Haushaltsunterlagen hervor, die wir veröffentlichen. Bolle Selke sprach über das Thema im Interview mit dem Vizepräsidenten der Gesellschaft für Informatik Professor Hannes Federrath.

    "Diese Bemühungen, in Zukunft Verschlüsselungen knacken zu wollen sind vermutlich relativ aussichtslos. Mathematisch gesehen, sehe ich da überhaupt keine Chance, weder für die NSA, noch für den deutschen Nachrichtendienst, noch überhaupt für eine Sicherheitsstelle. Wenn man die besten Verfahren heute einsetzt und das passiert Gott sei Dank auch bei den modernen Apps, dann gibt es überhaupt keine Möglichkeit, die Verschlüsselung selbst zu knacken. Das heißt, hier geht es offenbar um andere Ansätze. Dieses Programm ist auch so angelegt, dass man gar nicht versuchen will, die Verschlüsselung selbst zu knacken, sondern es geht hier vielmehr darum, auf die Rechner, auf die Mobiltelefone, die Tablets von Endnutzern einzubrechen und dann die Nachrichten bereits vor der Endnutzung mitzulesen, oder eben beim Empfänger, nachdem sie wieder entschlüsselt sind. Ziel dieses Programms ist als weniger, die Verschlüsselung zu knacken, als vielmehr Software so zu manipulieren, dass man auf den Endgeräten den Klartext mitlesen kann."

    "Solche Angriffe erfordern üblicherweise maßgeschneiderte Software, denn es werden Sicherheitslücken ausgenutzt — so genannte Zero-Day-Sicherheitslücken, also solche die noch unbekannt sind, und die muss man auch erstmal kennen. Dafür bezahlen Nachrichtendienste unter anderem sehr viel Geld, also mehrere tausende oder zehntausende Euro pro Angriff und diese Sicherheitslücke ist dann eben nicht massenhaft ausnutzbar, sondern eben nur in sehr gezielten Einzelfällen. Es geht also hier interessanterweise nicht darum, dass der normale Bürger, also wir alle, betroffen von einer Massenüberwachung, sondern es geht eher um eine gezielte Manipulation von Geräten, die eben von ganz bestimmten Verdächtigen im Einsatz sind."

    "Diese Grundsatzfrage, nach der Einhaltung von Grundrechten, die stellt sich sowieso und zwar nicht nur an dieser Stelle, sondern eben auch beispielsweise im Bereich der Vorratsdatenspeicherung. Wenn man mal auf die Entscheidungen des Bundesverfassungsgerichts in Deutschland schaut, dann stellt man eben fest, dass der Staat ganz offensichtlich seine Kompetenzen immer wieder überschritten hat und an der Stelle Grundrechte zu stark eingeschränkt hat. Das gilt im Übrigen auch für die Kategorie in die die Angriffe, die hier angedacht sind, fallen. Es gibt eine Art von Grundrecht auf Unversehrtheit des Computers, das nennen wir Neues Computergrundrecht und in diesem Sinne wären eben genau solche Angriffe auch nur im Rahmen des Grundgesetzes erlaubt, die Schranken sind also relativ eng. Es muss durch einen Richter angeordnet sein und darf nur im Falle bestimmter, besonders schwerwiegender Straftaten geschehen. Würden diese Maßnahmen jetzt nicht auf den geltenden gesetzlichen Grundlagen gemacht werden, dann wäre das ein guter Grund entsprechend zu klagen und ich sehe durchaus Chancen, dass solche Maßnahmen dann auch verboten würden." 



    Tags:
    Verschlüsselung, App, US-Geheimdienst NSA, Bundesnachrichtendienst (BND), Hannes Federrath, Deutschland