08:51 17 Dezember 2017
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    Spaghettimonster-Urteil: Schilder können entfernt werden – müssen aber hängen bleiben

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    Das Land Brandenburg darf die Schilder der Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters zur „Nudelmesse“ in Templin entfernen, weil die Kirche keine Religionsgemeinschaft darstellt. Aber diese will eine Zulassungsbeschwerde einlegen. Deshalb bleiben die Schilder wohl doch weiter hängen.

    Nudelmesse der Pastafaris

    Der König ist tot, lang lebe der König: Dieses Procedere kann man auch beim Rechtsstreit um die Schilder der Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters in Templin bestaunen. Am Mittwoch erst ist das Urteil gefällt worden, dass die von der Weltanschauungsgemeinschaft angebrachten Schilder, die zur „Nudelmesse“ einladen, vom Land Brandenburg entfernt werden dürfen. Grund dafür ist, dass das Gericht die Gemeinschaft der sogenannten „Pastafaris“, die an ein Spaghettimonster als göttliche Instanz glauben, nicht als Religionsgemeinschaft werten will.

    Kopenhagen
    © Foto: Alexei Korschunow
    Doch die Schilder bleiben hängen, kommentiert Rüdiger Weida, Vereinsvorsitzender der Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters, diesen Vorgang. Denn es bleibe das Mittel der Zulassungsbeschwerde und natürlich würde man davon Gebrauch machen. Die selbsternannte Kirche gehe mit Sicherheit davon aus, dass sie eine Weltanschauungsgemeinschaft sei, dass man alle Anforderungen dafür erfülle, was sich aus der Satzung der Kirche ergebe. Das Urteil bezeichnet Weida als „zumindest nicht gerecht“, von einer Diskriminierung der Glaubensgemeinschaft sei es aber noch verfrüht zu reden.

    Und in der Tat scheinen die Pastafaris alles zu tun, was zum Glauben so dazugehört: Jeden Freitag halten sie ihre Messen ab, ähnlich der katholischen Messe haben sie ihre Riten, preisen Reliquien und legen ein Glaubensbekenntnis. Auch ein „nudliges Abendmahl“ gehört zu ihren Feierlichkeiten ebenso wie ein „Monsterunser“ – die Anleihen sind unverkennbar.

    Worum es hier in Wirklichkeit geht, kann sich jeder leicht selbst erschließen. Und den Ärger der katholischen Kirche kann man förmlich riechen. Und dennoch: Obwohl die Pastafaris unbestreitbar satirisch erscheinen, zeigen sie formal alle Elemente, die zu einem Glaubenssystem gehören. Der Rechtsstreit könnte also noch eine gute Weile andauern und die Medienlandschaft unterhalten.

    Laut Weida hat die Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters derzeit rund 15.000 Anhänger in Deutschland, von denen allerdings nur 300 aktive Vereinsmitglieder sind. Es dürfte halt auch schwer sein, auf lange Strecken diesem Glauben mit dem gebührenden Ernst und vor allem mit der gebotenen Ausdauer anzuhängen.

    Das komplette Interview zum Nachhören:

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    Gerichtsbeschluss, Religion, Monster, Spaghetti, Deutschland