SNA Radio
    Religion
    Zum Kurzlink
    307
    Abonnieren

    Der Wittenberger Reformator Martin Luther wird zum Comic-Helden. Die „Abrafaxe“ reisen durch die Zeit und besuchen den Theologen im 16. Jahrhundert. Sputnik sprach mit den Machern der erfolgreichsten deutschen Comic-Serie und einer Expertin über Kirche, Comics, Luther und das Reformationsjubiläum.

    „Die Abrafaxe reisen durch die Weltgeschichte und sind jetzt 1517 in der Nähe von Wittenberg gelandet“, sagte Comic-Herausgeber Klaus D. Schleiter gegenüber Sputnik. Die Abrafaxe, das sind die drei Comic-Helden Abrax, Brabax und Califax. Sie reisen quer durch die Zeit und bestehen spannende Abenteuer. Diesmal ging es in die Epoche des Reformators Luther.

    Die Abrafaxe: Auf ihren Zeitreisen nehmen sie immer diesen tierischen Begleiter mit
    Die Abrafaxe: Auf ihren Zeitreisen nehmen sie immer diesen tierischen Begleiter mit

    Der Grund: Heute vor 500 Jahren, am 31. Oktober 1517, soll Martin Luther seine 95 Thesen an die Tür der Schlosskirche in Wittenberg angeschlagen haben. Darin kritisierte er den Handel mit Ablassbriefen und griff die Machtstrukturen der Katholischen Kirche offen an. Luther zu Ehren wird der heutige Reformationstag in diesem Jahr bundesweit ein Feiertag sein.

    Im Comic: Brabax schlägt die Thesen an

    „Das, was wir in unserer Geschichte erzählen, weicht in bestimmten Punkten deutlich von den Erzählungen der Kirche ab“, sagte Schleiter weiter.

    „Zum Beispiel, dass wir auch sagen, dass Luther nicht die Thesen an die Kirchentür geschlagen hat. Das war der Hausmeister. Und das ist historisch belegt.“

    Die aktuelle Mosaik-Ausgabe, Heft 503 (November 2017), trägt den Titel: „Mit den Abrafaxen durch die Zeit – Luther und der Reichstag zu Worms“.
    Die aktuelle Mosaik-Ausgabe, Heft 503 (November 2017), trägt den Titel: „Mit den Abrafaxen durch die Zeit – Luther und der Reichstag zu Worms“.

    So würden die Abrafaxe immer wieder als Lückenbüßer einspringen, um historisch belegten Tatsachen einen Schubs in die richtige Richtung zu geben. „Dass da zum Beispiel in einem früheren Heft die Geschichte vom Thesenanschlag schön herausgearbeitet wird und dass dann natürlich Brabax, und nicht Luther, die Thesen anschlägt. Das gehört einfach zu der Geschichte dazu“, erklärte Astrid Mühlmann, Leiterin der staatlichen Geschäftsstelle „Luther 2017“ mit Sitz in Wittenberg, im Interview. Die Luther-Expertin unterstützte die Mosaik-Redaktion redaktionell bei der Reformationsserie.

    Wo ist Luther heute?

    Das erste Heft dieser Reformationsserie erschien im März 2016. Die aktuelle Ausgabe, Heft 503 (November 2017), trägt den Titel: „Mit den Abrafaxen durch die Zeit – Luther und der Reichstag zu Worms“.

    Historischer Hintergrund: 1521 wird Luther vom damaligen deutsch-römischen Kaiser Karl V., überzeugter Katholik, auf den Wormser Reichstag vorgeladen. Doch der reformatorischen Ideen aufgeschlossene Kurfürst Friedrich von Sachsen setzt sich für Luther ein. Als der Wittenberger Reformator auf dem Reichstag gegenüber der Katholischen Kirche seine Thesen nicht widerrufen will, wird er von dieser daraufhin zu einer vogelfreien Person erklärt. Kurz darauf lässt der Kurfürst Luther auf die Wartburg bei Eisenach bringen, wo der Reformator später einen Großteil seiner Bibel-Übersetzung fertigstellt.

    Eine Szene aus dem Reichstag zu Worms: Luther vor dem Tribunal
    Eine Szene aus dem Reichstag zu Worms: Luther vor dem Tribunal

    Diese später als „Luther-Bibel“ bekanntgewordene Schrift habe nicht nur die Religion, sondern auch die Alltagssprache geprägt.

    „Die deutsche Sprache ist stark geprägt von Luthers Bibel-Übersetzung“, erklärte Expertin Mühlmann von der staatlichen Geschäftsstelle „Luther 2017“. „Wir haben so viele Worte, die Luther für diese Bibel-Übersetzung eigens kreiert hat. Die es vorher so nicht gab und die wir heute noch verwenden: Lückenbüßer oder Wissensdurst zum Beispiel.“

    Als Wittenbergerin sei Luther immer ein Teil ihres Lebens gewesen. Sie habe bei der Kooperation mit den Comic-Machern in Abstimmung mit Historikerin und einem wissenschaftlichen Beirat darauf geachtet, „dass die Informationen, die die Kinder bekommen, nicht nur spannend sind, sondern auch historisch korrekt.“

    Was können Kinder lernen?

    „Auf der einen Seite geht es um die historische Genauigkeit“, sagte sie. Aber es handle sich um kein Wissensbuch oder Lexikon. Denn der Comic solle in erster Linie seinen jungen Lesern Spaß machen. „Dabei sollen die Kinder etwas lernen, aber es ist auch wichtig, dass die Geschichte funktioniert. So ist der Comic auch gestaltet. Die Figuren sehen beispielsweise nicht ganz so aus, wie sie wirklich ausgesehen haben.“ Es gebe kreative Spielräume für die Comic-Helden, aber Basis der Comic-Stories sei immer der reale historische Hintergrund.

    „Hier bei dieser Reformationsserie ist es so, dass wir zu Archiven und Historikern Zugang haben, die sich um das Thema Martin Luther kümmern“, ergänzte Herausgeber Schleiter. „Das sind Wissenschaftler, die uns die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse zur Verfügung gestellt haben. Das ist das Spannende dabei: Dass wir in unseren Stories auf Sachen hinweisen, die noch nicht so populär sind. Das ist unser Ziel bei Mosaik: Wenn ein Leser ein Heft durchgeblättert hat und danach sagt: ‚Oh toll, wusste ich noch nicht.‘“

    Erfolgsprodukt aus der DDR

    Der Mosaik-Comic erschien erstmals in der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) im Jahre 1955 in Ost-Berlin und ist damit die langlebigste deutsche Comic-Zeitschrift. Seit 1976 stehen die drei Figuren Abrax, Brabax und Califax, auch Abrafaxe genannt, im Mittelpunkt der Geschichten. Die Comic-Reihe wird im Mosaik Steinchen für Steinchen Verlag verlegt. Das Heft erscheint mit einer monatlichen Auflage von etwa 100.000 Exemplaren und ist der älteste und auflagenstärkste noch erscheinende Comic deutscher Produktion. Abrafaxe-Schöpfer Lothar Dräger, ausgebildeter Opernsänger, verstarb letzten Juli in Potsdam im Alter von 89 Jahren.

    Für Historiker war die Veröffentlichung der Thesen Luthers eines der bedeutendsten Ereignisse in der frühen Neuzeit mit einer unvorhersehbaren Langzeitwirkung: Das evangelische Christentum entstand daraufhin und in der Folge wurde Europa neu geordnet.

    Alexander Boos

    Das komplette Interview mit Comic-Herausgeber Klaus D. Schleiter zum Nachhören:

    Das komplette Interview mit Astrid Mühlmann, Geschäftsführerin von „Luther 2017“:

    Zum Thema:

    Gewaltige Explosion im Livestream: Elon Musks Starship-Versuchsrakete explodiert – Video
    Nord Stream 2 verhindern: USA bereiten neue Sanktionen gegen Pipeline vor
    Exklusiv: Nach Haft in Deutschland – Ukrainischer Oligarch packt aus
    Tags:
    Religion, Serie, Comic, Martin Luther, DDR, Deutschland