01:44 15 Dezember 2017
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    Gläubiger bei Gebet in einer somalischen Moschee (Archivbild)

    Gegen „Import-Imame“: Moscheen in Europa als Radikalisierungszentren

    © Foto: AU-UN IST PHOTO/ Stuart Price
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    Der Islamismus in Deutschland soll stärker kontrolliert und als verfassungsfeindlich eingestuft werden -das fordert der Islamwissenschaftler Ralph Ghadban. Aus seiner Sicht ist das auch bei den Imamen in den Moscheen notwendig. Er stimmt der Forderung aus den Emiraten nach mehr entsprechender Kontrolle zu.

    Die Frage der sogenannten „Import-Imame“ und die aus den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) geforderte Kontrolle der Imame und Moscheen sei in Deutschland seit Jahren ein Thema. Das sagte Ralph Ghadban, Publizist und Gründungsmitglied des „Muslimischen Forums Deutschland e.V.“, gegenüber Sputnik: „Alte Themen gewinnen an Aktualität, weil ein Muslim aus einem muslimischen Staat, welcher dem islamistischen Lager angehört, dies formuliert. Man muss konsequent sein und diese Import-Imame zu Hause lassen, die islamistischen Organisationen bekämpfen und ihre Moscheen schließen.“ Die Golfstaaten hätten Angst vor der Muslimbruderschaft sowie deren politischem Islam. Sie würden nun merken, dass der Westen, ganz Europa und Nordamerika, von den Muslimbrüdern unterwandert und kontrolliert sei, betont Ghadban.

    Muslime in Europa hätten sich radikalisiert, weil Moscheen und Gemeindezentren nicht stark genug von den Behörden kontrolliert würden. Das hatte der Minister für Toleranzfragen der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE), Scheich Nahjan Mubarak Al Nahjan, am Montag in einer Rede erklärt. Die Folge seien islamistische Anschläge in den EU-Staaten.  Die Emirate haben dem Minister zufolge wiederholt Hilfe bei der entsprechenden Ausbildung angeboten. Bis heute sei das Angebot aber nicht angenommen worden.

    Mehr Kontrolle notwendig

    Die Muslimbrüder treten für einen politischen Islam ein und propagieren eine stark am Islam orientierte Politik, bemerkte Publizist Ghadban. In den Emiraten sei die Organisation wie in vielen Ländern verboten und gelte als radikal-islamische Organisation. Das sei der Kern der Frage, ob sich eine Moschee, eine Gemeinschaft, ein Verein oder ein Verband nur religiös oder auch politisch engagiert. Große Verbände wie der „Zentralrat der Muslime“ oder auch der „Islam-Rat“ würden die Vorgaben des Grundgesetzes nicht erfüllen. Das zeige sich an dem Geschehen in den Moscheen, stellte Ghadban fest. Er verwies auf ein Gerichtsurteil des Oberverwaltungsgerichts (OVG) in Münster, welches die beiden Islamverbände nicht als Religionsgemeinschaft anerkannt hatte. Das belege, dass diese muslimischen Verbände auch politische Tendenzen aufweisen.

    Der VAE-Minister hatte kritisiert, „man kann nicht einfach eine Moschee eröffnen und jedem erlauben, dorthin zu gehen und zu predigen. Es muss eine Lizenz dafür geben.“ Lizenzen für Imame gebe es in Deutschland nicht, sagte Ghadban dazu. Stattdessen gebe es Verträge, die beispielsweise der „Türkisch-Islamischen Union der Anstalt für Religion e.V.“ (DITIB) erlauben, hunderte Imame ins Land zu holen. „Das ist alles rechtlich geregelt. Man muss diese Verträge streichen, die theologische Arbeit hier weiter ausbauen und kontrollieren“, forderte der Islamwissenschaftler.

    Es werde versucht, die islamische Theologie zu entwickeln und Imame auszubilden. Das würde jedoch auf ein Problem stoßen: „Man holt die alten Verbände in die Beiräte. Und das ist eine Perversion. Man will etwas anderes als diese Verbände, einen sogenannten Euro-Islam. Und holt sie dann, um das zu realisieren? Mit denen ist ein Euro-Isam nicht zu realisieren.“

    „Missbrauch der Religionsfreiheit“

    Einer der größten Islamverbände Deutschlands mit über 900 Mitglieds-Vereinen ist DITIB, die in der Vergangenheit mehrmals im Mittelpunkt von Affären stand. So durchsuchte das Bundeskriminalamt im Februar die Wohnungen von mehreren Imamen in einigen Bundesländern. Mindestens 13 DITIB-Imame hätten Informationen über 33 Personen und mehrere Institutionen nach Ankara geleitet, hatte das Landesamt für Verfassungsschutz (LfV) in Nordrhein-Westfalen gemeldet.

    „Bei DITIB dachte man, dass es eine Organisation wäre, die einen säkularen Laizismus vertritt. Mit Erdogan haben sich jedoch die Türkei und der Verband sehr stark islamisiert“, bemerkte Ghadban dazu. Nun würde der Verband Schritte unternehmen, die sogar verfassungswidrig seien. Als Beispiel nannte er „Negativkontrollen“: „Anstatt Islamisten zu kontrollieren, üben sie eine Kontrolle aus, um ihre Gegner, also Leute von Fethullah Gülen, zu verfolgen, was eigentlich strafrechtliche Konsequenzen haben sollte.“

    Deswegen sei der Islamismus konsequent zu kriminalisieren, forderte der Islamwissenschaftler und Publizist: „Man sagt immer, der Islamismus hat nichts mit dem Islam zu tun. Wenn das so ist, dann müssen die Islamisten als verfassungsfeindliche Elemente richtig verfolgt und beobachtet werden. Zu diesem Schritt traut sich der Staat aber wegen der sogenannten Religionsfreiheit nicht. Wir haben hier einen klaren Missbrauch der Religionsfreiheit, aber der Staat will dagegen nicht vorgehen.“

    Paul Linke

    Das Interview mit Dr. Ralph Ghadban zum Nachhören:

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    Tags:
    Gefahr, Radikalisierung, Islam, Imam, Moscheen, EU, Deutschland