15:16 14 November 2018
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    eine Afghanin bereitet sich bei den Religiöskursen vor, das Christentum anzunehmen (Symbolbild)

    Staat als Glaubenswächter: „Einfacher, in Deutschland als Salafist zu bleiben“

    © AFP 2018 / CLEMENS BILAN
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    Mehr als tausend Afghanen und Iraner haben in Berlin das Christentum angenommen. Mehrere hundert davon haben jedoch seit Jahresanfang Abschiebebescheide vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) erhalten. Gottfried Martens, Pfarrer der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche (SELK) in Berlin-Steglitz, berichtet darüber auf Facebook.

    Martens habe neulich eine Gerichtsverhandlung miterlebt, wo ein „treues, sehr engagiertes afghanisches Gemeindeglied“ die Inhalte des christlichen Glaubens darstellen musste, um die eigene Konvertierung glaubhaft zu machen. Trotz dessen, dass er „sehr schön“ die Aufopferung Jesu Christi für die menschlichen Sünden am Kreuz und die Vergebung dieser in der Taufe erklärt habe, sei der gebürtige Afghane dazu aufgerufen worden, auch seinen Taufspruch zu nennen.

    „Nun spielen diese Taufsprüche in unserer Gemeinde und Kirche kaum eine Rolle; das Gemeindeglied kann sich an seinen auch nicht erinnern“, zitiert das Portal kath.net Martens. Dabei werde in seiner Kirche vorerst die Taufe als wirksames Gnadenmittel begriffen und als wichtig erachtet, nicht der dabei genannte Taufspruch. Die Richterin habe aber darauf beharrt, dass gerade von jemandem, der den überwiegenden Teil seines Lebens islamisch-religiös geprägt worden sei, zu erwarten wäre, dass er das Sakrament der Taufe ernst und wichtig nehme, wozu „selbstverständlich auch gehört, sich den Spruch einzuprägen, der den christlichen Weg fortan begleiten soll“.

    „Ja, das steht tatsächlich in einer Urteilsbegründung eines deutschen Gerichts: Eine Richterin widerspricht öffentlich der vom Pastor des Asylbewerbers in der Gerichtsverhandlung vorgetragenen Tauflehre und verkündigt öffentlich die Häresie, dass man das Sakrament der Taufe durch das Auswendiglernen eines Bibelspruches ‚ernst und wichtig nimmt‘“, betont der lutherische Geistliche und führt das Ganze ad absurdum: Man könnte dann nämlich auch den Schluss ziehen, dass römisch-katholische und orthodoxe Christen nach Einschätzung des Gerichtes von vornherein ihre Taufe nicht ernst nehmen würden, weil sie erst gar keinen Taufspruch haben.

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    Schlussendlich habe das Gericht dann entschieden, dass das Mitglied der „Evangelisch-Lutherischen Dreieinigkeitskirche“ in Berlin-Steglitz nach Afghanistan abgeschoben werden soll, da die Konversion des Ex-Muslims als unglaubwürdig eingestuft worden sei. Der Kläger erwecke nämlich „nicht den Eindruck, eine bewusste Entscheidung für ein Leben als Christ getroffen zu haben“, zitiert der Geistliche das Gericht.

    „Wer aus theologischen Gründen, wie in unserer lutherischen Kirche, nicht davon ausgeht, dass sein Glaube Ausdruck einer ‚bewussten Entscheidung‘ ist, sondern Gabe und Wirkung des Heiligen Geistes, hat schon einmal ganz schlechte Karten, weil er damit nicht der staatlich approbierten Gnadenlehre entspricht“, beklagt der Pfarrer.

    Dann werde man ja auch noch mit der Begründung konfrontiert, dass das Gemeindeglied angeblich aus asyltaktischen Gründen konvertiert sei und der Pastor einen solchen Menschen getauft und damit seine Dienstpflichten massiv verletzt habe.

    „Wer nicht der staatlich approbierten Lehre von der Taufe als Übergabezeremonie für einen Taufspruch zustimmt, der gehört dann eben auch nach Afghanistan in den Tod geschickt“, so Martens. Der Staat bestimme somit, was der rechte Glaube sei – und wer sich dem nicht füge, müsse die Konsequenzen am eigenen Leibe spüren.

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    „Ob der Islam zu Deutschland gehört, darüber wird noch heiß diskutiert. Dass Glieder der lutherischen Kirche mit ihrem Verständnis von der Taufe nicht zu Deutschland gehören, ist für manche offenbar schon entschieden“, schließt der Pfarrer.

    Der 55-Jährige hatte schon mehrmals in vergangener Zeit die Problematik solcher Unterfangen hervorgehoben, wo der Staat in kurzer Zeit sich einen Gesamteindruck über die Ernsthaftigkeit der Konversion verschaffen wolle und „Glaubenswächter“ spiele. Es sei oft einfacher in Deutschland als Salafist zu bleiben, denn als Christ, so Martens.

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    Tags:
    Asyl, Migranten, Abschiebung, Kirche, Glaube, Christentum, Islam, Berlin, Deutschland