02:48 19 November 2018
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    Kirche (Symbolbild)

    Türkisch-orthodoxe Kirche zieht gegen Konstantinopel vor Gericht

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    Die Türkisch-orthodoxe Kirche hat eine Klage gegen das Ökumenische Patriarchat von Konstantinopel und dessen Oberhaupt Bartholomaios I. eingereicht. Das teilte die Sprecherin des Patriarchats der Türkisch-orthodoxen Kirche, Sevgi Erenerol, am Dienstag in Istanbul mit.

    Die türkische Kirche protestiere gegen den Beschluss von Patriarch Bartholomaios, die orthodoxe Kirche in der Ukraine sich zu unterstellen und somit den Weg zu ihrer Eigenständigkeit (Autokephalie) zu ebnen, sagte sie.

    „Der Fall ist äußerst politisiert und hat mit der Religion nichts zu tun. Bartholomaios hat keine Befugnisse, seine Exarchen in die Ukraine zu entsenden und deren Kirche Autokephalie zu gewähren. Der Status des Patriarchen von Konstantinopel erlaubt ihm gemäß dem Lausanne-Friedensvertrag von 1923 nur Gottesdienste für die in der Türkei ansässigen Griechen“, sagte die Sprecherin.

    Sie bezeichnete die Handlungen des Ökumenischen Patriarchen als Verbrechen. „Bartholomaios sprengte den Rahmen seiner Vollmachten und hat sich in die Beziehungen zwischen Ländern, in ihre inneren Angelegenheiten eingemischt. In diesem Fall darf er sich nicht mehr in der Türkei aufhalten“, betonte Erenerol.

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    Patriarch von Moskau Kirill während der Sitzung der Heiligen Synode der Russisch-Orthodoxen Kirche
    © Sputnik / Pressedienst des Patriarchats der Russisch-orthodoxen Kirche
    Die Türkisch-orthodoxe Kirche war 1922 auf Beschluss der türkischen Regierung gegründet worden, die versuchte, eine mit der griechischen Orthodoxie nicht verbundene nationale orthodoxe Kirche ins Leben zu rufen. Die Gemeinde ist extrem klein, hat aber drei Kathedralen in Istanbul. Die Türkisch-orthodoxe Kirche mit Patriarch Eftim IV. (bürgerlich Ümit Pasa Erenerol) an der Spitze ist von keiner der 15 orthodoxen Landeskirchen anerkannt.

    Am Montag hatte der Heilige Synod der Russisch-orthodoxen Kirche in einer Auswärtssitzung in der weißrussischen Hauptstadt Minsk beschlossen, jegliche Kontakte zu Konstantinopel abzubrechen. „Das war eine erzwungene Entscheidung. Etwas anderes konnte der Synod nicht beschließen, weil die ganze Logik der jüngsten Handlungen des Patriarchats von Konstantinopel uns keine andere Wahl gelassen hat“, sagte Metropolit Ilarion von Wolokolamsk, Vikar des Patriarchen, nach der Sitzung. Dabei äußerte er die Hoffnung, dass Konstantinopel seine Einstellung zur Gewährung einer Autokephalie (Eigenständigkeit) an die Ukrainische Kirche doch noch ändern wird.

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    Nach dem Beschluss dürfen Anhänger der Russisch-orthodoxen Kirche die Beichte in Kathedralen des Konstantinopeler Patriarchats nicht ablegen oder am Abendmahl teilnehmen. Zudem dürfen keine gemeinsamen Gottesdienste mit Würdenträgern von Konstantinopel zelebriert werden.

    Zuvor hatte Bartholomaios beschlossen, zwei nicht kanonische schismatische Kirchen in der Ukraine – die Ukrainische Orthodoxe Kirche des Kiewer Patriarchats und die Ukrainische Autokephale Kirche —, die von anderen orthodoxen Kirchen nie anerkannt wurden, zu legalisieren. Zudem setzte der Synod des in Istanbul ansässigen Patriarchats von Konstantinopel den von Moskau über die Vorsteher der beiden schismatischen Kirchen verhängten Kirchenbann (Anathema) außer Kraft.

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    Tags:
    Spaltung, Kirche, Beschluss, Ukrainisch-Orthodoxe-Kirche, Russisch-orthodoxe Kirche, Türkei