19:27 20 November 2018
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    Die irische Musikerin Sinead O’Connor

    Nothing compares to Sinead O’Connor: Warum konvertierte sie zur Muslima?

    © AP Photo / Antonio Calanni
    Religion
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    Andreas Peter
    191789

    Die irische Musikerin Sinead O’Connor hat ihren Übertritt zum Islam bekanntgegeben. Schon im vorigen Jahr hatte sie ihren bürgerlichen Namen abgelegt. Die Konversion der Katholikin zur Muslima Shuhada Davitt ist der neueste in einer Reihe von medienwirksamen Auftritten der Künstlerin, die allerdings weniger mit Musik zu tun haben.

    Eigentlich gehört Sinead O’Connor zur Gilde der sogenannten One-Hit-Wonder, also jener Künstler, die – meistens mit ihrem Debüt – das Werkstück ihrer Karriere abliefern, für das sie international bekannt sind, und für sonst nichts. Das ist natürlich eine rein kommerzielle und einigermaßen unfaire Kategorie, weil sie ignoriert, dass Sinead O’Connor eine treue Fangemeinde hat, die sie für ihre Musikkunst verehrt.

    Der vom legendären Wunderknaben Prince 1985 komponierte und von O’Connor 1990 nachgesungene Welterfolg „Nothing compares to you“ ist unbestritten ihr kommerziell erfolgreichstes Lied. Das dazugehörige Musikvideo ist eine Ikone des Genres. Wahrscheinlich gibt es nur wenige Menschen, die in den 90er Jahren pop-musikalisch sozialisiert wurden, also auch mit dem Musiksender MTV, die das relativ simple, aber überaus effektvolle Video nicht gesehen haben.

    Gut Dreiviertel des Videos besteht aus nichts anderem als einer Nahaufnahme des nahezu makellos schönen Gesichtes von O’Connor. Der Moment, wenn die in einem strengen schwarzen Rollkragenpullover gekleidete, fast kahlköpfige Sängerin in Tränen ausbricht, gehört zu jenen Augenblicken, die sich in ein kollektives Gedächtnis einbrennen. Interessanterweise denken bis heute viele, es handelt sich dabei um ein klassisches Liebeslied, und O’Connor betrauere hier eine verflossene Liebschaft. Es geht in dem Lied tatsächlich um den Verlust eines geliebten Menschen, aber in gänzlich anderem Zusammenhang.

    Großes Missverständnis um ihren größten Erfolg

    Prince hatte das Lied 1985 komponiert, nachdem seine langjährige persönliche Assistentin plötzlich gekündigt hatte. Ihr Vater war verstorben. Auch Sinead O’Connor hatte ein besonderes Verhältnis zu ihrem Vater. Die Eltern der 1966 Geborenen trennten sich, als sie ein Kind war. Im damals noch streng katholischen Irland war eine Trennung gleichbedeutend mit gesellschaftlicher Stigmatisierung, die Kinder wurden grundsätzlich den Müttern zugesprochen.

    Doch das Verhältnis der jungen Sinead zu ihrer Mutter war offenbar alles andere als normal. Die Sängerin berichtete später von körperlichen Misshandlungen durch die Mutter. Gleichwohl behauptete sie auch, die Tränen im Musikvideo wären ihr gewidmet gewesen, weil sie sich bei den Dreharbeiten plötzlich an den Unfalltod ihrer Mutter 1985 erinnerte.

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    Traumata der Kindheit

    Sei es, wie es sei. Mit 13 zog O’Connor zu ihrem Vater und dessen Partnerin. Wegen mehrerer Vergehen wurde sie auf ein Internat des Ordens der „Sisters of our Lady of Charity“ verwiesen. Dort wurde sie nach eigenen Angaben von einem Geistlichen sexuell missbraucht. Der Orden ihres Internates erlangte später traurige Berühmtheit, als immer mehr sexuelle Übergriffe an Schutzbefohlenen unter dem Dach der Römisch-Katholischen Kirche in Irland bekannt wurden.

    Sowohl die Trennungs- und Gewalt- als auch die Missbrauchserfahrungen, aber möglicherweise auch die insgesamt wenig erfolgreiche musikalische Karriere haben bei O’Connor mit einiger Wahrscheinlichkeit zu Traumatisierungen geführt, die das Sprunghafte, Unstete, aber auch das Selbstgefährdende in ihrem Wesen und ihrem Leben erklären könnten. Ihr Verhalten reicht von unberechenbar aggressiv bis depressiv suizidal.

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    Unbewältigte Vergangenheit: Dämonen ihres Lebens

    Sinead O’Connor hat bereits mehrere Selbstmordversuche verübt. Auch ihre Religiosität hat etwas Manisches, Selbstzerstörerisches. Sie zog sich schon mehrfach aus dem Musikgeschäft zurück, um Theologie zu studieren oder Religionslehrerin zu werden. Beispielsweise nahm sie 1996 den Namen „Mutter Bernadette Mary“ an (ihre beiden anderen bürgerlichen Vornamen), nachdem sie von der erzkonservativen katholischen Sekte der Katholisch-Apostolischen Gemeinde in Irland zur Ordensschwester geweiht wurde, was die Römisch-Katholische Kirche natürlich nie anerkannte.

    Ihr Auftritt in der populären Fernsehsendung „Saturday Nightlife“ am 3. Oktober 1992 ist Fernsehgeschichte, als sie mit wüsten Beschimpfungen und Anklagen wegen des sexuellen Kindesmissbrauchs in der Katholischen Kirche ein Foto von Papst Johannes Paul II. zerriss. Wegen der darauffolgenden Anfeindungen zog sie sich zurück, um Operngesang zu studieren. Ihr 2007 veröffentlichtes Album „Theology“ ist ganz ihren spirituellen Gedanken gewidmet.

    Religionsänderung als Hilferuf einer gequälten Seele?

    Auch ihr Privatleben deutet auf eine unbewältigte traumatische Erfahrung hin. Sinead O’Connor war bislang viermal verheiratet und hat vier Kinder von verschiedenen Partnern. Sie bezeichnete sich einmal als lesbisch, um das später zu widerrufen. Im vergangenen Jahr verkündete sie, dass sie ihren bürgerlichen Namen nie mehr verwenden wolle und ab sofort nur noch als Magda Davitt leben werde, um sich „vom Fluch ihrer Eltern“ zu befreien.

    Nun hat sie nicht nur ihren Namen, sondern auch ihre Religion geändert. Vor dem Hintergrund ihres bisherigen Lebens ist es bequem und billig, sich über ihre inzwischen dritte Namensänderung und ihre Konversion lustig zu machen.

    Ihr neuer Name Shuhada entstammt dem Arabischen und ist der Plural von „Märtyrer“. Ihr Geburtsname Sinead entstammt dem Hebräischen und bedeutet „Gott ist gnädig“. Das kann man Shuhada Davitt nur wünschen.

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    Tags:
    Kindheit, Glaube, Missbrauch, Vergewaltigung, Islam, Irland