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    Schächten (Archivbild)

    Belgische Region verbietet Schächten – Rabbi: „Affront gegenüber europäischen Werten“

    © Sputnik / Wladimir Astapkowitsch
    Religion
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    Bolle Selke
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    Tierschutz oder Schikane? Seit Januar 2019 dürfen Metzger in der belgischen Region Flandern Tiere nicht mehr Schächten. Als Grund nennt die belgische Regierung den Tierschutz. Muslimische und jüdische Religionsvertreter sprechen von einem „Affront von rechts“.

    Unter Schächten versteht man die Schlachtung eines Tieres ohne vorheriger Betäubung: Einem unbetäubten Tier wird der Hals mit einem Messer von der Kehle aus durchschnitten. Damit soll das möglichst rückstandslose Ausbluten des Tieres gewährleistet werden. Der Verzehr von Blut wird sowohl im Judentum als auch im Islam verboten. Außerdem muss das Tier gesund sein bevor es geschächtet wird – das steht im Widerspruch zur klassischen Schlachtmethode, dem Bolzenschuss.

    „Gefahr für jüdisches Leben in Europa“

    In Schweden, Norwegen, Island, Dänemark, Slowenien und der Schweiz gibt es bereits Schächtverbote. Nun auch in Flandern. In der Region des Königreichs Belgien mit mehr als 6,5 Millionen Einwohnern dürfen seit Anfang des Jahres 2019 Metzger Tiere nicht mehr auf die religiöse Art schlachten.

    Bereits eine Woche nach Inkrafttreten sorgt das Verbot für scharfe Kritik. Rabbiner Pinchas Goldschmidt, Präsident der Europäischen Rabbinerkonferenz und Oberrabbiner von Moskau, sagte der Wochenzeitung The Jewish Chronicle (The JC), dass das Verbot des Schächtens jüdisches Leben in Europa gefährden würde. Er spricht von einem „Affront gegenüber den europäischen Werten, die wir alle so hochhalten“.

    Die belgische Regierung bezeichnet das Gesetz als Tierschutz-Maßnahme: Es verlangt, dass die Tiere vor dem Schnitt durch die Kehle betäubt werden, um ihnen Schmerzen beim Ausblutungsvorgang zu ersparen.  Yaakov David Schmahl, Rabbiner aus Antwerpen, bezweifelt diese Motivation. Es sei nicht klar, ob der Tierschutz oder Vorurteile gegen Juden und Muslime hinter dem Verbot steckten: „Man kann die wahren Absichten der Menschen nicht sehen, solange sie nicht sagen, was sie bewegt. Die meisten Antisemiten tun das nicht.“

    Weitere Verbote in Wallonien und Italien

    Moshe Kantor, Präsident des Europäischen Jüdischen Kongresses, sagte der „Jüdischen Allgemeinen“, er halte das Gesetz für skandalös: „Dieser Entschluss im Herzen Westeuropas schickt eine furchtbare Botschaft an jüdische Gemeinden auf dem Kontinent: dass Juden nicht erwünscht sind.“

    Trotzdem soll im September auch im belgischen Wallonien das Schächten verboten werden. In Deutschland gilt ein rechtlicher Spagat: Schächten ist hier zwar grundsätzlich verboten, aber es muss Ausnahmen geben. Diese sollen die ungestörte Religionsausübung gewährleisten. Auch in Italien sind noch derartige Ausnahmen zugelassen. Das will die italienische Rechtsaußen-Partei Lega unter der Federführung von Innenminister Matteo Salvini aber ändern.

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    Tags:
    Rabbiner, Diskriminierung, Verbot, Metzger, Juden, Italien, Belgien, Flandern