01:25 28 Februar 2020
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    Die mittelalterliche Schmähskulptur an der Wittenberger Stadtkirche in Sachsen-Anhalt muss vorerst nicht entfernt werden. Das Oberlandesgericht Naumburg wies am Dienstag die Berufungsklage eines Mannes gegen die evangelische Stadtkirchengemeinde zurück, das „Judensau“ genannte Relief zu entfernen.

    Die als „Judensau“ bezeichnete Sandsteinplastik, die im 13. Jahrhundert entstanden ist, sei isoliert betrachtet eine Beleidigung. Jedoch habe sie als Teil eines heutigen Mahnmals mit Erklärtafel an der Kirche keinen beleidigenden Charakter mehr, hieß es in der Urteilsbegründung des Vorsitzenden Richters des 9. Zivilsenats, Volker Buchloh. So hatte es auch die Vorinstanz, das Landgericht Dessau-Roßlau, gesehen.

    ​Symbol täglichen Antisemitismus`

    Zugleich ließen die Naumburger Richter eine Revision vor dem Bundesgerichtshof zu. Das Urteil ist damit noch nicht rechtskräftig. Der Kläger Michael Dietrich Düllmann ist Mitglied einer jüdischen Gemeinde in Deutschland. Er hatte argumentiert, die Schmähplastik sei eine Beleidigung von Menschen jüdischen Glaubens, diffamiere das Judentum und symbolisiere täglich den Antisemitismus in der Kirche und in der Gesellschaft.

    Mittelalterliche Schmähskulptur

    Das etwa 700 Jahre alte Sandsteinrelief an der Stadtkirche in Wittenberg zeigt einen Rabbiner, der einem Schwein unter den Schwanz schaut, und Juden, die an den Zitzen der Sau trinken. In einer Inschrift, die 1570 an die Skulptur angebracht wurde, steht „Schem hamphoras“ - eine Gottes-Bezeichnung im Judentum. Schweine gelten im jüdischen Glauben als unrein. Die Stadtkirche ist das Gotteshaus, in dem auch der Reformator Martin Luther predigte. Es gehört zum UNESCO-Welterbe. Das Lutherhaus selbst steht nur wenige Hundert Meter entfernt. Luther verfasst dort auch seine antisemitischen Schriften.

    Antijüdische Plastiken gibt es in Deutschland auch an anderen Kirchen wie dem Kölner Dom. Gegen das Urteil des Oberlandesgerichts kann der Kläger innerhalb von vier Wochen nach Zustellung Revision einlegen, so ein Gerichtssprecher.

    ba/dpa

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    Tags:
    Wittenberg, Antisemitismus, Deutschland