17:09 24 November 2020
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    Die Kleruskongregation des Vatikans verbietet Laien nun explizit das Predigen und Leiten von Pfarreien. Das neue Recht aus Rom führe jedoch zu vielen Problemen in deutschsprachigen kirchlichen Gemeinden in der Schweiz. Insgesamt gibt es viel Kritik am Dokument: Es demotiviere Laien und übe sich theologisch und kirchenrechtlich defizitär aus.

    Letzte Woche veröffentlichte die Abteilung zuständig für den Klerus aus dem Vatikan eine neue Verordnung: Die Leitung von Pfarreien wie auch das Predigen sollen alleine und ausschließlich dem Pfarrer vorbehalten sein. Dies sorgte in der katholischen Kirche für viel Aufregung, denn alle Laientheologen werden damit aus der Leitung ausgeschlossen, schreibt die Schweizer Zeitung „Tages-Anzeiger“.

    Ein bewährtes Konzept

    Schon seit Jahren wird die partizipative Gemeindeleitung zwischen Priestern und Laien in der Schweiz praktiziert. Neuerdings gebe es auch Modelle, die auch in Deutschland aktiv ausgeübt werden. Das Dokument der Kleruskongregation würde eine weitere Zusammenarbeit in diesem Bereich enorm hindern. „Die Kirche in der Deutschschweiz müsste zusammenpacken, sollte dieses Papier umgesetzt werden“, sagt Monika Schmid zum „Tages-Anzeiger“. Sie leitet als Laie die Pfarrei Illnau-Effretikon im Kanton Zürich.

    Speziell in der Deutschschweiz würden Laien – mit Ausnahme der Sakramentenspende – alle Dienste des Pfarrers ausführen. Dabei haben Bistümer in der Deutschschweiz schon Jahre zuvor den Begriff des „Pfarrerbeauftragten“ für Laien eingeführt. Dieser sollte das kontroverse Wort „Gemeindeleiter“ ersetzen. Die Begründung dafür lautete, dass die Verantwortung und Leitung der Pfarrei beim Pfarrer und nicht etwa bei einem Team liege.

    Laut Schmid seien Gottesdienste ohne Laienmitarbeitern schlicht nicht mehr denkbar. Das Teilen des Leitungsamts mit beispielsweise Pastoralassistenten sei ein bewährtes Modell. In rund einem Drittel aller Pfarreien im Generalvikariat Zürich-Glarus sei bisher „keine bessere Alternative“ in Sicht – so der Zürcher Generalvikar Franz Annen.

    Massive Kritik

    Im September soll sich die Schweizer Bischofskonferenz erstmalig mit dem Dokument auseinandersetzen. Der Generalsekretär der römisch-katholischen Zentralkonferenz in der Schweiz, Daniel Kosch, bezweifelt eine kurzfristige Änderung des momentanen Modells. Genauso wie viele deutsche Bischöfe teile er die Kritik am Dokument. Es wäre theologisch und kirchenrechtlich defizitär, klerikal einengend, nicht umsetzbar und demotiviere Laien, sagt er dem „Tages-Anzeiger“.

    In Deutschland wurde enorme Kritik gegen das Papier des Vatikans erhoben. Man sehe es fast schon als einen direkten Angriff gegen den Veränderungsprozess im deutschsprachigen Raum. Dem Kirchenrechtler Thomas Schüller begegne diese Instruktion wie ein „letzter Aufschrei einer sterbenden Religionsdiktatur“.  Abgesehen davon, dass Priester damit auf ein Podest gestellt werden, würden auch Frauen von den Leistungs- und Weihämtern ferngehalten. Zudem würde es den Klerikalismus „zementieren“.

    Was auf jeden Fall keine Alternative zu sein scheint, ist das Ersetzen von fehlenden Priestern aus dem Ausland, so Monika Schmid. Denn diese seien nicht mit den Verhältnissen vor Ort bekannt und gleichzeitig könnten Sprachbarrieren einen konfliktlosen Umgang zu Mitmenschen stören. Außerdem würde auch von den Laientheologen ein bedingungsloses Zudienen erwartet werden. Es bestehe eine klerikale Schieflage, welche durch die neue Bestimmung Roms noch mehr zunehmen würde.

    lm

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    Tags:
    Deutschland, Schweiz, Rom, Kirche, Vatikan, Katholiken