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    Nicht durch militärische Drohszenarien, sondern durch sozial intelligente Interventionen punktet laut Daniel Witzeling, Leiter des Humaninstituts in Wien, Russland aktuell am stärksten auf der Weltbühne, wie die aktuelle Hilfsmaßnahme Russlands für Italien in der Corona-Krise zeigt.

    Die Russen brachten mit 15 Flügen speziell ausgebildete Militärärzte, weiteres Personal, mobile Desinfiziereinheiten, Beatmungsplätze und andere medizinische Geräte ins europäische Epizentrum der Pandemie. Durch das intellektuelle Potenzial seiner Menschen und der politischen Entscheidungsträger wie Putin könne Russland in Zukunft gerade als Weltmacht der "Soft-Skills" gelten, so der Sozialforscher im Sputnik-Interview.

    In Zeiten globaler Krisen wie bei dem Coronavirus sei das Setzen auf "weiche" Fähigkeiten und Persönlichkeitseigenschaften wie Empathie und soziale Intelligenz, fährt Witzeling fort, - „sprich wie gut kann ich mich in andere Menschen hineinversetzen und auf ihre Gefühle und Bedürfnisse eingehen - von größter Bedeutung, da es darum geht, wie man mit den Menschen kommuniziert, um Akzeptanz für die notwendigen Maßnahmen zu erlangen. Österreich ist, wie viele andere Länder weltweit, damit beschäftigt, Maßnahmen gegen die Coronavirus-Pandemie zu treffen. Generell werden alle Hilfsmaßnahmen, die von anderen Ländern wie Russland für Italien und den USA oder China für Österreich getroffen werden, sehr positiv wahrgenommen.“

    „Diese Maßnahmen werden auch nach der Krise einen nachhaltigen Effekt auf die internationalen Beziehungen zwischen den sich gegenseitig helfenden Nationen haben“, urteilt der Wiener Sozialforscher. „Ganz im Sinne von Soft-Skills, die in Hard-Facts wie konkrete Hilfe münden. Russland stärkt durch die Interventionen sein bereits positives Image in Österreich noch mehr.“

    Auf eine negative Reaktion der deutschen Mainstreammedien auf, wie es hieß, „nicht ganz uneigennützige“ Hilfe Russlands eingehend, meinte Witzeling, die EU erlebe gerade einen solidarischen Super-GAU. „Anstatt konstruktiv zu kooperieren, konzentriert man sich sogar auf einen artifiziellen ,Außenfeind‘ wie Russland.“ Dabei hätten Deutschland, Frankreich, die skandinavischen EU-Mitglieder doch selbst maximale Hilfe an die Notleidenden zu leisten.

    Man habe ganz andere Probleme zu lösen, behauptet der Experte. „Für die EU ist die aktuelle Krise auch in Bezug auf die ökonomische Situation von Ländern wie zum Beispiel Griechenland, Italien oder Spanien der Realitätstest in Bezug auf die Solidarität. Es wird sich erweisen, ob die EU eine Sozialunion ist, deren Staaten sich gegenseitig helfen, oder ob es sich um eine reine Wirtschaftsunion handelt.“

    Zuhause bleiben oder zur Pestsäule in der Wiener Innenstadt gehen und beten?

    „Die Menschen besinnen sich jetzt sehr stark auf Grundwerte und Dinge, die ihnen wirklich wichtig sind“, erläutert der Psychologe. „Hier spielen der Glaube und die Hoffnung an eine überirdische Instanz wie Gott eine zentrale Rolle. In der Psychologie gibt es in diesem Zusammenhang den Begriff des ,magischen Denkens‘, eine Erscheinungsform der kindlichen Entwicklung. Dies findet dann statt, wenn eine Person annimmt, dass ihre Gedanken, Handlungen oder auch Gebete einen Einfluss auf ursächlich nicht damit verbundene Ereignisse nehmen können. Gerade in einer kognitiv schwer greifbaren Krise hat diese Form der Spiritualität sogar in einer hypermodernen Gesellschaft eine starke Funktion.“

    Aktuell sei die Bereitschaft der Bürger noch sehr groß, sich an die neuen Regeln wie Ausgangsbeschränkungen oder Maskenpflicht zu halten, ist sich der Experte sicher. „Hier sind die Österreicher wie auch die Deutschen sehr kooperativ, was auch der Kultur der Länder und dem Wesen der Menschen entspricht. Mit zunehmender Dauer wird die psychische Belastung bei den Menschen natürlich exponentiell größer. Die daraus resultierenden zwischenmenschlichen Spannungen müssen dann vermehrt professionell abgefedert werden.“

    Was aber viel schwerer wirke, äußert Witzeling, sind „die Auswirkungen auf die Wirtschaft, die mit jedem Tag und jeder Woche größer werden. Hier sind die Folgen mittel- und langfristig schwer abschätzbar. Kurzfristig merkt man in Österreich bereits einen starken Anstieg der Arbeitslosigkeit. Viele Klein- und Mittelbetriebe sind von den Maßnahmen sehr stark betroffen.“

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    Soft Power, humanitäre Hilfe, USA, Coronavirus, Italien, Russland