13:37 26 November 2020
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    Altkanzler Gerhard Schröder hat auch vor dem Hintergrund der Corona-Krise ein wieder engeres Verhältnis zu Russland angemahnt. Darüber sprach der SPD-Politiker in einem Interview mit dem „Tagesspiegel” am Sonntag.

    „Gerade jetzt, wo wegen der Corona-Krise wirtschaftlich schwere Zeiten auf uns zukommen, brauchen wir mehr Zusammenarbeit. Deshalb müssen unsinnige Sanktionen weg”, sagte er.

    Angesprochen darauf, dass dies die Antwort Europas auf die völkerrechtswidrige Annexion der Krim gewesen sei, meinte Schröder: „Wer glaubt, man könnte Russland mit Sanktionen zu irgendetwas zwingen, der irrt. Kein russischer Präsident wird die Krim jemals an die Ukraine zurückgeben.”

    Schröder setzt sich seit längerem für einen Wegfall der Strafmaßnahmen ein. Er hatte nach dem Abschied aus dem Kanzleramt unter anderem den Aufsichtsratsvorsitz bei dem vom russischen Konzern Gazprom dominierten Ostsee-Pipeline-Betreiber Nord Stream übernommen und pflegt auch persönlich Kontakt zu Präsident Wladimir Putin.

    Schröder sagte, inmitten der Corona-Pandemie lehre das Kriegsgedenken am 8. Mai: „Statt Konfrontation geht es heute weltweit um Verständigung, Zusammenarbeit und Solidarität.”

    Man dürfe die Geschichte im Falle Russlands nicht ausblenden: „Es war ein grausamer Vernichtungsfeldzug mit dem Ziel, Russland von der weltpolitischen Bühne verschwinden zu lassen. Das dürfen wir nie vergessen – und dem muss die deutsche Russland-Politik stärker Rechnung tragen, als dies gegenwärtig der Fall ist.”

    Dass man in Russland trotz dieser schrecklichen Vergangenheit bereit sei, mit dem neuen Deutschland vertrauensvoll zusammenzuarbeiten, könne gar nicht hoch genug geschätzt werden. „Dazu passt nicht, dass wir die Sanktionen gegen Russland weiter unterstützen.”

    Schröder mahnte im Gespräch mit dem „Tagesspiegel” außerdem eine Klärung der Frage der Kanzlerkandidatur in der SPD spätestens bis zum Herbst an. Angesprochen auf Finanzminister Olaf Scholz (SPD), sagte Schröder: „Ohne Zweifel hat er diesen Willen.” Aber auch Arbeitsminister Hubertus Heil mache hervorragende Arbeit. Die SPD-Vorsitzenden Norbert Walter-Borjans und Saskia Esken erwähnte Schröder in dem Interview nicht.

    msch/sb/dpa

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